Mercedes ML 320 Bluetec Saubere Aussichten
Amerika denkt um. "Wir brauchen kleinere und sparsamere Fahrzeuge." Das ist die Kernbotschaft in jeder Analyse des rapide schrumpfenden US-Automarkts. Für die alten Ideale von Pick-ups, Trucks und sportlichen Geländewagen (SUV) ist offenbar kein Platz mehr. Doch Uwe Ernstberger sieht das anders. Ernstberger ist Chef der Mercedes-Baureihen ML, GL und R-Klasse, deren größter Markt mit knapp der Hälfte aller verkauften Modelle die USA sind. Von der Krisenstimmung lässt er sich nicht anstecken. "Die M-Klasse hat hier in einem miserablen Marktumfeld um 16 Prozent zugelegt", sagt er stolz. So soll es weitergehen.
Ernstberger und seine Kollegen präsentieren derzeit im Neuengland-Staat Vermont die aufgefrischte Allrad-Flotte, die im Spätsommer auch nach Deutschland kommen wird. "Bluetec" heißt das Zauberwort, das für eine neue Technik zur Abgasreinigung steht. So sollen M-Klasse und Co. zu den "saubersten Diesel-SUVs der Welt" werden. Die dann, dank der Einspritzung der Harnstofflösung Adblue ins Abgas und daraus resultierenden minimalen Stickoxidwerten, erstmals in allen 50 US-Staaten angeboten werden dürfen.
So können die Dieselmodelle dann auch auf wichtigen Märkten wie Kalifornien und New York beweisen, dass sie die bessere Alternative zum klassischen Benziner sind - und meist auch zum Benzinhybrid, sagt Ernstberger. "Schließlich bieten unsere Bluetec-Sechszylinder einen Vierzylinder-Verbrauch bei V8-Leistung."
US-Autofahrer müssen sich an Autos mit Dieselmotor erst wieder gewöhnen. In den achtziger Jahren gab es schon einmal einen Diesel-Boom, damals erreichten die Nagler bei Mercedes einen Verkaufsanteil von rund 80 Prozent - bis drastisch verschärfte Abgasgesetze dem Selbstzünder den Garaus machten. Doch seit ein paar Jahren gibt es so etwas wie ein Comeback - vor allem mit Hilfe der sauberen Bluetec-Technik - für den Diesel. Immerhin jede zehnte Mercedes E-Klasse und schon jedes fünfte SUV-Modell der Schwaben werden in den USA wieder mit Dieselmotor bestellt. Und jetzt gibt es das reine Gewissen obendrein.
Beim Fahren bleibt alles wie gewohnt
Dass der Bluetec-Diesel-Abgase aufwendig gesäubert werden, spürt man beim Fahren nicht. Harnstoffeinspritzung, Ammoniakbildung, selektive katalytische Reduktion? All das geschieht im Verborgenen. Wie bei einem ganz normalen Dieselmotor registriert man lediglich die 210 PS des 3-Liter-V6-Aggregats und genießt das Drehmoment von 540 Nm, das jeden Benziner beim Ampelstart alt aussehen lässt. Sobald sich die Landschaft weitet und der Highway sanft über die Hügel schwingt, macht sich große Gelassenheit breit. Während sich die Tanknadel beim gemütlichen Cruisen kaum merklich bewegt, darf man beruhigt die Landschaft genießen. Die Mercedes-Entwickler versichern nämlich, man könne derzeit Diesel kaum sauberer verbrennen.
Noch kommen allerdings nur US-Kunden in den Genuss des guten Gefühls. Denn in Europa ist der Druck lange nicht so groß. Trotz steigender Kraftstoffpreise muss man hierzulande keinen mehr von den Qualitäten des Selbstzünders überzeugen. Und einen Bonus für die Saubermänner, die in Deutschland wohl rund tausend Euro Aufpreis kosten werden, gibt es auch nicht. Dennoch möchte Mercedes Bluetec spätestens im nächsten Herbst auch in Deutschland anbieten. "Das ist für uns auch eine Frage des Images", sagt Entwickler Christian Enderle. "Vielleicht gibt es bis dahin ja auch eine neue Gesetzgebung, die Autofahrer für ihre saubere Wahl belohnt."
Renovierung der M-Klasse vorwiegend kosmetisch
Bis dahin bleibt allen Kunden jenseits der USA nur der schwache Trost eines dezenten Facelifts, das sich allerdings auf frische Schminke beschränkt. Es gibt ein neues Lenkrad, und serienmäßig sind aktive Kopfstützen und Dachreling an Bord. Auf Wunsch gibt es eine neue Generation von Radio- und Navigationssystemen mit Festplattenlaufwerk, SD-Kartenleser und digitaler Jukebox dazu. Einige der Motoren sind bei unveränderter Leistung um bis zu 0,4 Liter sparsamer. Doch wirkliche Neuheiten wie etwa die aktive Lichtverteilung wie in den Limousinen, eine automatische Abstandsregelung oder andere Errungenschaften der vergangenen Jahre bleiben der Baureihe vorenthalten. Stattdessen gibt es einen neuen Bug, der mit größerem Kühlergrill, kantigeren Scheinwerfern und modifiziertem Stoßfänger etwas markanter und prägnanter wurde. Zudem gewähren größere Außenspiegel mehr Rücksicht, und neue Heckleuchten sollen mehr Glanz verbreiten.
Angesichts des harten Wettbewerbs, des starken Gegenwinds für SUV-Modelle und vor allem des relativ geringen Aufwandes für die Modellpflege üben die Schwaben wenigstens eine moderate Preispolitik: Die renovierte M-Klasse startet bei 51.527 Euro und ist damit kaum teuer als bisher.