Mercedes E-Klasse Ein Buchstabe als Hoffnungsträger
Mag sein, dass an diesem Auto vieles neu ist - sobald man drin sitzt, fühlt man sich wie zu Hause. "Willkommen daheim" rufen einem Schalter, Zierleisten und Anzeigen entgegen. Das automobile Heimatgefühl ist mutmaßlich viel wichtiger als das - etwas gewöhnungsbedürftige - Karosseriedesign. Schließlich sind Besitzer der Mercedes E-Klasse häufig Vielfahrer und verbringen mehr Zeit im Cockpit als am Schreibtisch. Das beruhigende Gefühl des Bewährten basiert auf über 60 Jahren Erfahrung und mehr als zwölf Millionen Autos. Alles, was die Ingenieure dabei gelernt haben, verdichten sie nun in der Neuauflage jenes Autos, das die Schwaben gerne als den Kern ihrer Marke bezeichnen.
"Mit Innovation gegen Rezession", gibt Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber die Parole vor. Seine PR-Leute haben ihm sechs Es aufgeschrieben, die für die E-Klasse stehen sollen. Ein etwas müder Kunstgriff, doch Weber dekliniert brav durch: E wie Erfahrung stehe für die lange Geschichte des Modells, die zurückreicht bis zum legendären Ponton, E wie Eyecatcher stehe für den Stil des neuen Designchefs Gordon Wagener. Da hätte auch E wie eckig gepasst.
Eines der wichtigsten E-Wörter ist das Stichwort Effizienz. Nachdem Mercedes in der Motorenentwicklung bei den Benzinern lange hinterherfuhr, entdecken mit der E-Klasse nun auch die Schwaben das sogenannte Downsizing. Die Leistung ehemaliger Sechszylinder-Motoren wird nun von Vierzylinder-Aggregaten mit Direkteinspritzung und Aufladung erbracht.
Auch Mercedes tritt nun mit effizienteren Motoren an
Der stärkste der drei Diesel-Maschinen ist allerdings noch immer ein V6 mit 231 PS, und an der Spitze der vier Benziner steht der V8 im 388 PS starken E 500. Doch zumindest an der Basis regiert die Vernunft. Am deutlichsten wird das beim E 250 CGI, der bei den Benzinern für 44.506 Euro vorläufig den Einstieg markiert: Der Motor hat 204 PS und liegt beim maximalen Drehmoment mit 310 Nm gut ein Viertel über dem früheren V6. Dennoch sinkt der Durchschnittsverbrauch um mehr als 20 Prozent auf 7,3 Liter.
Natürlich ist das ein theoretischer Wert, den man in der Praxis kaum erreichen wird. Trotzdem muss man der Limousine schon gehörig die Sporen geben, wenn der Bordcomputer einen zweistelligen Verbrauch anzeigen soll. Dabei ist das Triebwerk flott genug. Das 1,7 Tonnen schwere Auto schafft den Sprint von 0 auf Tempo 100 in 7,7 Sekunden und bringt es auf 241 km/h. Doch ganz ungetrübt ist die Freude nicht. Denn erstens gibt es für die Vierzylinder noch die alte Fünfgang-Automatik, und zweitens klingt der Motor etwas rau.
Schnell geradeausfahren ist die Paradedisziplin
Als nächstes E nennt Weber die Entspannung. "Easy Going" ist das Stichwort, für das Ergonomen, Designer, Konditionsexperten und Fahrwerksentwickler in Sindelfingen Sonderschichten geschoben haben. Auf einer kurvigen Landstraße wirkt die Limousine noch immer etwas getragener als die Konkurrenten von Audi oder BMW. Doch auf der Autobahn ist der Wagen kaum zu schlagen: So gelassen und gediegen fährt in dieser Klasse kein zweites Auto. Dabei helfen mehr als ein Dutzend Assistenz- und Sicherheitssysteme.
Es sind nicht nur die vielen elektrischen Helfer und das gute Fahrwerk, die den Reiz ausmachen. Es sind auch eine Vielzahl von Details, mit denen die Ingenieure das Auto verbessern konnten. Sei es die Ratsche zum Festzurren verschieden großer Flaschen im Beifahrerfußraum oder die praktische Easy-Fix-Komfort-Box im Kofferraum, die sich mit zwei Handgriffen jeder Transportaufgabe anpassen lässt - alles wirkt sehr gut durchdacht.
Aschenbecher und Getränkehalter kosten extra
Die Perfektion hat ihren Preis, und der ist happig. Der Grundpreis von 41.590 Euro geht noch, doch birgt die Preisliste ein paar böse Überraschungen: Nicht nur die vielen Assistenzsysteme muss man meist teuer bezahlen, sondern sogar für Aschenbecher und Getränkehalter bitten die Schwaben nun extra zur Kasse.
Weber ist jetzt beim sechsten E angekommen. "E steht auch für Erfolg", sagt er. Der ist bei einem so wichtigen Auto für den Konzern unabdingbar. Bislang sieht es ganz gut aus, selbst die prekäre wirtschaftliche Lage kann Daimlers Durchmarsch zurzeit offenbar nicht stoppen: Die ersten 40.000 Bestellungen liegen bereits vor.