Mercedes CLC Das Schwabenpfeilchen
Mercedes nennt das neue Sportcoupé der C-Klasse nun CLC. Das klingt nach großem Generationswechsel, nach Aufnahme in den erlauchten Kreis der Schwabenpfeile vom Schlage eines CL. Doch der Eindruck täuscht: Unter dem neuen Blech steckt alte Technik. Während die C-Klasse längst eine Generation weiter ist, basiert der neue Zweitürer der Baureihe auf der Plattform von gestern - und wird deshalb auch nicht im Werk Bremen, sondern in Brasilien gebaut.
"Natürlich hätten wir auch ein völlig neues Auto bauen können", sagt ein Mercedes-Sprecher. Doch wäre dann der Einstiegspreis kaum mehr unter 30.000 Euro zu halten gewesen. Und obwohl Mercedes-Kunden bislang nicht als sonderlich preissensibel galten, haben die Schwaben diesmal um jeden Euro gerungen.
Denn mehr noch als A- oder B-Klasse gilt das Sportcoupé als Einstieg in die Sternenflotte, das die Marke für jüngere und vor allem neue Kundenkreise öffnen soll. Die Rolle habe der Zweitürer bislang mit Bravour gespielt, behauptet Andreas Heindl. Immerhin seien zwei Drittel der 320.000 Kunden von anderen Marken gekommen, sagt der Produktmanager. Und zwei Drittel von ihnen wiederum seien bei Mercedes geblieben.
Damit der CLC künftig noch mehr Fremdfahrer "verführen und überzeugen" (Heindl) kann, wahrt er bei deutlich besserer Serienausstattung nicht nur einen respektvollen Abstand von etwa 3000 Euro zur vergleichbaren C-Klasse. Sondern vor allem wurde das kleine Coupé in den Jungbrunnen getunkt. Was das im Einzelnen heißt? Der 4,45 Meter kurze Wagen trägt die Front der neuen C-Klasse; die Flanke wiederum blieb weitgehend unverändert; die Kehrseite jedoch wurde von ihrem merkwürdigen Spoiler befreit und erhielt - es soll ja alles sportlich wirken - einen angedeuteten Diffusor in der Heckschürze.
Spüren kann man den frischen Wind und den Austausch von insgesamt 1100 Teilen auch im Innenraum. Zwar reicht es nicht ganz für das Interieur der neuen C-Klasse, doch zumindest wurden die Instrumente entstaubt, die Navigations- und Musiksysteme auf den neuesten Stand gebracht, Zierkonsolen aus gebürstetem Aluminium angebracht und das Lenkrad des großen Bruders übernommen. Außerdem fährt der Wagen nun serienmäßig mit Sportsitzen vor.
Die hinteren Plätze sind für Erwachsene ungeeignet
Die Platzverhältnisse sind bei einem Radstand von 2,72 Metern sehr ordentlich, die Sitzposition ist bequem, und zur aktuellen C-Klasse fehlt nicht viel. Doch beim Gedanken an die Hinterbänkler kommt Mitleid auf. Zwar sollen die serienmäßigen Easy-Entry-Sitze den Zustieg erleichtern. Doch braucht es schon die gymnastische Geschicklichkeit eines Zirkusartisten oder die Diskretion eines einsamen Waldparkplatzes, wenn Erwachsene mit einem Rest von Würde in den Fond klettern wollen. Und wer erstmal drinnen ist, den plagen das niedrige Dach, die bescheidenen Kniefreiheit und der stetige Gedanke ans Aussteigen. Für den Nachwuchs oder für ein paar Reisetaschen taugen die beiden Sitze im Heck jedoch, wenngleich der Kofferraum mit 310 Litern eigentlich groß genug ist.
In Fahrt bringen den CLC wahlweise vier Vier- und zwei Sechszylindermotoren mit einem Leistungsspektrum von 122 bis 272 PS, die man allesamt vom Vorgänger kennt. Doch wie üblich haben die Schwaben die Maschinen zur Modellpflege ein wenig optimiert. Obwohl die Leistung zum Teil deutlich steigt, geht der Verbrauch auf diese Weise um bis zu elf Prozent zurück. So schafft der schnellste CLC den Standardsprint in 6,3 Sekunden und erreicht als einziger das Limit von 250 km/h; und der 206 km/h schnelle CLC 200 CDI geht mit einem Verbrauch von 5,8 Litern und einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern als Sparmeister durchs Ziel.
Für Dynamiker gibt es ein spezielles Sportpaket
Damit aus dem Youngster in der Coupé-Familie tatsächlich ein junger Wilder wird, braucht der CLC für Preise von 1300 bis 2200 Euro noch das Sport-Paket, in dem außer Breitreifen auf 18-Zoll-Felgen und etwas düsterer Schminke vor allem ein tiefergelegtes Fahrwerk und die neue Direktlenkung enthalten sind. Die ändert mit zunehmendem Einschlag das Übersetzungsverhältnis, und so wirkt das Coupé auf der Landstraße sehr agil. Doch der König der Kurven kommt weiterhin aus München: An die Fahrdynamik des 1er BMW kommt der CLC einfach nicht heran.
Mit dem CLC bringen die Schwaben auch den Großteil ihrer restlichen Coupé-Familie auf Vordermann: Pünktlich zum Erscheinen des VW Passat CC wird der elegante E-Klasse-Ableger CLS frisch geschminkt und bekommt zudem mit dem 231 PS starken CLS 280 einen neuen Basismotor, mit dem der Preis um knapp zehn Prozent auf 55.692 Euro sinkt. Und für die schöngeistige Fassung der S-Klasse bringt Mercedes nun auch einen Allradantrieb, der im CL 500 4Matic montiert wird. Nur die wichtigste Stütze im Coupé-Segment haben die Schwaben noch vergessen: den CLK. Doch der meistverkaufte Zweitürer aus Stuttgart rollt auf die Zielgerade, denn er wird im nächsten Jahr erneuert. Dann ist das Quartett wieder komplett.