Mercedes CL Mal wieder ein Superlativ
Da hat es sich der Vorstand hübsch leicht gemacht. "Bauen Sie einfach wieder das beste Luxus-Coupé der Welt", lautete der Auftrag an Hans-Dieter Multhaupt. "Und ich durfte dann sehen, wie wir das umsetzen konnten", erinnert sich der Chefentwickler für die großen und teuren Baureihen im Mercedes-Programm an den Beginn der Arbeiten für die Baureihe C216, die nun als jüngste Auflage des CL zu den Händlern rollt.
Ganz so dramatisch dürfte dies allerdings nicht gewesen sein. Denn wie schon in den letzten beiden Generationen haben die Schwaben den Zweitürer wiederum von der gerade aktuellen S-Klasse abgeleitet. Und gut bezahlen lässt sich Mercedes die Arbeit auch: Mit 105.850 Euro liegt der Einstiegspreis rund 16.000 Euro über dem der Limousine.
Beide Autos nutzen die gleiche Plattform, doch schon die Dimensionen sind andere. So hat der CL einen etwas kürzeren Radstand, misst ein paar Zentimeter weniger in der Länge und duckt sich etwas tiefer auf die Straße. Und im Design gibt es allenfalls Parallelen: Während die S-Klasse bei allem Luxus als designierter Dienstwagen betont sachlich auftritt, gönnen die Designer dem CL deutlich mehr Leidenschaft. Zwar dürften auch hier die meisten Käufe über ein Firmenkonto abgewickelt werden. Doch hinter dem Steuer sitzen jene Schöngeister und Freiberufler, die sich etwas mehr Extravaganz erlauben können.
Der Unterschied bleibt auch im Innenraum: Während die Limousine den eher nüchternen Eindruck eines noblen Vorstandsbüros vermittelt, wirkt das Coupé wie ein luxuriöser Salon für private Anlässe. Zugegeben, man kennt das Cockpit ebenso aus der S-Klasse wie den Controller für das sogenannte Command-System, der griffgünstig auf der Mittelkonsole thront.
Doch wirkt der CL nicht nur vornehmer, sondern vor allem viel intimer. Das liegt nicht zuletzt an der völlig neuen Sitzanlage, die einen mehr mit dem Fahrzeug verschmelzen lässt. Vorne schmiegt man sich in Sessel mit integrierten Gurten, damit der Durchstieg nach hinten nicht behindert wird. Und im Fond gibt es eine Chaiselongue, auf der auch Erwachsene halbwegs bequem reisen können.
Für das Flaggschiff der Sternenflotte kommen natürlich nur die dicksten Motoren in Frage. Ein Sechszylinder wäre fast ein Sakrileg, und auch der fünf Liter große V8 ist eigentlich nur etwas für Kleingeister. Nicht dass er mit seine 388 PS zu schwach wäre, Doch wer den höchsten Komfort genießen möchte, für den gibt es nur den V12. Der fast schon unnatürliche leise Zwölfzylinder schöpft aus 5,5 Litern Hubraum nun 517 PS und macht mit 830 Nm Drehmoment jeden Gangwechsel beinahe überflüssig.
Ganz egal, welche Fahrstufe die Automatik gerade eingelegt hat: Ein Tritt aufs Gaspedal genügt, und der CL 600 schießt ohne jede Hektik unter der Haube davon, als hätte er trotz 2,2 Tonnen Leergewicht von der Trägheit der Masse noch nie etwas gehört. Dabei lässt die weiterentwickelte "Active Body Control" die Passagiere wie auf einem fliegenden Teppich schweben, ohne dabei in engen Kurven an Bestimmtheit zu verlieren. Doch Vorsicht: Trotz all seiner Kraft ist der CL kein rassiger Sportwagen, sondern ein kräftiger Gleiter, der auf breiten Boulevards besser aufgehoben ist als auf engen Bergstraßen.
Ein elektronischer Lotse hilft beim Rückwärts-Einparken
Weil der CL knapp ein Jahr nach der S-Klasse kommt, profitiert er von einigen Weiterentwicklungen. Deshalb gibt es neben einer ellenlangen Liste von serienmäßigen Komfort- und Sicherheitsmerkmalen schon wieder neue Assistenzsysteme. So strahlt der CL wie die neue E-Klasse aus Xenon-Scheinwerfern, die je nach Wetter und Fahrsituation fünf maßgeschneiderte Lichtkegel nach vorn werfen. Die Pre-Safe-Bremse steigt in kritischen Situationen nach mehrmaliger Warnung zunächst mit limitiertem Einsatz - automatisch in die Eisen. Und bei der Parkplatzsuche hilft nun eine Elektronik, die den Fahrer automatisch in die Lücke lotst. Die Käufer der Limousine müssen darauf nicht neidisch sein. "Alle diese Neuerungen gibt es ab sofort auch in der S-Klasse", verspricht Baureihenchef Multhaupt.
Ginge es nach ihm, wäre die arbeit am CL noch nicht zu Ende. Um damit meint er nicht den 525 PS starken CL 63 AMG, der das Leistungs-Duo in ein paar Wochen zum Trio macht. Sondern Multhaupt sehnt sich förmlich nach Fragen zu einem Dieselmotor und vor allem zu einer Cabrio-Variante, die er den Journalisten bei der Präsentation quasi vorweg nimmt, weil dieses Auto offenbar sein Herzensanliegen ist. "Dafür haben uns die Designer bereits ein paar hinreißende Entwürfe vorgelegt", macht Multhaupt Lust auf eine Zukunft, die es so allerdings - vorerst zumindest - nicht geben wird. Denn noch hat die Sache einen Haken: "Bislang geht unsere Marktforschung davon aus, dass die Nachfrage dafür nicht groß genug ist." Doch so ganz gibt der Entwickler die Hoffnung nicht auf: "Sobald genügend Kunden Interesse signalisieren, wird dieses Auto gebaut."