Mazda CX-9 Die SUV-Welle reiten
Die Marktforscher sind sich einig: Das Segment der Geländewagen wird weiter wachsen. Zwar wird nach wie vor kaum jemand über Stock und Stein rumpeln, doch als Sport Utility Vehicle mit und ohne Allradantrieb sagen Analysten dieser Fahrzeugkategorie eine goldene Zukunft voraus. Nachdem nun sogar die französischen Hersteller aufgewacht sind, scheint der Trend bei allen Unternehmen angekommen zu sein. Bei allen? Ausgerechnet die Marken des Ford-Konzerns, der in den USA die Zulassungsstatistik der Allradler anführt, weisen auf dem europäischen Markt von Land Rover einmal abgesehen eklatante Lücken auf. Das gilt besonders für Mazda.
Die japanische Marke steht nämlich derzeit in Sachen SUV hierzulande mit leeren Händen da. Das glücklose Modell Tribute wurde vom Markt genommen, und mit dem Pick-up BT-50 kann außer ein paar Großstadtcowboys kaum jemand etwas anfangen. Doch die Situation könnte sich demnächst ändern. Denn in den USA hat Mazda bereits zwei elegante SUVs am Start: den CX-7, der vor Jahresfrist gegen Konkurrenten wie Toyota RAV-4 oder Honda CR-V in Stellung gebracht wurde; und nun auch den CX-9, der gegen Autos wie den Lexus RX, die Mercedes M-Klasse oder dem Mitsubishi Outlander positioniert ist. SPIEGEL ONLINE war jetzt, kurz nach der Premiere, mit dem hübsch verpackten Dickschiff unterwegs. Erstes Fazit: Auch nach Europa würde der Siebensitzer gut passen.
Ähnlich wie sein kleineres Pendant mit fünf Sitzplätzen steht der CX-9 optisch für die Abkehr vom klassischen Geländewagen: Nicht das übliche Box-Design bestimmt seine Form, sondern weiche Bögen und sanft abgerundete Kanten lassen das 5,07 Meter lange und knapp 1,80 Meter hohe Auto halbwegs elegant aussehen. Außerdem geben ihm breite Hüften und stark modellierte Radhäuser einen sportlichen Anstrich. In den Häuserschluchten von New York zumindest wirkt der CX-9 damit so kompakt wie in Wolfenbüttel ein Toyota RAV-4.
Wer in die dritte Reihe muss, hat Pech gehabt
Innen dagegen macht der Mazda aus seinem Großformat keinen Hehl: Der Radstand von annähernd 2,90 Metern ist enorm und verspricht entsprechende Freiheiten in allen drei Reihen. Vorn und in der Mitte herrscht tatsächlich große Bewegungsfreiheit für die Passagiere. Nur wer ganz nach hinten muss, wird das Lob nicht vollends teilen. Obwohl der Zustieg überraschend leicht fällt, muss man sich schon arg klein machen, wenn man dorthin verwiesen wird. Für kurze Fahrten ist das kein Problem, doch wer eine richtige Reise plant klappt die beiden Sitze im Heck besser ein und nutzt den Platz als zusätzlichen Gepäckraum. Doch auch als Siebensitzer bietet das Auto bereits erstaunliche 800 Liter Ladevolumen.
Typisch amerikanisch ist der Antrieb des CX-9. Während in Europa fast ausschließlich Dieselmotoren verkauft werden, arbeitet im CX-9 ein traditioneller V6-Motor, der je nach Modell- und Preisniveau zwei oder - über eine aktive Drehmomentverteilung - alle vier Räder antreibt. Unter tiefem Grollen schöpft er aus 3,5 Litern Hubraum knapp 250 PS und stemmt bis zu 325 Nm auf die Kurbelwelle. Fein geregelt von einer kaum merklich schaltenden Sechsstufenautomatik nimmt der Wagen so mächtig Fahrt auf.
Zwar ist der CX-9 längst nicht so sportlich, wie ihn Mazda beschreibt, und auch Fahrwerk und Lenkung dürften etwas bestimmter sein. Aber mit einem Sprintwert von 0 auf 100 in weniger als acht Sekunden muss sich der Allradler keinesfalls verstecken. Und ein paar beherzte Kurven auf den sonst geraden US-Highways machen deutlich, dass ein wenig Feintuning reichen würde, damit der Wagen in old Germany so viel Spaß macht wie in New England.
Wird das Auto auch nach Europa kommen?
Beim Blick auf die US-Preisliste dürften europäische Mazda-Kunden vor Neid erblassen. Denn was hierzulande für den Kompaktwagen Mazda3 verlangt wird, reicht jenseits des Atlantiks fast für den CX-7. Angetrieben von einem aufgeladenen Vierzylinder mit 2,3 Litern Hubraum und 244 PS gibt es ihn bereits ab 24.345 Dollar. Und selbst der CX-9 kostet in der Basisversion ohne Allradantrieb lediglich 29.035 Dollar und damit kaum mehr als in Deutschland der schnöde Pick-up und das bei ordentlicher Komfort- und Sicherheitsausstattung.
Offiziell ist der CX-9 für Mazda in Europa noch kein Thema. "Der Wagen steht bei uns auf keinem Zeitplan", sagt Pressesprecher Jochen Münzinger. Das ist schade, heißt aber nicht viel. Denn auch sein kleiner Bruder CX-7 war ursprünglich nicht für Märkte außerhalb Nordamerikas vorgesehen und kommt im Herbst nun doch zu den deutschen Händlern. Gut möglich also, dass es sich die Japaner angesichts der Zulassungsentwicklung auch beim CX-9 noch anders überlegen.