MG ZR 105: Asterix bei den Briten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

MG ZR 105 Asterix bei den Briten

Als Extra gibt es Schlückchen Zaubertrank. So ungefähr muss man sich das vorstellen, wenn aus einem Rover ein MG wird. MG, die Sportlichere der beiden britischen Marken unter einem Dach, hat nun ein neues Einstiegsmodell vorgestellt, den MG ZR 105.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Leicht ist es gewiss nicht, nach dem so genannten "Rover-Debakel" von BMW in Deutschland Autos der britischen Traditionsmarke zu verkaufen. Die Sache wird zusätzlich erschwert, weil es sich Rover in den Kopf gesetzt hat, jedem Rover-Auto ein sportliches Schwestermodell mit dem MG-Label zur Seite zu stellen. In der Kompaktklasse bedeutet dies, dass neben dem Rover 25 auch ein MG ZR angeboten wird.

Bislang gab es dieses Auto ausschließlich mit drei Türen und einem 160 PS (118 kW) starken Vierzylindermotor. Jetzt wird der sportliche Dreitürer zahmer und familientauglicher. Neu in der MG-ZR-Baureihe ist also eine fünftürige Karosserie und ein schwächerer Vierzylindermotor mit 1,4 Liter Hubraum und einer Leistung von 103 PS (76 kW).

Hersteller:MG Rover
Typ:MG ZR
Karosserie:Kompaktwagen
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.396 ccm
Leistung PS:103 PS
Leistung kW:76 kW
Drehmoment:123 Nm
Von 0 auf 100:10 Sek.
Höchstgeschw.:180 km/h
Verbrauch (ECE):6,8 Liter
CO2-Ausstoß:161 g/km
Kraftstoff:Super
Kofferraum:304 Liter
Versicherung (HP):14 €
Versicherung (TK):20 €
Versicherung (VK):29 €
Preis:16.310 €

Nach einem Blick in den Motorraum des Wagens, wo es wild und lebendig aussieht, überrascht der etwas raue und durchaus klangvolle Lauf der Maschine nicht. Mit der neuen Maschine ist der MG ZR ein durchschnittliches Auto mit durchschnittlichen Fahrleistungen. Beschleunigungsvermögen und Kraftentfaltung sind absolut ausreichend für den Alltagseinsatz, doch bei einem Auto mit sportlichem Anspruch nicht unbedingt überzeugend. Der Durchschnittsverbrauch von 6,8 Liter je 100 Kilometer, den der Hersteller angibt, ist jedoch akzeptabel. Einen guten Eindruck machte bei unseren Testfahrten das tiefer gelegte Sportfahrwerk des Autos, das ziemlich straff, aber nicht knüppelhart abgestimmt ist. Die Lenkung arbeitet präzise, das Fünfgang-Schaltgetriebe lässt sich problemlos bedienen.

Optisch wirkt das doch schon in die Jahre gekommene Modell noch erstaunlich frisch. Vor allem die Frontpartie mit den vier Rundscheinwerfern, den auffallend vergitterten Kühlluftöffnungen und einer insgesamt geschmeidigen Linienführung sieht richtig gut aus. In der Seitenansicht des Fünftürers fällt die auf Grund der zusätzlichen Tür nur noch sehr schmale C-Säule auf. Und am Heck fällt der Blick sofort auf den weit übers Dach hinausragenden Spoiler im Format eines Snowboards. Wer schrille Vollgas-Applikationen mag, wird das Teil lieben. Bescheidenere Zeitgenossen dürften weniger begeistert sein.

Der Innenraum des MG ZR sieht dann doch ein wenig altbacken aus. Immerhin beweisen die Designer Mut und Phantasie, indem sie den angegrauten Look durch poppig bunte Verkleidungsteile überspielen. Das sieht gar nicht so übel aus. Und wem es gar nicht gefällt, "der kann auch anthrazitfarbene Blenden bekommen", heißt es bei MG.

Die Briten erhoffen sich, durch Fünftürer und den kleineren Motor die ohnehin mageren Zulassungszahlen doch noch steigern zu können. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 420 MG-ZR-Modelle und 1111 Exemplare der braveren Variante Rover 25 neu zugelassen. Bei der deutschen MG-Rover-Zentrale in Neuss herrscht dennoch Optimismus, denn erstens werden demnächst neue Motoren verfügbar sein und außerdem wird das löchrige Händlernetz derzeit neu organisiert.