Mercedes E 200 CDI: Bürgerliche Grundversorgung - DER SPIEGEL
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Mercedes E 200 CDI: Der Neue am Taxi-Stand

Mercedes E 200 CDI Bürgerliche Grundversorgung

Die Mercedes E-Klasse markiert eine Zäsur im Automobilmarkt. Wer sich ein Modell dieses Typs leistet, zeigt, dass er sich auch mit der Wahl seines Pkw dem gehobenen Bürgertum anschließt. Jetzt legt Mercedes die Latte zum Einstieg in diese Klasse noch einen Tick tiefer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die günstigste Art, Mercedes zu fahren, ist eine Tour im Taxi. Vorausgesetzt natürlich, es handelt sich bei der Droschke um den Klassiker in diesem Gewerbe - die E-Klasse. Das ist längst nicht mehr selbstverständlich, wozu auch Qualitätsmängel beitrugen. Derzeit aber hält die Marke mit dem Stern wieder einen grundsoliden Kurs, und der jüngste Zugang in der Mercedes-E-Klasse dürfte sogar die Taxler erfreuen: Es ist der E 200 CDI, das kleinste Dieselmodell der Baureihe und das neue Einstiegsmodell auf der Preisliste. 38.734 Euro kostet das Auto in Deutschland in der Grundausstattung.

SPIEGEL ONLINE saß bereits beim neuen Modell hinterm Steuer; allerdings dürfte der Preis des Testwagens rund 10.000 Euro über der Basissumme gelegen haben. Nicht nur wegen des Metallic-Lacks (Aufpreis 1011 Euro), sondern auch, weil unter anderem Späße an Bord waren wie aktive Multikontur-Vordersitze (Aufpreis 1487 Euro), eine Fünfgang-Automatik (2201 Euro), ein Festplatten-Navigationssystem (3046 Euro) sowie Spurhalte- und Totwinkel-Assistent (892 Euro). Schon bei der ersten, arglos angetretenen Autobahnfahrt lernt man letztere kennen. Ständig leuchtet die gelbe Warnleuchte im linken Außenspiegel und warnt vor Verkehrsteilnehmern, die von hinten links nahen. Wer beiläufig die Fahrbahnmarkierung streift, spürt Vibrationen im Lenkrad. Und wer weiße Linien berührt, ohne den Blinker gesetzt zu haben, wird umgehend zur Ordnung gerufen.

Für Autofahrer, die gedankenlos Hunderte von Kilometern abspulen und Dinge wie den lebensgefährlichen Sekundenschlaf als Pillepalle abtun, dürfte dieses System ein Segen sein. Ansonsten aber kann es einem schnell auf die Nerven gehen, wenn immer wieder der Besserwisser aus der Bordelektronik tadelnd und korrigierend eingreift. Der Weg zum vollautomatisch fahrenden Auto scheint nicht mehr weit - oder man nimmt für längere Strecken gleich die Bahn.

Dann aber würde man die tollen Aktivsitze verpassen. Je nach Einstellung wirken sie dem Wanken und Neigen der Karosserie entgegen. Außerdem verfügen sie über eine Massagefunktion, die der Rückenmuskulatur tatsächlich hilft, auch längere Fahrten unversehrt zu überstehen. So ausgestattet ist der E 200 CDI ein idealer Reisewagen. Zumal auch der 2,2-Liter-Motor - die Typenziffer 200 führt in dieser Hinsicht in die Irre - mit einer Leistung von 136 PS zum entspannten Fahren anhält und mit offiziell 5,9 Liter Dieselkraftstoff je 100 Kilometer zufrieden ist.

Bei flotter Fahrt wird der sonst so zurückhaltende Dieselmotor durstig

Der theoretische Wert gerät gänzlich außer Reichweite, sobald man sich dort bewegt, wo Fahrzeuge dieses Kalibers vorzugsweise hintereinander her hecheln: auf der linken Spur. Wer gerne flott unterwegs ist, muss knapp 8 Liter Verbrauch kalkulieren. Über den gesamten Testzeitraum errechnete der Bordcomputer bei unserem Wagen einen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Liter.

Das angenehme Ambiente, die guten Platzverhältnisse und die ebenso tollen wie teuren Sitze machten die Fahrerei im E 200 CDI angenehm und mühelos. Allerdings fiel das nach klassischen Mercedes-Maßstäben recht straff ausgelegte Fahrwerk auf. Offenbar um dem hartnäckigen Vorurteil entgegenzuwirken, Mercedes-Mittelklassemodelle seien etwas für Fahrer mit Hut, sollten die Fahrwerkstechniker beim neuen Modell die Sportlichkeit des Geräts spürbar machen. Das ist gelungen, und insgesamt muss man dem Auto einen durchaus kommoden Charakter attestieren.

An Kleinigkeiten wie etwa der Steuerung des Navigationsbildschirms, die trotz eingeschalteten Scheinwerfern erkennt, dass es helllichter Tag ist und daher das Display nicht abdunkelt, erkennt man, dass die Mercedes-Entwickler mitdenken. Andererseits gibt es zwar einen 540 Liter fassenden und damit sehr brauchbaren Kofferraum, doch die Öffnungsluke ist vergleichsweise klein, was bei sperrigem Ladegut ziemlich hinderlich ist.

Für größere Transporte gibt es in Kürze die Kombi-Variante

Nun ist eine Limousine ja dafür auch nicht gedacht. Für solche Fälle wird ab 21. November ja das T-Modell der E-Klasse angeboten, die Kombi-Variante der Baureihe W 212. Neben dem neuen E 200 CDI kommen in diesen Tagen auch zwei neue Typen mit Ottomotor auf den Markt. Den Einstiegs-Benziner E 200 CGI mit Start-Stopp-Automatik (ab 39.508 Euro) und 183 PS sowie den E 250 CGI mit 204 PS (ab 44.506 Euro).

Gerüchte, wonach die aktuelle E-Klasse, die Ende März debütierte, nicht so recht in Gang käme, weist Mercedes weit von sich. Vertriebschef Joachim Schmidt sagt: "Die neue E-Klasse hält eine hervorragende Position in ihrem Segment." In Zahlen ausgedrückt liest sich das so: Mehr als 70.000 Exemplare der neuen Baureihe wurden bislang ausgeliefert, davon knapp die Hälfte in Deutschland. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete kürzlich, dass die E-Klasse das hierzulande meistverkaufte Modell in der gehobenen Mittelklasse sei.

Mit dem T-Modell dürfte sich diese Position noch verfestigen. Und im Frühling 2010 kommt dann auch noch, als letzte Variante nach Limousine, Coupé und Kombi - das Cabrio.

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