Loremo "L22" Wunschdenken oder Wunderauto?
Das 1,5-Liter-Auto ist in Reichweite gerückt - zumindest, wenn man den wortreichen Ankündigungen einer kleinen Münchner Firma glaubt: Die Loremo Automotive GmbH i.Gr. will bereits im kommenden Jahr einen fahrfertigen Prototypen präsentieren. Zwei Jahre später soll, so Geschäftsführer Gerhard Heilmaier, das Auto bereits in Serie gehen. Offensichtlich ein ehrgeiziger Plan, denn im Moment sucht die Firma erst einmal Investoren. Und das Auto existiert lediglich als CAD-Modell auf der Loremo-Webpage .
Der intern "L22" genannte Wagen soll laut Heilmaier weniger als 400 Kilogramm wiegen und bis zu 140 km/h schnell fahren. Wegen seiner minimalen Frontfläche mit einem cw-Wert von 0,19 habe der Viersitzer eine Aerodynamik, die bei nur 40 Prozent eines gängigen Kleinwagens liege.
Noch beeindruckender erscheinen die Werte der Sportversion: Bei 200 km/h wird automatisch abgeregelt, der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert lediglich neun Sekunden, und der Verbrauch soll bei nicht mehr als 2,5 Liter auf 100 Kilometer liegen. Unrealistisches Wunschdenken oder schon bald Wirklichkeit?
Angetrieben werden soll das Sparauto von einem mittig eingebauten Zweizylinder-Dieselmotor mit "Pumpe-Düse-Direkteinspritzung" und Turboaufladung. Dank des geringen Verbrauchs könnte der 38-Liter-Tank für eine Strecke von 2500 Kilometer reichen. Die Hinterachse soll bereits patentiert sein. Die Patentierung anderer Teile will Heilmaier in die Wege geleitet haben.
Die Insassen des "L22" müssen sich, sollte das Auto jemals gebaut werden, auf einige Überraschungen einstellen. So verfügt das Sparmobil über je eine nach oben öffnende Front- und Hecktür. Der Einstieg über die so entstehende hohe Kante soll durch eine ausklappbare Trittstufe erleichtert werden.
Außerdem sitzen die Mitfahrer auf den hinteren Sitzen entgegen der Fahrtrichtung. Studien zufolge hätten Kinder damit kein Problem, versicherte Heilmaier. Das neue Wunderauto soll serienmäßig nicht nur über Radio und Airbags verfügen, sondern auch einen Internetzugang an Bord haben.
Bereits vor zwei Wochen hatte VW-Chef Ferdinand Piëch seinen Traum eines Ein-Liter-Autos vorgestellt - nur um sich einen Tag später die Replik von Greenpeace anhören zu müssen, ein derartiges Gefährt würde 100.000 Mark kosten. Dem will Loremo offensichtlich vorbeugen: Als Serienmodell soll der "L22" weniger als 10.000 Euro (rund 19.558 Mark) kosten.
"Wir wollen ein Auto bauen, das sich jeder leisten kann", sagt Heilmaier. Stellt sich, angesichts der ambitionierten aber auch unkonventionellen Pläne, nur die Frage, ob sich auch Loremo so ein Projekt zu solch einem Preis leisten kann.
Alexander Stirn