Mazda MX-5 Roadster Coupé Helm oder Haube
Für Spötter ist es eines der unsinnigsten Autos aller Zeiten. Denn welchen Zweck soll es haben, einem wunderschönen Roadster mit klassischem Stoffverdeck ein versenkbares Harttop überzustülpen? Man zieht, so ihre Argumentation, ja über eine Mütze auch keinen Hut. Würde diese Kritik zu ihm vordringen, Takoa Kijima würde wohl nur milde lächeln und weise den Kopf schütteln. Denn der Produktdirektor des Mazda MX-5 sieht das natürlich anders. Er weiß sehr wohl, dass für viele Hardcore-Cabrio-Fans der Baureihe nur ein Roadster mit Stoffdach ein echter Roadster ist. Aber er hat auch gelernt, dass in den letzen Jahren vor allem in Europa zahlreiche Coupés mit elektrischen betätigten Stahlklappdächern die Freude am offenen Fahren angeheizt und das Marktvolumen deutlich erweitert haben.
"Wir wissen von vielen Kunden, die mit dem Kauf eines MX-5 liebäugeln, jedoch aufgrund von Sicherheits- und Komforterwägungen noch mit einer Kaufentscheidung zögern", berichtet er aus der Marktforschung. Diesen Zweiflern unter den Interessenten macht Mazda jetzt ein vielversprechendes Angebot und stellt dem klassischen Roadster ab Ende des Jahres zu Preisen ab 25.500 Euro (noch inkl. 16% MWSt) das Roadster Coupé zur Seite. Für einen Aufpreis von 1700 Euro also gibt es dann statt der Stoffhaube einen Kunststoffhelm, in den Kijima viel Hoffnung setzt: "Damit können wir eine neue Klientel in den Kreis der MX5-Freunde holen."
Obwohl bei diesem Aufschlag sicher kein ganz so großes Entwicklungsbudget verfügbar war, haben sich die Japaner für das Verdeck einiges einfallen lassen. Die dreiteilige Konstruktion etwa ist mit einem mehr Mehrgewicht von 37 Kilo nicht nur relativ leicht, sondern sie faltet sich auch sehr platzsparend zusammen. Und zwar hinter den Sitzen - statt im Kofferraum. Egal ob offen oder zu - in jedem Fall bietet das Roadster Coupé dieselben 150 Liter Ladevolumen wie das Modell mit dem Stoffverdeck. Und auch dem schmucken Design des "meistverkauften offenen Sportwagens aller Zeiten" tut die neue Konstruktion keinen Abbruch. Geschlossen sieht das Dach ganz schnittig aus und ragt nur einen Zentimeter über die Stoffversion hinaus. Und in geöffnetem Zustand sind es nur die etwas weiter ausgestellten Kotflügel über den Hinterrädern und der leicht angehobene Heckdeckel, die Kennern das Roadster Coupé verraten. Das hässlich lange Heck vieler andere C+C-Modelle dagegen braucht der MX-5 nicht.
Die Verwandlung vom Coupé zum Roadster braucht nur wenige Augenblicke. Einfach den Zentralverschluss über dem Innenspiegel öffnen und den Knopf in der Mittelkonsole drücken - und in rekordverdächtigen zwölf Sekunden steht der Wagen oben ohne da. Dafür hebt sich der separate Heckdeckel zunächst wie ein großer Spoiler an, dann legt sich ein Modul aus B-Säulen und Rückscheibe wie eine Muschel in die Kuhle des Verdeckkastens, und obendrauf kommt, wie die obere Börtchenhälfte eines Sandwichs, das eigentlichen Dachelement, bevor sich die Klappe wieder schließt. Das geht ausgesprochen einfach und unkompliziert - wenn zuvor die Handbremse angezogen und das Getriebe ausgekuppelt hat.
Ist das Auto offen, gibt es keinen wahrnehmbaren Unterschied zwischen beiden Varianten. Wird der Himmel aber ausgesperrt, macht das Hardtop einen spürbaren Unterschied. Gerade bei schlechtem Wetter fühlt man sich nicht mehr wie in einem verregneten Zeltlager, sondern wie in einer kuscheligen Ferienwohnung, vor der gerade ein Wolkenbruch niedergeht. Auch bleibt das Auto insbesondere auf der Autobahn deutlich ruhiger. Doch ein Leisetreter ist das Roadster Coupé deshalb noch nicht. Dafür fehlen dem Verbundkunststoff einfach ein paar Lagen Isolierung, die dann allerdings auch das Gewicht, den Platzbedarf und nicht zuletzt den Preis in die Höhe getrieben hätten. Dennoch gibt es neben den psychologischen Argumenten zumindest auch zwei praktische Gründe für das stabile Dach: Es schützt vor den scharfen Messern potenzieller Autoknacker und der Rückblick ist wegen der größeren Heckscheibe viel besser.
Eines der wichtigsten Kriterien für Takoa Kijima war allerdings, dass auch die Warmduscher-Version des MX-5 nichts von ihren urtümlichen Reizen verliert. Über Sinn und Zweck des Daches kann man trefflich streiten, und auch das Design des geschlossenen Autos mag Fans verprellen. Doch das Fahrverhalten leidet unter dem neuen Zuschnitt nicht. 37 Kilo mehr oder weniger machen keinen spürbaren Unterschied, wenn man das mit identischen Motoren angebotene Roadster Coupé über österreichische Passstrassen prügelt und auf dem Gipfel eigentlich nur noch einen Wunsch hat: Dass der Sommer noch nicht so schnell vorbei sein möge. Denn egal ob Helm der Haube - am schönsten ist ein Roadster einfach oben ohne.