Mercedes C-Klasse: Der Marken-Magnet - DER SPIEGEL
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Mercedes C-Klasse Der Marken-Magnet

Die C-Klasse ist für Mercedes das wichtigste Auto. Doch mit der Zahl der Kunden gehen auch die Ansprüche weiter auseinander. Um die individueller befriedigen zu können, erhielt die neue Generation zwei Gesichter, und auf der Straße ist der Spagat größer als je zuvor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Klaus Maier hat ein Problem. "Die Mittelklasse ist das größte Segment für Premium-Hersteller", sagt der Vertriebschef von Mercedes. Das sollte ihn eigentlich freuen. Schließlich haben die Schwaben dort seit mehr als einem Vierteljahrhundert erst den 190er und dann die C-Klasse am Start und mit mehr als sechs Millionen Autos ein gutes Geschäft gemacht. Doch die große Zahl der Kunden erschwert die Arbeit. Maier: "Je größer der Kreis der Interessenten, desto weiter gehen die Ansprüche auseinander." So muss der Vertriebsmann auf der einen Seite eher traditionelle, konservative und auf der anderen Seite sehr junge und aufgeschlossene Kunden ansprechen, wenn die C-Klasse weiterhin ein Erfolgsmodell bleiben soll.

Es einer dieser Gruppen recht zu machen, ist für einen Automobilhersteller kein Problem. Doch beide Ausrichtungen unter einen Hut zu bekommen, erfordert einen Spagat, den bei Mercedes nicht nur die Designer, sondern auch die Techniker machen mussten. Sie sorgen dafür, dass sich die komfortorientierten Kunden im neuen Modell wiederfinden und Käufer mit einem Hang zu mehr Emotion und Dynamik nicht zur Konkurrenz aus München oder Ingolstadt abwandern. So wird die C-Klasse kurzerhand zum Marken-Magnet, der treue Kunden bei der Stange hält, verlorene zurückgewinnen und neue erobern soll.

Diese Strategie erkennt man nirgends deutlicher als am Kühlergrill. Denn zum ersten Mal gibt es bei den Schwaben nun auch eine Limousine mit dem großen Stern im Gitter, der bislang den sportlichen Zweitüren vorbehalten war. Wer nicht das Basismodell zu gegenüber dem Vorgängermodell nahezu unveränderten Preisen ab 29.988 Euro bestellt und auch nicht für rund 2000 Euro Aufpreis die traditionelle "Elegance"-Austattung wählt, der fährt nun für ebenfalls 2000 Euro extra in der "Avantgarde"-Version mit einer sportlicheren Front und breiteren Schwellern, die Meier auch als "Hab-Acht-Signal" an die Konkurrenz verstanden wissen will.

Wer braucht eigentlich noch eine E-Klasse?

Dass die weitere Spreizung in der C-Klasse mehr ist als nur eine Frage des Stils, zeigt die Limousine auf der ersten Testfahrt, deren Route Mercedes geschickt gewählt hat. Denn erst einmal geht es auf langen Geraden über eine glatte Autobahn, auf der die größeren Modelle E- oder S-Klasse plötzlich verzichtbar wirken. Unebenheiten sieht man eher, als dass man sie spürt, das Lenkrad lässt sich mit dem kleinen Finder bewegen, Kopf und Knie genießen dank längerem Radstand und größerer Breite die neuen Platzverhältnisse.

Der Blick schweift über ein nüchternes, aber sehr nobles Armaturenbrett mit den Instrumenten aus der E-Klasse und einem neuerdings hinter einer Klappe verborgenen Monitor, der erst auf Knopfdruck ausfährt. Die rechte Hand fällt auf den neuen Command-Controller auf der Mittelkonsole, und das Ohr fahndet intensiv, aber beinahe vergebens nach den Geräuschen von Wind und Motor, während im Hinterkopf wieder das alte Bild vom fliegenden Teppich Gestalt annimmt.

"Willkommen daheim", umschreibt Entwicklungsleiter Michael Krämer dieses Gefühl, auf dem bei Tausenden von Kunden am oberen Ende der Alterspyramide die innige Liebe zum einstigen Baby-Benz gründet. Und auch wenn man sich in Stuttgart an der sprichwörtlichen Klorolle auf der Hutablage längst satt gesehen hat, wollen die Schwaben diese Klientel nicht verprellen.

Wird aufs Gas gedrückt, stellt sich das Fahrwerk scharf

Doch kaum ist die Autobahn zu Ende, zeigt die C-Klasse ihr zweites Gesicht. Dann nämlich wirkt der Kunstgriff der Fahrwerksentwickler, die als Herzstück des serienmäßigen "Agility Control"-Paketes zweistufige Stoßdämpfer eingebaut haben. Kaum gibt man dem Wagen die Sporen, wird das Fahrwerk spürbar härter und hält die Limousine sauber auf der Ideallinie. Erstaunlich leichtfüßig und präzise wie ein Geodreieck auf Millimeterpapier lässt sich die C-Klasse über schmale spanische Passsträßchen zirkeln. Mercedes muss den Dynamik-Vergleich mit Audi oder BMW nicht mehr scheuen.

Wer es wirklich wissen will, kann ab Herbst für knapp 2000 Euro das "Advanced Agility"-Paket samt tiefer gelegtem Sportfahrwerk bestellen und dann auf Knopfdruck mit stufenloser Dämpferregelung, noch direkterer Lenkung und veränderter Getriebesteuerung schon einmal die Vorfreude auf das AMG-Modell schüren.

Für den nötigen Dampf sorgen zum Start des neuen Modells Ende März erst einmal vier Motoren. Die Palette beginnt mit dem 183 PS starken C 200 und den beiden Sechszylindern im C 280 (231 PS) und im C350 (272 PS) auf der Benzin- und dem 170 PS starken C 220 CDI auf der Diesel-Seite. Das billigste Modell kostet somit anfangs 32.070 Euro. Noch im Sommer folgen dann die Basisversion C 180 (156 PS), der C 230 (204 PS) sowie der C 200 CDI (136 PS) und der C 320 CDI (224 PS). Außerdem gibt es direkt nach den Sommerferien den Allradantrieb "4Matic" und schon bald auch den C 63 AMG.

Jedes neue Auto spart angeblich neun Tonnen CO2

Der aktuellen CO2-Debatte weichen die Schwaben bei der C-Klasse-Premiere nicht aus. Zwar wird es wohl noch zwei Jahre dauern, bis der in Genf gezeigte C 220 Bluetec in Serie geht, der mit 5,5 Litern Diesel auskommen soll und die erst ab 2015 gültige EU6-Norm erfüllt. Und auch die C-Klasse für das Benzin-Ethanol-Gemisch E85 gibt es vorerst nur für die USA. Doch kommen die meisten Motoren trotz einem Plus bei Leistung und Drehmoment mit bis zu einem halben Liter weniger Sprit aus. Und weil auch bei der Produktion an Energie gespart wird, emittiert jede neue C-Klasse über ihre gesamte Lebenszeit im Schnitt neun Tonnen weniger CO2 als das Vorgängermodell, rechnet Vertriebschef Meier vor.

Dazu beigetragen hat auch die Diät, die den Wagen zumindest in der Grundversion trotz der zusätzlichen Zentimeter nicht schwerer werden ließ. Doch wer auf der Ausstattungsliste großzügig ankreuzt, treibt nicht nur den Preis, sondern auch das Gewicht in die Höhe. Denn mit dem Generationswechsel hält in der kleinsten Limousine fast alles Einzug, was man aus E- und S-Klasse gewohnt ist. Sieben Airbags und die Klimaautomatik sind ebenso serienmäßig wie das ESP, gegen Aufpreis gibt es das Sicherheitssystem PreSafe, eine separate Klimatisierung für den Fond, Panoramadächer, das "Intelligent Light-System" aus der E-Klasse und eine Sprachbedienung, die nun aufs Wort und nicht mehr auf einzelne Buchstaben hört.

Glaubt man Maiers Bilanz der ersten Wochen, sind die zwei Gesichter der C-Klasse ein geschickter Trick, um die Wirkung des Autos zu steigern. Denn obwohl auch der Vorgänger stark startete, habe es innerhalb von nur zwei Monaten noch nie 60.000 Vorbestellungen für eine solche Baureihe gegeben, zitiert der Vertriebschef aus den Auftragsbüchern. Doch der Erfolg des neuen Gesichts birgt für Maier ein weiteres Problem: Für Scharfmacher von AMG liegt die Messlatte nun noch höher.

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