Mercedes CLK Cabrio: Palast der Winde - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mercedes CLK Cabrio Palast der Winde

Kein festes Dach über dem Kopf. Aber mit allen automobilen Bequemlichkeiten, die für Geld zu haben sind. Das ist das neue CLK-Cabriolet, das Mercedes ab 4. Mai ins Freie lässt.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die automobile Open-Air-Gemeinde teilt sich in zwei Fraktionen. Die einen wollen es unter freiem Himmel sportlich angehen lassen, Platzverhältnisse und Komfort ist egal, Dampf unter der Haube und Fahrspaß zählen. Solche Leute finden sich für gewöhnlich in zweisitzigen Roadstern. Die anderen genießen das gediegene Gleiten durch Feld, Flur und Fahrtwind. Zwar sollte Motorleistung ausreichend zur Verfügung stehen, wichtiger ist allerdings, dass Komfort und Bequemlichkeit stimmen. Und gut aussehen sollte das alles - Maschine wie Mensch - dabei auch noch. Für diese Klientel hat Mercedes mit dem neuen CLK-Cabrio das beinahe perfekte Gefährt auf die Räder gestellt.

Der offene Viersitzer, der Design und Technik von seinem Coupé-Zwilling übernommen hat, ist auf seinen 4,64 Metern nicht nur eine elegante Erscheinung. Er bietet alles, was diese Art Frischluft-Fanatiker schätzen. Angefangen bei einer steifen Karosserie, wo auch auf ruckeligem Geläuf nichts knarzt und knistert. Den automatischen Gurtbringer, der Fahrer und Beifahrer das konstruktionsbedingt weit hinten liegende Sicherheitsband nach dem Einsteigen "anbietet". Eine schräg geneigte Frontscheibe, die den Fahrer (zumindest bis 120 km/h) ausreichend vor dem Fahrtwind schützt. Die bequemen Sitzen, die sich für jedes Körpermaß einstellen lassen. Oder das übersichtliche und fein gezeichnete Cockpit mit vielen serienmäßigen Annehmlichkeiten wie Multifunktionslenkrad, Klimaautomatik oder Tempomat.

Und auch die Cabrio-Kardinalsfrage beantwortet der neue CLK in 20 Sekunden. Per Knopfdruck in der Mittelkonsole oder auch auf den Schlüssel verschwindet das von Karmann entwickelte und montierte Stoffverdeck vollautomatisch im Heck und spannt sich umgekehrt genauso schnell und elegant wieder über den Innenraum. Im geschlossenen Zustand schirmt es dank seiner drei Stofflagen Wind und Schall so gut ab, dass man auch bei höherem Tempo entspannt mit dem Nachbarn plaudern kann. Auch Beklemmungen muss niemand fürchten. Kopffreiheit und Raumgefühl unter der Stoffmütze sind für ein Cabrio erstaunlich gut, ebenso die Rundumsicht dank der relativ großen Heckscheibe und der schmalen hinteren Dachstege. Und auch der Kofferraum ist mit 390 Liter Volumen noch vergleichsweise (Audi Cabrio 315 Liter, BMW 3er Cabrio 300 Liter) stattlich.

Eng wird's dagegen auf den hinteren Plätzen. Auch wenn der CLK offiziell als Viersitzer gilt, sind die beiden konturierten Sitze im Fond nur beschränkt zu gebrauchen. Erst recht im geöffneten Zustand, wenn der Wind ab 100 km/h Tränen in die Augen treibt und die Haare neu frisiert. Und das unabhängig von der Motorisierung, die unter der Haube steckt. Insgesamt fünf Benziner mit vier, sechs oder acht Zylindern bietet Mercedes an, die mit Leistungen zwischen 163 PS und 367 PS jeden Anspruch befriedigen sollten. Bis auf den nach einem Diesel. Auch wenn Audi und BMW inzwischen ihre Open-Air-Modelle mit Selbstzünder anbieten, hat das Mercedes-Marketing unter ihrer Kundschaft, die vom Vorgänger weltweit 115.000 Autos orderte, dieses Bedürfnis noch nicht feststellen können.

Von den rund 21.000 Exemplaren, die Mercedes in diesem Jahr noch verkaufen will, soll in Deutschland der 200 Kompressor den Löwenanteil bringen. Auch wenn der bekannte 163 PS Motor im Cabrio 125 Kilo mehr als im Coupé schleppen muss, kommt das einzige Vierzylinder-Aggregat im Programm mit dem 1590 Kilogramm schweren Wagen gut zurecht, wie wir bei unserer ersten Ausfahrten feststellen konnten. Auch harmoniert der Motor gut mit dem betont weich abgestimmten Fahrwerk. Etwas mehr Laufruhe bringen die Sechszylinder CLK 240 (170 PS) und CLK 320 (218 PS). Das optional angebotene Sportfahrwerk für 238 Euro empfiehlt sich auf jeden Fall für den Fünfliter-V8 im CLK 500, dessen 306 PS Leistung die serienmäßige Auslegung in schnelleren Kurven nicht mehr souverän umsetzen kann. Oder man wählt gleich die sportlich getunte AMG-Variante mit 5,5-Liter Hubraum und 367 PS, in der das alles ab Werk eingebaut ist.

Vorausgesetzt man schreckt nicht vor dem Preis des Topmodells zurück. Denn für den CLK 55 AMG verlangen die Schwaben stattliche 83.868 Euro. Gut doppelt soviel wie für die Einstiegsversion 200K, die ab 41.644 Euro zu haben ist. Und auch das ist, trotz der üppigen Serienausstattung, schon ein stolzer Preis im Vergleich zu den direkten bayerischen Konkurrenten.

Hersteller:Mercedes
Typ:CLK Cabrio 200 K
Karosserie:Cabrio/Roadster
Motor:Vierzylinder-Benziner-Kompressor
Hubraum:1.796 ccm
Leistung PS:163 PS
Leistung kW:120 kW
Drehmoment:240 Nm
Von 0 auf 100:9,8 Sek.
Höchstgeschw.:225 km/h
Verbrauch (ECE):8,8 Liter
CO2-Ausstoß:209 g/km
Kofferraum:390 Liter
Preis:41.644 €

Wählen lässt sich ohne Aufpreis zwischen den Ausstattungslinien Elegance oder Avantgarde, die sich durch Holz- oder Aluelemente und andere Polsterstoffe und Leichtmetallfelgen unterscheiden. Zum mobilen Palast der Winde wird das CLK-Cabrio, wenn man die Optionsliste ordert, die beinahe alle Technik- und Komfortgimmicks bereit hält, die bei den Schwaben zurzeit für Geld zu haben sind. Vom Abstandsradar Distronic (2366 Euro) oder schlüssellosem Zugang Keyless-Go (1183 Euro) über Leder-Polster (1850 Euro) und Comand-System mit Navigation und CD-Radio (2459 Euro) bis zu Parktronic (754 Euro) und Bi-Xenonlicht (1119 Euro).