Mazda Hakaze: Wedel im Wind - DER SPIEGEL
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Mazda Hakaze Wedel im Wind

Mazda arbeitet an einer neuen Designsprache, bei der alles im Fluss ist – natürliche Formen wie Wind und Wellen sind das Vorbild. Zwei Studien gab es schon in den USA, jetzt präsentiert Designchef van den Acker für den Autosalon in Genf den Hakaze.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

VW hat Cross-Golf und Tiguan, Nissan den Qashqai, Honda den HR-V und Toyota den RAV-4. Und Mazda? Nichts dergleichen. Zumindest bislang schauen die Japaner im wachstumsstarken Feld der kompakten Geländewagen und Crossover-Fahrzeuge in die Röhre. Doch das Ende dieses Mangels ist in Sicht. Denn die Ford-Tochter zeigt auf dem Autosalon in Genf (8. bis 18. März) die Studie Hakaze. Drei Wochen vor der Messepremiere des Modells hatte SPIEGEL ONLINE bereits die Gelegenheit zu einer ersten Sitzprobe und ein paar Metern am Steuer des millionenschweren Einzelstücks, das unter der Federführung von Peter Birtwhistle im europäischen Mazda-Designstudio in Oberursel entstand.

Der 4,42 Meter kurze Allradler mit den markantem Flügeltüren, der großen Panoramascheibe und dem breiten Grinsen im transparenten Kunststoffkühler ist das dritte Konzeptfahrzeug, das unter der Ägide des neuen Mazda-Designchefs Laurens van den Acker entstand. Der favorisiert fließende Formen. Denn auf der Suche nach einem Leitmotiv für seine Arbeit hat sich der Niederländer bei der Natur bedient - und jene Strukturen entdeckt, die Wind oder Wellen im Sand, im Schnee oder auf der Wasseroberfläche hinterlassen. Dafür steht das japanische Wort "Nagare", das van den Acker auch zum Namen der ersten Studie machte, die in Los Angeles gezeigt wurde. In Detroit dann stand der Ryuga - nun also der Hakaze, dessen Namen an Blätter im Sturm erinnern soll. Deshalb sehen die Muster auf den Flanken aus wie Palmwedel im Wind.

Mazdas Spuren im Sand

Das Interieur zeigt Strukturen, die zum Beispiel eine steife Brise in den Kamm einer Sanddüne zeichnet, und das Licht fließt vorn wie eisblaues Wasser und hinten wie blutroter Wein aus den eigenwilligen, kaum sichtbaren Scheinwerfern. Sogar die Reifen sind so flüssig gestaltet, dass ihr Profil scheinbar in die Felge hinein schwappt. Eine hübsche grafische Spielerei, von der in einem späteren Serienfahrzeug kaum etwas übrig bleiben wird.

Allerdings ist der Hakaze - neben stilistischer Fingerübung - auch ein Entwurf für den in zwei bis drei Jahren avisierten CX-5. Doch denken die Entwickler dieses Crossover-Autos weniger an die Schotterpiste als an den Sandstrand. Sie zielen auf Kite-Surfer und haben deshalb statt Schnee oder Geröll eher Wind, Sand und Sonne im Sinn. Weil man zum Surfen nur im Sommer fährt, bietet der Hakaze mit seinen herausnehmbaren und in einer Schublade unter dem Kofferraum ablegbaren Dachelementen aus Glas sowie den voll versenkbaren, nicht von einer B-Säule durchbrochenen Seitenscheiben fast so viel frische Luft und freien Himmel wie ein Cabriolet.

Sensoren statt Bedienknöpfe auf dem Mitteltunnel

Weil am Strand auch mal ein wenig Sand oder Salzwasser in den Innenraum gelangen, gibt es statt normaler Schalter schlaue Sensorenfelder, die ohne Fugen in die Oberfläche des Mitteltunnels eingearbeitet sind, so dass keine Sandkörner oder Wasserspritzer in die Ritzen dringen und die Funktionen lahm legen können. Und weil man beispielsweise zum Kite-Surfen ein Board braucht, das manchen Kofferraum sprengen würde, gibt es im Hakaze einen beweglichen Mitteltunnel, der auf Knopfdruck aus dem Heck heraus fährt. "So lässt sich das Brett leicht befestigen und zum Transport wieder in den Wagen zurück schieben", erläutert Designer Birtwhistle und verweist auch auf die beiden auswaschbaren Fächer im Wagenboden, in denen nasse Klamotten oder sandige Schuhe untergebracht werden können. Braucht man noch mehr Platz, kann man die stark ausgeprägten Sitzschalen im Fond nach vorne fahren, bis sie wie gestapelte Eierschalen unter den vorderen Plätzen einrasten.

Dazu gibt es all die schönen Spielereien, die man an vielen Studien sehen kann. Statt eines Zündschlüssels trägt der Hakaze-Fahrer einen Datenschlüssel, der in der Mittelkonsole zum Schaltknauf wird. Und statt eines gewöhnlichen Kombiinstruments gibt es zwei prismengleiche Tuben am eckigen Lenkrad und einen Monitor, der nach dem Anlassen aus dem Cockpit surrt, und satt eines normalen Radios fährt aus der Konsole vor dem Beifahrer ein kleines Computerterminal aus, auf dem sich auch das aktuelle Wetter online ablesen lässt.

Irgendwann soll ein Serienmodell daraus werden

Anders als die meisten Studien ist der Hakaze aber nicht nur ein Schaustück. Zumindest im Schritttempo kann man den auf einer stark modifizierten Plattform des großen Geländewagens CX-7 konzipierten Wagen sogar fahren und dabei vorn die tolle Aussicht und hinten die frische Brise genießen, die durch das offene Dach herein strömt, während der mit 2,3 Litern Hubraum eher kleine, mit fast 260 PS aber um so stärkere Vierzylinder röhrt, als giere er nach einem Duett mit der Corvette.

Bis zur Premiere der Serienmodells wird es wohl noch dauern. Denn noch hat Mazda die Vokabeln für seine neue Formensprache nicht zusammen. Deshalb ist es für Rückschlüsse auf die Form künftiger Autos noch zu früh, sagt Designer Jo Stenuit. Erst wenn, als vierter Akt, im Herbst in Tokio eine weitere Studie im Geist des neuen Stils enthüllt wird, soll sich der Kreis schließen, orakelt Stenuit: "Dann werden wir sehen, wohin uns die neue Bewegung tatsächlich führt."

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