Maybach Nase vorn
Die plötzliche Eile bei Daimler hat ihren Grund. VW hat den Serienstart seiner Luxuslimousine D1 ebenfalls für Ende 2002 angekündigt. Und auch BMW will nach Übertragung der Rolls-Royce-Rechte von VW Ende 2002 schon wenige Monate später das erste Modell der englischen Nobelmarke präsentieren. Damit hätten die Stuttgarter im dünnen, aber prestigeträchtigen Markt der superteuren Luxuskarossen die Nase vorn.
Der Maybach ist nach Mercedes-Benz, Smart, Chrysler, Jeep und Dodge, die sechste Marke im DaimlerChrysler-Konzern. "Auf Basis zukunftsweisender Mercedes-Technologie werden diese Fahrzeuge neue Standards in der Welt der Spitzenautomobile setzen und damit dem Namen Maybach alle Ehre erweisen", sagt Mercedes-Chef Jürgen Hubbert. Tatsächlich ist der Name Maybach seit den frühesten Anfängen mit dem Stuttgarter Konzern verbunden. Wilhelm Maybach war langjähriger Weggefährte Gottlieb Daimlers und hatte als technischer Direktor der Daimler-Motoren-Gesellschaft im Jahre 1900 den ersten Mercedes entwickelt - mit vorn eingebautem Aluminiummotor, zwei Nockenwellen und Bienenwabenkühler ein Wegbereiter des modernen Fahrzeugbaus.
Im April 1907 verließ Wilhelm Maybach das Stuttgarter Unternehmen und konstruierte Motoren für die Luftschiffe des Grafen Zeppelin. Maybachs Sohn Karl begann dann 1921 in Friedrichshafen am Bodensee mit der Autoproduktion. Das Flaggschiff war das Zwölfzylindermodell Maybach Zeppelin DS 8, der größte deutsche Luxuswagen der dreißiger Jahre. Wie im Automobilbau damals üblich, entstanden die Karosserien nach individuellen Wünschen ihrer Besitzer in anderen Fachbetrieben. So war jeder Maybach in gewisser Weise eine Einzelanfertigung.
Diese Fertigungsmethode will auch DaimlerChrysler wieder beleben. In der Maybach-Manufaktur in Sindelfingen sollen die neuen Nobelkarossen nicht per Katalog und Ausstattungsliste, sondern "nach einem ausführlichen Gedankenaustausch" zwischen Kunde und Kundenberater gestaltet werden. Dabei können sie zwischen zwei Karosserievarianten wählen. In der Chauffeur-Limousine mit langem Radstand können die Fondpassagiere dank automatisch ausfahrender Bein- und Fußstützen ihrer Einzelsitze sogar im Liegen reisen. Dazu stehen für beide Versionen edle Materialien, exklusive Farben und technische Details zur Auswahl, die von individuell gestalteten Zierteilen über Intarsien bis zu hochwertigen Business-Ausstattungen reichen. Täglich sollen davon nicht mehr als sieben Modelle in Handarbeit fertiggestellt werden.
Angetrieben wird der Luxuswagen von einem neu entwickelten Zwölfzylinder-Triebwerk mit Biturbo-Aufladung, "das für überlegene Fahrleistungen sorgen soll". Weitere Daten wollen die Stuttgarter nicht verraten. Vor allem nicht die Preise. Ganz sicher auch ein Thema für einen "ausführlichen Gedankenaustausch".