Land Rover Discovery Das Schweigen der "Discos"
"Der neue Discovery setzt wiederum den Maßstab im Segment der Allradfahrzeuge", behauptet Land-Rover-Chef Bob Dover. Das mag etwas zu selbstbewusst klingen, doch Mühe haben sich die Geländewagen-Spezialisten aus dem Ford-Konzern wirklich gegeben. 39 Millionen Euro flossen in die Weiterentwicklung des Discovery, der von seinen Fans kurz und keck "Disco" genannt wird. Für diese Summe wurden mehr als 700 Bauteile des Autos komplett erneuert, verändert - auf jeden Fall aber verbessert.
Oberstes Ziel der Ingenieure: Die so genannten Onroad-Eigenschaften, also das Fahrverhalten auf Asphalt, sollten verbessert werden. Viele der Neuerungen sind deshalb nicht auf Anhieb erkennbar, sie stecken in technischen Details. Zum Beispiel im Fahrwerk.
Als einziger Geländewagen weltweit fährt der Discovery mit der "aktiven Stabilisatorenregelung" ACE (Active Cornering Enhancement) vor. Das System steuert über eine Hydraulikpumpe eine Hebelkonstruktion an den Stabilisatoren, was zur Folge hat, dass sich in Kurven die Karosserie nicht mehr so stark zur Seite neigt. Bei tiefen Schlaglöchern im Gelände oder bei Schrägfahrten erhöht die Technik die Traktion sowie die Kippsicherheit.
Wie bislang schon gehören darüber hinaus ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Traktionskontrolle und eine elektronische Bergabfahrhilfe zur Serienausstattung des Allradlers. Neu wiederum ist die Differenzialsperre, die jedoch extra bezahlt werden muss.
Um den Komfort der Discovery-Insassen beim Alltagsbetrieb auf befestigten Wegen zu erhöhen, wurde das Geräuschniveau im Innenraum gesenkt. Neue Materialien sollen Klapper- und Knistergeräuschen erst gar nicht mehr aufkommen lassen. Die Gummidichtungen wurden dicker, die Dämpferelemente zwischen Karosserie und Kastenrahmen wirkungsvoller. Um die Motorgeräusche zu dämpfen, wurde im Ansaugtrakt ein zweiter Schalldämpfer installiert.
Die Maßnahmen wirken. Der äußerlich kantige Discovery tritt höchst geschliffen auf: leise, zurückhaltend, vibrationsarm. In Kombination mit der erhabenen Sitzposition und den großen Scheiben rundum entsteht am Steuer des Wagens eine Art Kapitänsgefühl: Man gleitet gediegen durch das Wogen der anderen Wagen.
Erst recht gilt dies für abseitige Wege. Bei der Präsentation des neuen Modells gab es die Möglichkeit, das Auto auf dem Gelände von Eastnor Castle zu bewegen, wo auch die Entwickler von Land Rover ihre Konstruktionen testen. Schlamm, Steine, Schlaglöcher, Stämme und sogar kleine Seen werfen sich dem Auto in den Weg: vergebens. Mühelos und sehr souverän ackert der Discovery vorwärts. Mit Geländeuntersetzung und Differenzialsperre wirkt der Wagen nahezu unaufhaltsam.
| Hersteller: | Land Rover |
|---|---|
| Typ: | Discovery |
| Karosserie: | Geländewagen/Pickup/SUV |
| Motor: | Fünfzylinder-Diesel |
| Hubraum: | 2.495 ccm |
| Leistung PS: | 137 PS |
| Leistung kW: | 101 kW |
| Drehmoment: | 340 Nm |
| Von 0 auf 100: | 15,3 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 157 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 9,4 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 223 g/km |
| Kofferraum: | 880 Liter |
| umgebaut: | 1.700 Liter |
| Versicherung (HP): | 24 € |
| Versicherung (TK): | 33 € |
| Versicherung (VK): | 28 € |
| Preis: | 30.800 € |
Ideal auf solchem Terrain ist die Version mit dem kraftvollen Fünfzylinder-Diesel unter der eckigen Haube. Die andere Maschine, noch laufruhiger und stärker, ist ein 4-Liter-V8-Benziner mit einer Leistung von 185 PS (136 kW). Dieser Motor fällt allerdings auch wegen seines eklatanten Durchschnittsverbrauchs von 16,7 Liter Sprit je 100 Kilometer auf.
Das Design des Discovery ist nach wie vor charakteristisch: Der Wagen ist aus hartem Holz geschnitzt und sieht auch so aus - holzschnittartig. Immerhin bekam er die modischen Frontscheinwerfer des Range Rover, und auch am Heck sind neue Rückleuchten angebracht.
Im Innenraum dagegen herrscht noch immer ein britisches Allerlei an Formen. Die Armaturentafel ist nicht besonders übersichtlich, die Mittelkonsole hat Überbreite, auf den hinteren Plätzen (die durch einen sehr kleinen Türausschnitt erreichbar sind) gibt es zwar beschränkten Knieraum, dafür ist die Kopffreiheit immens.
Apropos hintere Plätze: Der neue Land Rover folgt dem Trend zum Vielsitzer. Gegen Aufpreis werden im Gepäckabteil zwei Klappsitze mitgeliefert, die über die Hecktür besetzt werden können. So lässt sich mit einigen Handgriffen der "Disco" in einen Siebensitzer erweitern.
In der inzwischen recht großen Gruppe der ernst zu nehmenden Geländewagen steht der runderneuerte Discovery nun als rundum zufrieden stellendes Allzweck-Auto da. Der Brite bringt neben dem üblichen Komfort und der inzwischen standardgemäßen Technik in dieser Klasse nach wie vor den nötigen Schuss Eigenwilligkeit mit, um in der bisweilen knorrigen Szene seine Ausnahmestellung zu verteidigen.
Dass Land Rover die Erfolge der Konkurrenten durchaus spürt, zeigt auch eine monetäre Neuerung. Kostete das Einstiegsmodell bislang 31.700 Euro, gibt es die überarbeitete Version bereits ab 30.800 Euro.