Mercedes E 200 T-Modell: Der Raumpfleger - DER SPIEGEL
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Mercedes E 200 T-Modell Der Raumpfleger

Die Marketing-Leute bei Mercedes sind sich sicher, dass dem Kombi die Zukunft gehört. So ist es nur logisch, dass der hauseigene Typ, das neue T-Modell der E-Klasse, besonders akribisch ausgestattet wurde. Vor allem im Laderaum durften die Ingenieure ihre Ideen entfalten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Mercedes im Jahr 1976 das erste T-Modell auf den Markt brachte, wurde der Wagen als "Metzger-Mobil" geschmäht. "Natürlich können sie auch im neuen T-Modell eine Schweinehälfte transportieren", sagt Produktmanager Andreas Blöchl, "doch unser intelligentes Laderaummanagement wurde für weitaus anspruchsvollere Transportaufgaben entwickelt."

Laderaummanagement ist eines dieser Worte, das Automanager gerne sagen. Es klingt so schön innovativ. Im Fall des neuen T-Modells ist der Beiklang sogar gerechtfertigt. Damit die Kunden sofort begreifen, um was es geht, preist Mercedes die Neuheiten fürs Gepäckabteil als "Easy Pack"-System an. Serienmäßig gehören dazu eine Heckklappe, die beim Aufschwingen im oberen Drittel in jeder beliebigen Position stehen bleibt, und eine Laderaumabdeckung, die beim Öffnen der Heckklappe automatisch nach oben fährt und nach dem Schließen wieder in ihre Ausgangsposition zurück schnurrt.

In den besseren Ausstattungsstufen (die bei Mercedes Elegance und Avantgarde heißen), kommen ein mit Staufächern unterteilter Zwischenboden in der Ersatzradmulde und eine Ablagebox im toten Winkel hinter den Frontsitzlehnen dazu. Auf Wunsch gibt es dann noch eine hydraulische Heckklappe (574 Euro), eine nach vorne umklappbare Beifahrerlehne für eine maximale Ladelänge von 3,20 Meter (290 Euro), einen hydraulisch ausfahrbaren Ladeboden (905 Euro) und ein Laderaumpaket mit allerlei Befestigungselementen für loses Gepäck (226 Euro).

Es gibt derzeit kein Kombi-Konkurrenzmodell, dessen Heckabteil ähnlich exquisit ausgerüstet werden kann. Andererseits fehlt dem T-Modell zum Beispiel eine separat zu öffnende Heckscheibe. Auf die habe man bewusst verzichtet, sagt Blöchl, weil erstens zu wenige Kunden danach fragen würden und weil zweitens die D-Säulen und die Heckklappe dann viel stämmiger geworden wären. So aber wirkt der Kombi zwar stattlich, aber durchaus leicht und beinahe filigran. Das schlichte Heck mit den schwungvollen Rücklichtern und die in der Seitenansicht elegant abfallende Fensterlinie lassen das T-Modell modern und elegant wirkten. Kein Transporter, eher ein Trendauto.

Den Trend zum Kombi glaubt Blöchl ganz eindeutig erkannt zu haben. Die Eroberungsrate des neuen T-Modells, so der Marketing-Mann, werde bei 30 Prozent liegen. Das würde bedeuten, dass nahezu jeder dritte Käufer vorher ein anderes Fabrikat gefahren hat. Woher sollen diese Kunden kommen? Blöchl: "Wir sind der Ansicht, dass Großraumlimousinen und Geländewagen an Attraktivität verlieren werden." Ein Kombi sei sportlicher als ein Minivan und sparsamer und agiler als die derzeit boomenden SUVs (Sport Utility Vehicles).

Noch in diesem Jahr, der Wagen wird ab 22. März bei den Händlern stehen, will Mercedes weltweit 45.000 E-Klasse T-Modell verkaufen, rund 25.000 davon in Deutschland. Im nächsten Jahr sollen es gar 60.000 Autos werden. T-Klasse-Käufer verdienen im Schnitt 6200 Euro im Monat und sind 47 Jahre alt (und damit zehn Jahre jünger als der durchschnittliche E-Klasse-Limousinen-Käufer).

Zum Start der Kombi-Baureihe wird es je drei Benzin- und Dieselmotorisierungen geben. Die Leistungswerte der Aggregate rangieren zwischen 150 und 224 PS (110 und 165 kW). Bei unseren ersten Probefahrten waren wir mit dem Basis-Benziner E 200 unterwegs. Der 1,8-Liter-Vierzylinder-Kompressormotor hinterließ einen ordentlichen Eindruck. Das Geräuschniveau lässt sich mit vornehm beschreiben, die Leistungsentfaltung mit ausreichend. Vielleicht könnte das Sechsgang-Schaltgetriebe noch eine Überarbeitung vertragen, doch im Grunde sitzt man hier in einem rundum ausgereiften Auto.

Auch in einem sehr teuren Auto. Mercedes hat sich dafür allerdings abgewöhnt, für jedes Detail Aufpreis zu verlangen. Schon die Basisausstattung namens Classic bietet allerlei nützliche Dinge: Sechs Airbags zum Beispiel, ABS, elektrische Fensterheber, eine geteilt umklappbare Rücksitzbank, Klimaanlage, zweifach verstellbares Multifunktionslenkrad, automatische Niveauregulierung, Tempomat, beheizte Außenspiegel, Dachreling, ESP, automatische Scheinwerfer, Regensensor sowie elektronische Wegfahrsperre und Zentralverriegelung.

Hersteller:Mercedes
Typ:E 200 T-Modell
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Benziner-Kompressor
Hubraum:1.769 ccm
Leistung PS:163 PS
Leistung kW:120 kW
Drehmoment:240 Nm
Von 0 auf 100:10,1 Sek.
Höchstgeschw.:220 km/h
Verbrauch (ECE):9,1 Liter
CO2-Ausstoß:216 g/km
Kofferraum:690 Liter
umgebaut:1.950 Liter
Versicherung (HP):17 €
Versicherung (TK):23 €
Versicherung (VK):32 €
Preis:38.048 €

Auf der anderen Seite nimmt die Zahl der möglichen Extras auch stetig zu. Mit dem T-Modell beispielsweise erfolgt die Einführung des Kurvenlichts für alle Versionen der E-Klasse. Die mitlenkenden Bi-Xenonscheinwerfer, das wird schon in den ersten Kurven bei einer nächtlichen Erprobungsfahrt ersichtlich, möchte man eigentlich nicht missen, wenn man häufiger bei Dunkelheit unterwegs ist. Und schon gibt es wieder einen neuen Posten in der Aufpreisliste: "Aktives Kurvenlicht: 1566 Euro."