Mercedes-Benz CLS Schnittiger Schönling
Es war schon clever(le) von den schwäbischen Autobauern, Journalisten aus aller Welt ihr viertüriges Coupé in der italienischen Metropole vorzustellen, wo die Claqueure für den Mercedes-Benz CLS kostenlos am Straßenrand stehen. Dabei sind es streng genommen ja die Italiener, die - nomen est omen - mit dem Maserati Quattroporte die Fahrzeuggattung "Vier-Türen-Coupé" erfunden haben. Doch davon redet bei Mercedes niemand.
Die Schwaben begreifen sich als "Trendsetter", die mit ihrem Fahrzeugkonzept "eine Coupé-Generation voraus sind", wie Vertriebsvorstand Joachim Schmidt betont. Im Auge hat er dabei vor allem die Konkurrenz diesseits der Alpen. Denn der 6er-BMW sei im Gegensatz zum CLS "ein reiner 2+2-Sitzer und komfort-technisch in allen Belangen unterlegen".
"Am Anfang stand für uns die Frage, wie emotional ein Mercedes sein darf", erklärt Design-Chef Peter Pfeiffer. Die Antwort darauf erhielt er im vergangenen Jahr auf der IAA, als die Studie Vision CLS für Begeisterung bei Kritikern und Kunden sorgte und im Anschluss den "Autonis"-Designpreis als schönste Studie des Jahres 2003 einfahren konnte.
Deshalb wurde das Serienmodell jetzt auch nur in Nuancen verändert. Was gut so ist. Denn der CLS ist der Schönling im Mercedes-Programm. An der Karosserieskulptur aus geschwungenen Bögen, straff gezogenen Linien und weichen gerundeten Flächen kann man sich gar nicht satt sehen.
Ins Auge fällt sofort die weit nach hinten abfallende Heckpartie mit der bogenförmigen Abrisskante. Elegant die seitliche Schulterlinie, die sich von den vorderen Scheinwerfern bis zu den Rückleuchten spannt, oder die dynamisch ausgeprägte Pfeilung der Motorhaube mit der vertrauten Lamellenkühlermaske, aber völlig neu gestalteten Scheinwerfern, die bereits einen Vorgeschmack auf künftige Mercedes-Gesichter geben.
| Hersteller: | Mercedes |
|---|---|
| Typ: | CLS 350 |
| Karosserie: | Sportwagen/Coupé |
| Motor: | V6-Benziner |
| Hubraum: | 3.498 ccm |
| Leistung PS: | 272 PS |
| Leistung kW: | 200 kW |
| Drehmoment: | 350 Nm |
| Von 0 auf 100: | 7 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 250 km/h |
| CO2-Ausstoß: | 246 g/km |
| Kofferraum: | 505 Liter |
| Preis: | 54.346 € |
Das Dumme an schönen Autos ist leider immer, dass die Insassen davon meist nur wenig sehen. Entschädigt werden sie im CLS immerhin durch das Interieur. Sauber verarbeitetes Leder, üppiger Chromeinsatz und edel gemasertes Wurzelholz verbreiten ein elegantes und hochwertiges Ambiente. Besonders deutlich zu sehen ist das in der großflächig geschwungenen Instrumententafel, die die Bezeichnung Armaturenbrett mal wieder verdient und eine besonders edel wirkende Seidenmatt-Lackierung. Das Cockpit verbindet klassische mit modernen Stilelementen. Ein mittiger Rund-Tacho im Chronometer-Look wird flankiert von zwei kleineren chromumrandeten Instrumenten für Drehzahl und Uhrzeit, an die sich grafische Anzeigen für Tank und Kühlwasser anschließen. Auch Bedienung und Anzeigen wirken vertraut.
Das Erstaunliche an dem Coupé ist aber tatsächlich der Raum- und Reisekomfort. Obwohl auf dem E-Klasse-Chassis aufgebaut, bietet die 5-Meter-Karosse Fahrer und Beifahrer mehr Ellenbogenfreiheit. Auch auf den hinteren beiden konturierten Einzelsitzen bleibt genug Platz für Knie und Beine. Enger wird es dort wegen der abfallenden Dachlinie schon mit der Kopffreiheit. Aus dem gleichen Grund sind auch die Ausschnitte der hinteren Türen nicht unbedingt für groß gewachsene Leute gemacht. Umklappen lassen sich die Rücksitzlehnen nicht. Was aber auch nicht nötig ist. Der Kofferraum fasst 505 Liter und übertrifft damit das Maß mancher Oberklasse-Limousine.
Fürs Wohlbefinden an Bord sorgen in der Basisversion CLS 350 (54.346 Euro) serienmäßig elektrische Sitzverstellung, Klimaautomatik, CD-Radio und Lederlenkrad. In der Topversion CLS 500 (67.280 Euro) gehören eine Luftfederung, beheizbare Ledersitze sowie eine aufwändigere Klimaanlage ab Werk dazu. Dazu kann der CLS gegen Aufpreis mit allem (vom Abstandsradar Distronic über Bi-Xenon-Kurvenlicht bis zur Sprachbedienung Linguatronic) ausgestattet werden, was das Fahren im Mercedes angenehm - und teuer - macht.
Der CLS ist idealerweise mit dem 272 PS (200 kW) starken 3,5-Liter-V6-Motor unterwegs. So wie der Sechszylinder schon dem neuen SLK gehörig Beine macht, hinterlässt er auch im CLS 350 in Kombination mit der 7-Stufenautomatik einen harmonischen Eindruck. Sanft und leise gleitet der Wagen dahin, oder spurtet souverän, zu keiner Zeit um Kraftreserven verlegen, aus dem Stand in sieben Sekunden auf Tempo 100. Das Fahrwerk ist eine Spur straffer ausgelegt als in der E-Klasse, aber ausreichend kommod, um Unebenheiten im Belag glatt zu bügeln. Mit der präzisen und direkten Lenkung lässt sich der 1730 Kilogramm schwere Wagen mühelos manövrieren und vermittelt sogar richtig Fahrspaß.
Ein Sportcoupé wird der CLS, auch mit dem größeren 5-Liter-V8 mit 306 PS (225 kW) deshalb sicher nicht. Die Rolle soll der CLS 55 AMG mit seinem 476 PS (350 kW) starken 5,5-Liter-V8-Kompressor spielen, der im Januar 2005 auf den Markt kommt. Der wäre sowohl von seiner Motorleistung, als auch mit seinem Preis von 96.164 Euro ein ebenbürtiger Konkurrent.