Mercedes M-Klasse: M wie Musterknabe - DER SPIEGEL
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Mercedes M-Klasse M wie Musterknabe

Es stimmt wohl, dass die Stuttgarter vom Erfolg ihres Geländewagens selbst überrascht sind. Im vergangenen Jahr wurden 106.000 Exemplare verkauft, in diesem Jahr sollen es wieder mehr als 100.000 werden. Um dieses Niveau zu halten, wurde das Auto jetzt für 50 Millionen Euro renoviert.
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Das Geld scheint vernünftig angelegt, denn die Nachfrage nach dem Schicki-Offroader ist so groß, dass die Produktionskapazität im US-Werk Tuscaloosa nicht mehr ausreichte und die M-Klasse nun auch im österreichischen Graz gebaut wird. Vor vier Jahren feierte das Modell Premiere, begleitet von einer großangelegten PR-Kampagne, zu deren Höhepunkt fünf M-Klasse-Modelle im Film Jurassic Park II zermalmt wurden. Solche Publicity-Aktionen kann sich Mercedes nun sparen: In den USA, dem mit Abstand größten Markt für dieses Modell, ist jeder fünfte verkaufte Pkw der Stuttgarter ein M-Klasse-Wagen.

Auch das nun runderneuerte Modell, das in diesen Tagen in Leipzig vorgestellt wird, ist ganz auf die Kundschaft in Übersee zugeschnitten: Großer Innenraum, Edelholz-Dekor für die Luxus-Anmutung und eine recht weiche, bisweilen etwas indifferente Auslegung von Fahrwerk und Lenkung. Insgesamt wurde rund ein Drittel aller Bauteile verändert oder erneuert, Mercedes spricht von 1100 Teilen. Die wichtigsten Neuerungen sind eine überarbeitete Klimaanlage, die nun auch den Fondpassagieren eine Dosierung der Gebläsestärke erlaubt sowie Fensterairbags. Die Luftpolster, die sich bei einem Seitenaufprall entlang der Scheiben entfalten, gehören nun mit neuen, zweistufigen Frontairbags zur Serienausstattung.

"Eineinhalb Jahre", sagt Michael Höltkemeyer, verantwortlich für die Erneuerung der M-Klasse, "hat alleine die Entwicklung der Fensterairbags gedauert". Denn es sei bei weitem nicht damit getan, irgendwo in den Seitenholmen die Luftsäcke und den Gasgenerator unterzubringen. "Wir mussten auch den kompletten Dachhimmel auf das neue System abstimmen." Vor allem aber verschlangen die etlichen Crashtest mit dem neuen System teure Entwicklungszeit.

Die Designer hatten es da besser. Die inzwischen üblichen Klarglasscheinwerfer, eine geänderte Frontschürze mit integrierten Nebelscheinwerfern und elegantere, mit Blinklichtern bestückte Seitenspiegel sind die wesentlichen Änderungen der Außenoptik. Am Heck, das von Kunden als "zu verwechselbar mit einem Van" beurteilt wurde, tat sich dagegen wenig. Leicht geänderte Rückleuchten und fünf Profilwülste in der Heckschürze sind zwar hübsch, doch sie alleine strahlen noch nicht die Botschaft aus, dass hier ein großkalibriger Geländewagen unterwegs ist.

Das vermag schon eher die Modellbezeichnung auf der Heckklappe - und da gibt es für die neuen Modelle zwei neue Buchstaben-Zahlen-Kombinationen: ML 400 CDI und ML 500. Beide weisen auf Motoren hin, die ursprünglich aus der S-Klasse stammen und die ab der Markteinführung am 11. September auf für die M-Modelle erhältlich sind. Es handelt sich jeweils um V8-Aggregate, die Vortrieb im Überfluss produzieren. Der Benziner mit 5 Liter Hubraum leistet 292 PS (215 kW), beschleunigt den Wagen auf maximal 222 km/h und schluckt nach Werkangaben im Schnitt 14,6 Liter Superbenzin je 100 Kilometer. Reiche Onkels aus Amerika werden dieses Auto lieben - normalsterbliche Mitteleuropäer werden sich nach dem Diesel erkundigen. Der bietet ein ähnliches Leistungspotenzial bei deutlich gedrosseltem Kraftstoffverbrauch.

Rund 11 Liter Diesel je 100 Kilometer sind zwar auch kein Pappenstiel, relativieren sich aber angesichts eines 2,3 Tonners, der hohen Fahrkomfort, gute Reisequalitäten und dazu noch eine erstaunliche Geländetauglichkeit besitzt. Um dies zu demonstrieren, ließ Mercedes im ehemaligen Braunkohle-Tagebaugelände bei Espenhain südlich von Leipzig einen Offroad-Parcours installieren. 50-prozentige Gefällestrecken, beängstigende Schräglagen, Sandhügel und Schlaglöcher waren die Proben, vor die Auto und Fahrer gestellt wurden. Während jedoch der Fahrer sich lediglich dazu überwinden musste, bergan beherzt Gas zu geben und bergab auf jeden Fall den Fuß von der Bremse zu lassen, verrichteten Motor, Fahrwerk und Elektronik Schwerstarbeit.

Hersteller:Mercedes
Typ:ML 400 CDI
Karosserie:Geländewagen/Pickup/SUV
Motor:V8-Diesel-Direkteinspritzer
Hubraum:3.996 ccm
Leistung PS:250 PS
Leistung kW:184 kW
Drehmoment:560 Nm
Von 0 auf 100:8,1 Sek.
Höchstgeschw.:213 km/h
Verbrauch (ECE):10,9 Liter
CO2-Ausstoß:289 g/km
Kofferraum:633 Liter
umgebaut:2.020 Liter
Versicherung (HP):23 €
Versicherung (TK):34 €
Versicherung (VK):31 €
Preis:58.000 €

Im Grunde regelt der 4-ETS-Antrieb (Four Wheel Electronic Traction) das Vorwärtskommen unter erschwerten Bedingungen. Der Fahrer braucht lediglich die "Low Range"-Taste im Cockpit zu drücken, schon sind Schotter, Sand und Schmodder kaum noch ein Hindernis. Sensoren überwachen ständig die Traktion jedes Rades und lenken Antriebs- oder Bremskraft dorthin, wo sie benötigt werden. Was früher zur hohen Schule der Fahrzeugbeherrschung gehörte, wird so binnen fünf Minuten erlern- und damit erfahrbar.

So etwas braucht im Grunde kein Mensch. Aber offenbar vermittelt es einer steigenden Zahl von Autofahrern ein gutes Gefühl, wenn sie wissen, dass ihr Auto könnte, wenn sie nur wollten - und dürften.