Mazda 6: Ein höfliches Auto - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mazda 6 Ein höfliches Auto

Mit dem Mittelklassewagen Mazda 6 hat die japanische Marke seit 2002 ein Auto im Angebot, das in Deutschland überraschend gut ankommt. 125.000 verkaufte Exemplare sind eine Ansage. Das Nachfolgemodell soll den Erfolg nun fortsetzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Hello" leuchtet es rötlich auf dem Armaturenbrett, sobald die Zündung aktiviert wird. Der neue Mazda 6 ist ein freundliches Auto, das die Insassen begrüßt, ehe es losgeht. Welcome-Modus nennt Mazda die kleine Inszenierung, zu der auch das schrittweise Aufdimmen der Instrumentenbeleuchtung von der Armaturentafel bis zu den Cockpitanzeigen gehört. "Kizuna" (Japanisch für Bindung) nennt Mazda dieses Konzept. Ein solcher Begriff fehlt im Deutschen, obwohl das Gefühl natürlich auch hierzulande auftritt. Möglicherweise ja auch bei jenen Mittelklasse-Interessenten, die den neuen Mazda 6 ab 16. Februar nächsten Jahres erstmals beim Händler in die Finger bekommen. "Für uns ist das neue Auto ein Schlüsselmodell, wir wollen im nächsten Jahr 16.200 Exemplare verkaufen, im Jahr darauf 20.000", sagt Michael Bergmann, Geschäftsführer bei Mazda Deutschland in Leverkusen.

Die Steigerung der Verkaufszahl im übernächsten Jahr soll vor allem vom Kombimodell getragen werden, das wohl erst ab Mai nächsten Jahres zur Verfügung stehen wird, in Deutschland aber den Löwenanteil der Zulassungen ausmachen dürfte. Zunächst aber startet der Mazda 6 als viertürige Limousine sowie als fünftüriges Fließheckmodell. Vier Ausstattungsversionen sind vorgesehen, dazu vier Motorisierungen: drei Benziner und ein Diesel, die ein Leistungsspektrum von 120 bis 170 PS abdecken werden.

Weil schon der erste Mazda 6 gut ankam, wurde das Auto nicht grundlegend verändert – sondern stattdessen an zahlreichen Stellen verbessert. Wie üblich wuchs zum Beispiel die Karosserie in allen Dimensionen um einige Zentimeter. Weniger üblich jedoch ist es, dass trotz dieses Aufblähens das Gewicht gedrückt werden konnte. Je nach Variante ist der neue Mazda 6 um bis zu 35 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Gewicht gespart wurde an vielen Stellen, die Rokarosserie (minus 4,3 Kilo), die Sitzstruktur (minus 5 Kilo), die Innenraumverkleidung (minus 6,8 Kilo), die Hinterradaufhängung (minus 4 Kilo) und sogar die Musikanlage (minus 1,5 Kilo) wurden beispielsweise abgespeckt.

Stürmische Zeiten für die Mazda-Entwickler

Zudem feilten die Ingenieure an der Aerodynamik des Mazda 6. Insgesamt 300 Stunden wurde im Windkanal getüftelt, um den Luftwiderstand zu senken. Der cW-Wert liegt nun bei beachtlichen 0,27, beim Vorgänger waren es noch 0,30. Zur Schlüpfrigkeit tragen beispielsweise hufeneisenförmige Kunststofflippen bei, die am Unterboden vor den Vorderrädern angebracht sind. Auch vor den hinteren Rädern sitzen so genannte Deflektoren, wie überhaupt der Unterboden weitgehend verkleidet und damit geglättet wurde.

Hier ein Kilo weniger Gewicht, dort eine Idee weniger Luftwiderstand, dazu noch ein wenig Feinarbeit am altbekannten Motor – schon ergibt sich für den Mazda 6 mit dem 1,8-Liter-Vierzylinder eine Verbrauchsersparnis vom bisherigen zum neuen Modell von rund zwölf Prozent auf nun 6,8 Liter im Schnitt. Uneingeschränkt empfehlen kann man die Maschine für das Auto dennoch nicht, denn mit 120 PS und maximal 165 Nm erscheint sie in manchen Fahrsituationen ein wenig schmalbrüstig für das 4,75 Meter lange und rund 1,3 Tonnen schwere Auto, zumal wenn es voll besetzt und womöglich noch beladen ist.

Wenn wir uns noch was wünschen dürften...

Prima gelungen sind jedoch die Lenkabstimmung sowie das Fünfgang-Schaltgetriebe (die stärkeren Motoren erhalten Sechsgang-Getriebe), das sich erstklassig bedienen lässt. Lob verdient hat sich auch das neue Bediensystem, das Mazda umständlich Cross-Functional-Network nennt und mit dem sich per Lenkradtasten alle wesentlichen Funktionen der Klima-, Musik-, Telefon-, und Navigationsanlage (sofern vorhanden) steuern lassen. Es gibt aber auch Kritikpunkte: So fehlt dem Blinker die auf mehrspurigen Straßen überaus praktische Fähigkeit, nach einmaligem Antippen des Lenkstockhebels mehrmals aufzuleuchten; die Sitze könnten besser ausgeformt sein und auch der Handbremshebel sitzt etwas zu weit auf der rechten Seite des Getriebetunnels.

Das Auto ist dennoch rundum gelungen. Und ordentlich ausgestattet: Die Einstiegsversion, die mit dem oben erwähnten Benziner ab 22.400 Euro angeboten wird, verfügt ab Werk unter anderem über ESP, Traktionskontrolle, ABS, sechs Airbags, aktive Kopfstützen an den Vordersitzen, Klimaanlage, zweifach verstellbar Lenksäule, Radio-CD-Anlage, elektrische Fensterheber vorne und hinten sowie 16-Zoll-Leichtmetallräder. Das günstigste Diesel-Modell (140 PS) steht ab 24.400 Euro in der Preisliste. Wer das Fließheckmodell wählt, legt 500 Euro drauf, wer den Kombi ordert, muss weitere 500 Euro berappen. Das Auto selbst bleibt natürlich immer schön höflich. Bis zum Abstellen des Motors. Dann erscheint auf dem Display ein freundliches "Goodbye".