Maserati Quattroporte S: Geschliffener Dreizack - DER SPIEGEL
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Maserati Quattroporte S Geschliffener Dreizack

Dass Maserati erstmals seit Jahrzehnten wieder in der Gewinnzone ist, verdankt das Unternehmen der Limousine Quattroporte. Der Wagen ist das meistverkaufte Auto der Firmengeschichte. So soll es bleiben - deshalb gibt es jetzt mehr PS und eine neue Frontpartie.
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Quergestreift, das lernt man in jeder Umkleidekabine, ist schlecht für die Figur. Auch Maserati hat das nun kapiert und die Rippen im auffälligen Kühlergrill des Modells Quattroporte um 90 Grad gedreht. Jetzt schnüffelt die sportlichste Limousine des Fiat-Konzerns durch senkrecht stehende Stäbe am Asphalt. Die neue Gestaltung des Kühlergrills ist aber nur das augenfälligste Merkmal einer gründlichen Überarbeitung, die Maserati dem Erfolgsmodell jetzt angedeihen ließ. Zur frisch gelifteten Autonase gibt es außerdem neue Front- und Heckleuchten mit LED-Technik wider die nächtliche Verwechslungsgefahr und breitere Seitenschweller.

Auch innen haben die Designer dezent am ersten Eindruck gefeilt: Das Lenkrad wurde aufpoliert und liegt nun besser in der Hand, die Armaturen und die charakteristisch ovale Uhr auf der Mittelkonsole bekommen eine neue Grafik, und vor dem Beifahrer klafft künftig keine hässliche Klappe mehr für den Airbag. Außerdem wurden die Sitze frisch bezogen.

Das sieht zwar besser aus, doch die Ergonomie lässt noch immer zu wünschen übrig. Zudem ist die Sitzfläche einfach zu hoch für das flache Dach, während sich die Kopfstütze nicht weit genug herausziehen lässt. Ebenfalls neu ist das Festplatten-Navigationssystem von Bose, das es sonst nur im Ferrari Scaglietti gibt. Der Routenfinder sieht zwar nicht mehr ganz so billig aus, fällt jedoch durch schlechte Bedienbarkeit auf.

Aber wer braucht schon eine Routenführung, wenn der Weg das Ziel ist. Kaum ein anderer Luxusliner ist derart auf Fahrfreude getrimmt wie der Quattroporte. "Man nehme einfach den Motor eines Rennwagens und stecke ihn in eine Stufenheckkarosserie – schon hat man die perfekte Sportlimousine", fasst Maserati-Sprecher Luca del Monte die Philosophie zusammen, die bereits 1964 zum ersten Viertürer der Marke führte. Das Erfolgsrezept wurde weiterentwickelt - und deshalb gibt es jetzt auch den Quattroporte S.

Statt des im normalen Quattroporte aktiven 4,2-Liter-Achtzylinders mit 400 PS steckt unter seiner Haube ein auf 4,7 Liter aufgebohrter V8, der aus dem Sportwagen Alfa 8C stammt und seit ein paar Tagen auch im Maserati-Coupé GranTurismo angeboten wird. Mit diesem Triebwerk steigt die Leistung um 30 auf 430 PS und das maximale Drehmoment liegt künftig bei 490 Nm.

Nun ist der Quattroporte mit seinen zwei Tonnen beileibe kein Leichtgewicht, und zierlich ist der 5,10 Meter lange Luxusliner auch nicht. Doch im Zusammenspiel mit der feinfühligen Sechsstufen-Automatik und den Schaltpaddeln am Lenkrad, der größeren Spreizung der variablen Dämpfer nach dem Druck auf die Sporttaste und den bissigeren Bremsen kann man das Dickschiff im flotten Schritt über die Straßen tanzen lassen.

Rasante Fahrdaten - und unverschämter Spritdurst

Nur 5,4 Sekunden vergehen vom Anfahren bis Tempo 100, und weil die Elektronik später als bei Mercedes, BMW und Audi den Anker wirft, fährt der Quattroporte der Konkurrenz auf der Überholspur mit 280 km/h davon. Lange währen wird die Freude allerdings nicht. Denn der Durchschnittsverbrauch liegt bei wenig zeitgemäßen 15,7 Litern, und so kommt der nächste Tankstopp viel schneller als man hofft.

Bei aller Freude über den neuen Look und die gestiegene Leistung - ein paar große Chancen wurden bei der Überarbeitung vertan. Denn Oberklassestandards wie ein schlüsselloses Zugangssystem, ein Tempomat mit automatischer Abstandsregelung oder auch nur eine simple Rückfahrkamera sucht man vergebens. "Dafür fehlen uns bei einem Entwicklungsteam von lediglich 75 Leuten einfach die Kapazitäten", sagt Peter Hermges, Chef von Maserati in Deutschland. "Die Entwickler haben sich auf das Wesentliche konzentriert."

Luxus und Leistung kurbeln das Geschäft an

Das Wesentliche wiederum haben sie sehr ordentlich gemacht. Doch wer sich in diesem Segment behaupten will, darf am Luxus nicht sparen. Schließlich ist die Ausstattung auch sonst nicht ärmlich. Bei 114.320 Euro für das Modell mit 4,2-Liter-Motor und 123.350 Euro für den Quattroporte S sind immerhin Xenonscheinwerfer, Kurvenlicht, Navigation und Lederausstattung serienmäßig an Bord.

Mit den Modellen Quattroporte und GranTurismo hat Maserati einen Höhenflug begonnen, der 2007 zum ersten Mal wieder einen Gewinn in die Kassen spülte. Außerdem ist die Zahl der Zulassungen von rund 5000 Fahrzeugen in den Jahren 2005 und 2006 auf mittlerweile mehr als 7000 gestiegen. Und 2008 sollen es sogar 9000 Verkäufe werden. Das wären mehr als je zuvor, aber offenbar noch immer nicht genug. Im nächsten Jahr soll deshalb die offene Version des GranTurismo neuen Schub bringen. Und spätestens 2010 folgt eine neue, kleinere Modellfamilie, die die Lücke zu Alfa Romeo schließen soll, kündigt Hermges an. "Dann geht es gegen Autos wie den Porsche Cayenne."