Mini Countryman: Das obere Ende
Mini Countryman Jetzt kommt die Maxiversion
Die Reifen quietschen, es riecht nach verbranntem Gummi, und wenn man nicht aufpasst, fliegen die Pylonen davon. So muss es offenbar zugehen, wenn der BMW-Konzern ein neues Modell der Marke Mini präsentiert. Denn keine Eigenschaft des Kleinwagens ist den Verantwortlichen wichtiger als das sogenannte Gokart-Feeling, das den Winzling seit mittlerweile mehr als 50 Jahren kennzeichnet.
Allerdings fliegt heute nicht eine weitere Sportvariante des Briten über die abgesperrte Teststrecke im verregneten Donautal, sondern eher das Gegenteil. Gefahren wird mit dem neuen Mini Countryman, der nach den Sommerferien die Modellpalette erweitern wird und mit einer ganze Reihe von Traditionen bricht. Entwickelt als sogenannter Crossover, also als Mischung aus Kombi, Van und Geländewagen, misst er als erster Mini mehr als vier Meter in der Länge, hat vier Türen und kann auf Wunsch sogar mit Allradantrieb geordert werden.
Trotz der vielen Neuheiten wollten die Ingenieure eine Konstante bewahren. "Auch der Countryman soll sich fahren wie ein echter Mini", sagt Entwicklerin Ingrid Reyzl. "Die direkte Lenkung, das knackige Fahrwerk, all das soll man auf Anhieb wiedererkennen." Und das, obwohl der Maxi-Mini um 40 Zentimeter gewachsen ist und mit knapp 1,4 Tonnen Gewicht auch deutlich schwerer ist als der Dreitürer; zudem hat der Wagen wegen der SUV-typisch vergrößerten Bodenfreiheit einen höheren Schwerpunkt.
Auf dem Testgelände geht es durch die Hütchengasse, den Handling-Parcours und schließlich über die Rennstrecke. Im Countryman haben die Bayern das Fahrwerk überarbeitet, die Lenkung neu eingestellt und die Stabilitätssysteme neu justiert. Dadurch überzeugte der Wagen beim SPIEGEL-ONLINE-Test. Besonders das Allradsystem sorgt dafür, dass der Fahrer das Auto angenehm ruhig auf der Strecke hält. Und das Go-Kart-Gefühl gibt es auch noch: Wer will, kann den Countryman ähnlich beherzt um den Kurs treiben wie den normalen Mini.
Fünf Motorisierungen und milde Offroad-Fähigkeiten
Und der Countryman - nomen est omen - würde wahrscheinlich sogar abseits des Asphalts eine gute Figur abgeben. Immerhin haben die Entwickler den Wagen auch im Gelände getestet, berichtet Jörg Weidinger. "Obwohl wir den Countryman natürlich nicht als Offroader konzipiert haben, muss er schließlich auch auf Schotter und im Schlamm gut zurechtkommen."
In Fahrt bringen den neuen Mini die überarbeiteten Motoren der bekannten Modelle. Allerdings hat BMW sowohl den schwächsten Benziner mit 75 PS als auch das 211 PS starke Tuning-Paket John Cooper Works für den Countryman gestrichen. Die Preisliste beginnt bei 20.200 Euro - also knapp 4000 Euro über dem Dreitürer und 2000 Euro über dem kombiartigen Clubman - mit dem Countryman mit 1,6-Liter-Benziner und 98 PS. Im Cooper kommt der Motor auf 122 PS, und wer den Cooper S bestellt, kann sich auf 184 PS freuen. Von einem Turbo aufgeladen und mit bis zu 260 Nm gewappnet, treibt er das Auto in 7,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 215 km/h. Zwar beruhigt eine Start-Stopp-Automatik das Umweltgewissen, doch wirklich sparsam ist der Countryman erst mit Dieselmotor: mit dann 90 PS verbraucht er 4,3 Liter und in der 122-PS-Variante 4,4 Liter je 100 Kilometer.
Zwar unterstreichen die Bayern mit der ersten öffentlichen Ausfahrt der Erlkönige die Mini-Tradition des Maximodells. Doch was dabei noch zu kurz kommt, sind die für einen Mini fast schon überraschenden Nehmerqualitäten des Countryman. Einerseits genießt der Fahrer dank der höheren Sitzposition einen besseren Überblick; und außerdem bietet der Wagen (Länge: 4,10 Meter, Radstand: 2,60 Meter) zum ersten Mal einen Kofferraum, der diesem Namen tatsächlich gerecht wird; das Ladevolumen reicht von 350 bis knapp 1200 Liter. Und endlich können sich die Fondpassagiere freuen, denn sie können nun halbwegs verrenkungsfrei durch eine separate Tür einsteigen und die geteilte Rückbank so weit nach hinten schieben, dass zumindest große Kinder und kleine Erwachsene ordentlich sitzen.
Trotzdem braucht es für das Wohlergehen der Rücksitzpassagiere auch im Countryman eine gewisse Toleranz des Fahrers. Nicht wegen der Sitzposition, sondern wegen des Fahrstils. Denn je mehr Spaß man am Lenkrad hat, desto schneller ist das Vergnügen für die Hinterbänkler vorbei.