Mercedes GLK: Kombi fürs Grobe - DER SPIEGEL
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Mercedes GLK Kombi fürs Grobe

Aus technischer Sicht ist der Mercedes GLK kaum mehr als eine aufgebockte C-Klasse mit Allradantrieb. Der Kombi fürs Grobe überzeugt mit ordentlichen Fahrleistungen. Allerdings fehlen die richtigen Motoren zur rechten Zeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Er ist zwar nagelneu, doch kommt einem der Mercedes GLK schon sattsam vertraut vor. Kein Wunder. Denn einerseits haben die Mercedes-Designer für den ersten kompakten Geländewagen der Marke die Formensprache des G-Modells adaptiert. Und andererseits haben die Schwaben das Auto seit der Enthüllung des ersten Prototypen vor rund eineinhalb Jahren bei jeder Gelegenheit ins Rampenlicht gerollt.

Jetzt haben die Marketing-Spielchen ein Ende. In wenigen Wochen kommt der GLK in den Handel und muss sich im Wettbewerb mit dem BMW X3 und dem neuen Audi Q5 bewähren. Die Preise beginnen für den Mercedes GLK bei 40.341 Euro. Doch diese Summe gilt für das Basismodell mit dem Einstiegsmotor, und das gibt es erst ab dem Frühjahr 2009. Wer vorher GLK fahren will, muss mindestens 43.554 Euro zahlen.

Dass der Wagen im Gelände trotz seiner engen technischen Verwandtschaft zur C-Klasse mit Allradantrieb ein Großer ist, hat SPIEGEL ONLINE bereits bei den Abstimmungsfahrten kurz vor der Weltpremiere erfahren. Nun waren wir mit dem GLK zum ersten Mal dort unterwegs, wo die allermeisten Kunden ihn nutzen werden: im Stadtverkehr, auf der Landstraße und der Autobahn - aber eben immer auf Asphalt.

Auch dort wirkt der GLK souverän und ausgewogen. Im dichten Gewühl der Rushhour genießt man die kompakten Abmessungen, die gute Übersicht und die leichtgängige Lenkung, über die man draußen auf der Landstraße gerade noch die Stirn gekräuselt hat. Auf der Autobahn fühlt man sich im kleinsten der mittlerweile fünf SUV-Modelle von Mercedes so gelassen, erhaben und entspannt wie im größten - wenngleich die kantige Karosserie bei höherem Tempo für lästige Windgeräusche sorgt.

Und weil sich die zweistufigen Dämpfer aus der C-Klasse versteifen, wenn es darauf ankommt, kann man mit dem GLK ganz ordentlich über kurvige Kreisstraßen wedeln. Aber so sportlich, stramm und agil wie Audi Q5 und BMW X3 haben die Entwickler den GLK mit Rücksicht auf die Komfortansprüche der Kunden dann doch nicht abgestimmt.

Der GLK ist dem Alltag viel näher als dem Abenteuer, das merkt man auch im Innenraum. Das Interieur zeigt deutliche Ähnlichkeit mit dem der C-Klasse - es ist nur etwas kantiger und aufrechter gestaltet. Obwohl der Wagen mit 4,53 Metern ein gutes Stück kürzer ist als Limousine und Kombi der C-Klasse, sind die Platzverhältnisse vorn großzügig und hinten völlig ausreichend.

Auch der Kofferraum ist mit einem Ladevolumen von 450 Litern nicht schlecht. Doch bleibt das Fassungsvermögen trotz der aufrechten Seitenwände und der steilen Heckklappe hinter dem des T-Modells zurück. Und pfiffige Extras wie die verschiebbare Rückbank oder die 230-Volt-Steckdose des Audi Q5 sucht man im GLK vergebens.

Nur Sechszylindermotoren - das wirkt antiquiert

So sehr kompaktere Geländewagen derzeit im Trend liegen, so unglücklich sieht Mercedes mit der Wahl der Motoren aus. Denn wo die Konkurrenz auf sogenanntes Downsizing setzt und mit der Formel große Leistung bei kleinem Hubraum ordentlich Sprit spart, startet der GLK ausschließlich mit Sechszylindermotoren. Autos mit 224, 231 oder 272 PS und Durchschnittsverbrauchswerten von 7,9 bis 10,6 Liter sind nicht gerade auf dem neuesten Stand der Dinge.

Erst im Frühjahr soll ein sparsamerer 2,2-Liter-Dieselmotor die Antriebspalette ergänzen. Entwicklungsleiter Thomas Merker: "Nach der neuen E-Klasse wird der GLK deshalb das zweite Modell, in dem der Vierzylinder Einzug hält." Mit diesem Aggregat wird der GLK laut Merker einen Teil seiner Hypothek los, die Gewicht und Luftwiderstand dem Wagen aufgebürdet haben. Obwohl 170 PS und 400 Nm noch genug Fahrspaß versprechen, liegt der Verbrauch dieses Motors bei 6,9 Litern.

Eventuell gibt es auch eine reine Heckantriebsversion

Möglicherweise wird der GLK irgendwann noch genügsamer. "Wenn die Kunden es akzeptieren, könnten wir uns auch eine sparsamere Variante mit reinem Heckantrieb vorstellen", sagt Produktmanager Zimmermann. Und auch ein Dieselhybridantrieb, wie er im März beim Autosalon in Genf gezeigt wurde, schließt Zimmermann "im Lauf des Lebenszyklus" nicht aus.

Natürlich zielt Mercedes mit dem GLK auf dieselben Kunden, die auch von Audi mit dem Q5 und von BMW mit dem X3 umworben werden. Doch wird es wohl auch ein paar SUV-Fahrer aus den eigenen Reihen geben, die künftig das handlichere und sparsamere Auto bestellen werden. Baureihenchef Uwe Ernstberger formuliert es so: "Es kann schon sein, dass da jetzt ein paar Kunden den GLK statt der M-Klasse kaufen. Aber das ist für uns immer noch besser, als wenn sie sich einen BMW X3 zulegen."

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