Mini One D: Die Zeitmaschine - DER SPIEGEL
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Mini One D Die Zeitmaschine

Mehr als 50 Jahre gibt es den Mini bereits, und ein Dieselmotor hat ihm eigentlich nie gefehlt. Dennoch wird die vermeintliche Angebotslücke nun geschlossen. Ab 14. Juni wird der Mini One D bei den Händlern stehen. "Mit ihm werden wir die Geschichte des Mini einholen", tönt die BMW-Marke selbstbewusst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Vorstellung des ersten Mini mit Dieselmotor sei "ein historischer Moment", heißt es bei BMW. Der bayerische Konzern hat eineinhalb Jahre nach dem kompletten Neustart des britischen Kultautomobils großen Gefallen an dem anfangs durchaus skeptisch beäugten Projekt gefunden. Die Verkaufszahlen - im vergangenen Jahr wurden 144.000 Mini weltweit abgesetzt - liegen deutlich über den Erwartungen. Entsprechend euphorisch wurde vor kurzem verkündet, dass 2004 ein Mini Cabrio vorgestellt werde.

Auch in diesem Jahr kann die bisherige Ein-Modell-Marke eine Neuheit präsentieren: eben den ersten Mini mit Dieselantrieb. Der Motor stammt von Toyota. Die Japaner bauen den 1,4-Liter-Vierzylinder mit Commonrail-Direkteinspritzung und Turbolader in ihrem Kleinwagen Yaris ein. BMW übernahm das Aggregat für den Mini, änderte einige Details, so dass die Maschine nun 180 Newtonmeter (statt im Yaris 170) maximales Drehmoment zur Verfügung stellt und erledigte Feinarbeit an der Motorakustik.

Der Eindruck nach der ersten Testfahrt: Die Motor-Verpflanzung ist gelungen. Überraschend ist vor allem zweierlei: erstens die Laufruhe der Maschine und ihr angenehmer Klang. Unter Last wird er vom hellen Sirren des Turboladers untermalt, dessen Turbinenrad mit bis zu 225.000 Umdrehungen pro Minute rotiert. Und zweitens der spritzige Charakter. 75 PS liest man im Datenblatt und denkt "naja". Schließlich gilt, absurd genug, auch im Kleinwagen-Segment die 100-PS-Marke als Trennlinie zwischen normalen und sportlichen Autos.

Der Mini will natürlich ein sportliches Fahrzeug sein - und das gelingt ihm lässig mit dem 75-PS-Diesel. Gerade im mittleren Drehzahlbereich und bei zügigem Landstraßentempo ist das Auto in seinem Element. Weil der Alumotor samt Sechsgang-Schaltgetriebe aus dem Mini Cooper S kaum zehn Kilogramm mehr wiegt als der Antriebsstrang im Basismodell Mini One, wurde dessen Fahrwerk unverändert in die Dieselvariante übernommen. Die Achslastverteilung liegt nahe am Optimum, das Handling ist entsprechend gut.

Hersteller:Mini
Typ:One D
Karosserie:Kleinwagen
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum:1.364 ccm
Leistung PS:75 PS
Leistung kW:55 kW
Drehmoment:180 Nm
Von 0 auf 100:13,8 Sek.
Höchstgeschw.:165 km/h
Verbrauch (ECE):4,8 Liter
CO2-Ausstoß:127 g/km
Kofferraum:150 Liter
umgebaut:670 Liter
Versicherung (HP):15 €
Versicherung (TK):31 €
Versicherung (VK):16 €
Preis:16.150 €

Der Mini One D verführt zu einem flotten Fahrstil, und mit dem ist der offiziell angegebene Durchschnittsverbrauch von 4,8 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer nicht zu realisieren. Nach unserer Testrunde (135 Kilometer auf Autobahn, Landstraße und in der Stadt) meldete der Bordcomputer ein Mittel von 6,4 Liter je 100 Kilometer. Einen Rußpartikelfilter gibt es für das Auto nicht, und die CO2-Emissionen betragen 127 g/km, weshalb der Wagen in die Schadstoffklasse Euro-3 eingestuft ist. "Wir sind da von Toyota abhängig", sagt Mini-Diesel-Projektleiter Peter-Frank Weber.

Von den Kunden allerdings auch. Rund zehn Prozent aller künftigen Mini, so die vorläufige Schätzung, werden mit Dieselmotor ausgeliefert. Da in Deutschland im vergangenen Jahr rund 23.000 Mini-Modelle verkauft wurden, hofft die Marke hier zu Lande auf eine Steigerung um knapp 2500 Diesel-Fahrzeuge. In anderen Diesel-Märkten wie Italien, Spanien oder Frankreich sollen die Zuwächse ähnlich ausfallen.

Bei der Ausstattung entspricht die Dieselversion dem Basismodell One. Dazu können - mit Ausnahme des Automatik-Getriebes - nahezu alle Extras bestellt werden. Standard sind zum Beispiel ABS, Stabilitäts- und Traktionskontrolle, vier Airbags, Reifenpannenanzeige, elektrische Außenspiegel und Fensterheber, Servolenkung, Wärmeschutzverglasung und Zentralverriegelung. Aufpreis kosten unter anderem ESP (320 Euro), Kopfairbags (300 Euro), Klimaanlage (930 Euro), Bordcomputer (130 Euro), Lederlenkrad (140 Euro), Nebelscheinwerfer (120 Euro) oder Xenon-Licht (530 Euro). Insofern wird aus dem recht genügsamen Mini-Diesel schnell ein ziemlich teures Auto. Der Einstiegspreis liegt schließlich schon bei 16.150 Euro. In der Preisgestaltung wird wohl kein Autohersteller der Welt jemals seine eigene Geschichte einholen.