Lexus SC 430: Die Image-Lokomotive - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Lexus SC 430 Die Image-Lokomotive

Lexus greift nach dem Stern. Mit dem elegant gestylten Cabrio-Coupé SC 430 macht die Toyota-Edeltochter der Stuttgarter Nobelmarke Konkurrenz. Zeitgleich mit dem jüngst präsentierten neuen Mercedes-Benz SL zieht der Japaner ab Oktober in die Schauräume der Händler ein.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es kommt nicht oft vor, dass zwei konkurrierende Autohersteller fast zeitgleich ein ähnliches Fahrzeug vorstellen. Kaum hat Mercedes in Hamburg seinen neuen SL 500 enthüllt, da zieht Lexus nach und präsentiert in München erstmals den SC 430. Der Underdog unter den Premiumherstellern auf dem deutschen Markt positioniert damit bewusst ein Kontrastmodell zu den Platzhirschen. Denn auch wenn Lexus in der US-amerikanischen und asiatischen Welt als "State of the Art" gilt. In Europa - und speziell in Deutschland - spielen die Edel-Japaner nach wie vor eine untergeordnete Rolle.

Der neue SC 430 aber soll das Image der Japaner aufpolieren. Auch wenn Lexus hier zu Lande nicht mehr als 300 Stück pro Jahr absetzen will. Das "Juwel der Lexus-Schauräume" oder die "Paarung von Schönheit und Perfektion", wie Lexus-Produktmanager Filippo Bellanti den schmucken Japaner nennt, soll weniger Volumenmodell als vielmehr "Image-Lokomotive" sein. "Der wichtigste Grund, dieses Fahrzeug auf den Markt zu bringen", sagt Bellanti, "ist, die Marke Lexus zu popularisieren".

Doch auch wenn beide Fahrzeuge im selben Segment um die Kundschaft buhlen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Der Mercedes zitiert mit seiner schnittigen Keilform die Formensprache der Fomel-1-Boliden und wirkt schon im Stand bulliger und aggressiver. Beim SC 430 ließen sich die Karosseriebauer des Designstudios in Südfrankreich nach eigenem Bekunden von den Linien der klassischen Riva-Boote der Cote d'Azur inspirieren. Entsprechend barock schwingt sich die Karosse von der konturierten Front über die Flanken zum rundlichen Heck, das aus aero- und fahrdynamischen Gründen (Audi TT lässt grüßen) doch noch einen Heckspoiler verpasst bekam. Denn trotz seiner eleganten Linie und dem kräftigen Motor, der den SC 430 in 6,4 Sekunden an die Hunderter-Marke treibt, muss ein sportlich gestylter Wagen in Deutschland das leisten, was er von außen verspricht.

Aber dennoch: "Der SC 430 ist kein kompromissloser Sportwagen und will kein Ausstellungsobjekt für neueste Technologie sein", sagt Filippo Bellanti. Als Basis diente die Plattform der Lexus GS-Limousine. Der 4,3-Liter-Motor mit 286 PS tut bereits im GS- und LS-Modell seinen unaufdringlichen Dienst, ebenso wie die supersanft schaltende Automatik. Und auch auf technische Innovationen wie ABC (Active Body Control) oder SBC (Sensotronic Brake Control) im neuen SL muss der Lexus-Kunde verzichten. Auch das faltbare Stahldach des SC 430 braucht gestoppte 22 Sekunden, um sich naht- und geräuschlos im Kofferraum abzulegen. Der SL macht das in 16 Sekunden und auch ferngelenkt per Druck auf den Schlüssel.

Dennoch ist der Lexus SC 430 ein Auto mit Stil und Charakter. Und schon das ist bei einem Japaner nicht allzu oft anzutreffen, wie Bellanti resümiert. "Für viele ist ja das schon eine interessante Erkenntnis, dass ein Auto aus Fernost überhaupt Charakter besitzen kann."

Solche Fragen verlieren oft an Bedeutung, wenn es zur Kasse geht. Denn der Vorteil am mangelnden Image ist der, dass der Kunde dafür auch nicht teuer bezahlen muss. Und damit kann der Lexus punkten. Für rund 135.000 Mark bekommt der Kunde beim SC 430 schon vieles ab Werk, wofür er beim über 180.000 Mark teuren SL 500 noch einmal tief in die Tasche greifen muss. Zur Serienausstattung gehören unter anderem Leder- und Holzausstattung, CD-Audioanlage und Xenon-Scheinwerfer.

Mehr lesen über