Lexus GS: Jetzt wird's ernst - DER SPIEGEL
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Lexus GS Jetzt wird's ernst

Seit 15 Jahren bietet Toyota seine Luxusmarke Lexus in Deutschland an, mit bislang überschaubarem Erfolg. Das soll sich nun dank neuer Autos und der Abkehr von der bisherigen Design-Beliebigkeit zügig ändern. Die dritte Generation der Limousine GS wird ab 22. April die Speerspitze des "Unternehmens Durchbruch" bilden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Wir wollen in der Luxusklasse der erfolgreichste Importeur werden", sagt Dietrich Hartmann, Kommunikationschef von Toyota Deutschland. Im vergangenen Jahr verkaufte Lexus rund 2600 Fahrzeuge in Deutschland. Das Volumen soll sich binnen zwei Jahren verdoppeln, dann hätte Lexus die britische Marke Jaguar (2004: 4666 Neuzulassungen in Deutschland) überholt und wäre tatsächlich das meistverkaufte Edelauto hinter den einheimischen Anbietern.

Dass es so weit kommt, hält Hartmann für unausweichlich. "Die Zeit ist reif für den Durchbruch", sagt er und verweist auf zwei wesentliche Elemente, die den Erfolg bringen sollen: das Angebot von Hybrid-Automobilen und die neue Designlinie "L-Finesse". Erfahrung mit der Hybridtechnik sammelte Toyota mit dem Modell Prius, in wenigen Wochen wird der Geländewagen Lexus RX 400 H den Doppelantriebsgedanken in die gehobene Klasse transportieren. Danach sollen weitere Lexus-Modelle mit Hybridantrieb folgen, unter anderem ab dem nächsten Jahr der eben vorgestellte GS.

Bis es so weit ist, soll der Neue vor allem durch sein Design die Aufmerksamkeit für die Marke wecken. Die neuen Formen verkörpern das von Lexus propagierte "Streben nach Vollendung", sagt Chefdesigner Kengu Matsumoto. "Unaufdringliche Klarheit und markante Kontraste" stünden in harmonischem Widerspruch, Ergebnis sei ein zugleich "schlichtes und prägnantes" Design. Der neue GS jedenfalls sieht richtig gut aus - eigenständig und selbstbewusst, modern und elegant. Und anders als frühere Lexus-Modelle hat er den Mut aufzufallen. Die gestreckte, sportlich gedrungene Form erinnert an Autos wie den BMW 6er oder den Mercedes CLS, doch ahmt der GS nicht nach, sondern bleibt seinem Anspruch als stilistisch unabhängige Interpretation einer Limousine der gehobenen Mittelklasse treu.

Im Vergleich zum Vorgänger wuchs der Wagen in Länge (4,83 Meter) und Breite (1,82 Meter), schrumpfte aber in der Höhe (1,43 Meter). Das hat einerseits eine eingeschränkte Kopffreiheit auf den Fondsitzen zur Folge, andererseits aber eine tolle Seitenansicht. Das Raumgefühl im Auto ist angenehm, der Kofferraum fasst 430 Liter - jedoch ist die Öffnung beinahe mickrig geraten, was das Beladen ziemlich erschwert. Ansonsten aber wirkt das Auto auch in vielen Details - wie etwa der ausklappbaren Tastatur für die Außenspiegelverstellung - sehr durchdacht und ausgereift. Einziges Manko: Nicht alle Oberflächenmaterialien des Interieurs passen zu den Luxusambitionen der Marke.

Dafür vermittelt der GS in Fahrt eine beeindruckende Ruhe und Gelassenheit. Der Motor arbeitet souverän und vor allem leise. Das Sechsgang-Automatikgetriebe schaltet präzise und vor allem kaum spürbar. Die Lenkung arbeitet genau und vor allem butterweich. Das Fahren in diesem Auto lullt einen fast schon ein, so sanft und distanziert geht es vonstatten.

Bis im nächsten Jahr das Hybrid-Modell kommt, bietet Lexus für den GS zwei Motoren an. Das Topmodell erhält den bekannten V8-Motor mit 283 PS. Die weitaus interessantere Variante aber ist der neue 3-Liter-V6-Benziner mit 249 PS, der ungeheuer geschmeidig ans Werk geht und durchaus angemessene Fahrleistungen abliefert. Leider stehen für die Modelle mit diesem Aggregat, also sämtliche "GS 300"-Varianten, ein paar wichtige Innovationen nicht zur Verfügung. Das ist wohl das größte Manko von Lexus: Dass gegenüber der Konkurrenz die Möglichkeit, sich ein wirklich individuelles Auto zusammenzustellen, drastisch begrenzt sind.

So gibt es das neue VDIM-System nur für den GS 430, also das Achtzylinder-Modell. VDIM bedeutet Vehicle Dynamics Integrated Management und bezeichnet die Vernetzung mehrerer Assistenzsysteme wie radarüberwachter Tempomat, ESP, elektrische Servolenkung mit variabler Übersetzung, ABS und Traktionskontrolle. Das hat zur Folge, dass der Wagen in Grenzsituationen noch beherrschbarer und stabiler reagiert, erhöht also die Sicherheit. Dies tut auch das so genannte PCS (Pre-Collision-Safetysystem), das für beide Motorvarianten erhältlich ist. Es sorgt unter anderem dafür, dass bei einer drohenden Frontalkollision die vorderen Stoßdämpfer auf maximale Härte eingestellt werden. So taucht das Auto bei einer Vollbremsung nicht mehr ein und der Aufprall erfolgt dort, wo die Knautschzonen und Sicherheitssysteme ihre größte Wirkung entfalten können.

Hersteller:Lexus
Typ:Lexus GS 300
Karosserie:Limousine
Motor:V6-Benziner
Hubraum:2.995 ccm
Leistung PS:249 PS
Leistung kW:183 kW
Drehmoment:310 Nm
Von 0 auf 100:7,2 Sek.
Höchstgeschw.:240 km/h
Verbrauch (ECE):9,8 Liter
CO2-Ausstoß:232 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Kofferraum:430 Liter
Versicherung (HP):20 €
Versicherung (TK):24 €
Versicherung (VK):26 €
Preis:40.500 €

Insgesamt können für den Lexus GS lediglich vier einzelne Extras (darunter Metallic- oder Micalack für 800 Euro) bestellt werden, darüber hinaus gibt es noch zwei ziemlich teure Ausstattungspakete für den 300er und eines für den 430er. Unter dem Gesichtspunkt der Individualisierung ist das natürlich dürftig. Dafür allerdings ist der Wagen ab Werk schon deutlich umfangreicher bestückt als alle wesentlichen Konkurrenten. So zählen zum Beispiel acht Airbags (inklusive Knieairbags für Fahrer und Beifahrer), Reifendruckkontrolle, mitlenkende Xenon-Scheinwerfer, eine Musikanlage mit CD-Wechsler und elektrisch verstellbares Multifunktionslenkrad zur Grundausstattung. Dazu wurde der Wagen bereits mit der Höchstnote von fünf Sternen beim Euro-NCAP-Crashtest ausgezeichnet.

Bislang folgten in Texten über Lexus-Modelle stets noch ein paar Sätze, die das stattliche Technikpaket in Relation zur optischen Präsenz des Autos setzten - und da lag dann das große Manko. Beim neuen GS ist das anders. Der Wagen zeigt durch sein stimmiges, stilvolles Aussehen durchaus, dass darunter anspruchsvolle Technik steckt. "Mit L-Finesse trägt Lexus den Pelz nicht mehr nach innen", sagt Hartmann. Ob die Kunden das honorieren werden? Die Lexus-Leute sind natürlich überzeugt davon, und auch die oben genannten optimistischen Planzahlen drücken das aus. Für Lexus als Marke in Deutschland und Europa wird es jetzt ernst.

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