Mini Roadster: Ganz offen und ehrlich - DER SPIEGEL
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Mini Roadster: Das bessere Cabrio

Foto: BMW

Mini Roadster Ganz offen und ehrlich

Kaum hat man beim Mini mit Müh und Not den Überblick über die erhältlichen Modelle gewonnen, kommt schon ein neues. In diesem Fall: Der Roadster. Mit seiner Schnörkellosigkeit wird der Oben-Ohne-Zweisitzer vor allem für ein Familienmitglied zum größten Konkurrenten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Timing ist bei Saisonautos wie Roadstern besonders wichtig. Diese Modelle müssen sich schon in den Köpfen der potentiellen Kundschaft eingenistet haben, noch ehe das Wintergrau vom Himmel verschwunden ist. Insofern liegt Mini gut in der Zeit, denn die Marke stellt jetzt den neuen Roadster vor. Der Zweisitzer mit Stoffverdeck ist die sage und schreibe sechste Modellvariante der Kleinwagenbauer und kommt ab 25. Februar zu Preisen ab 22.600 Euro in den Handel.

Der Roadster sieht aus wie das jüngst eingeführte Mini Coupé, also etwas schwülstig und verquollen, nur eben mit einer Stoffmütze anstelle des fest verschweißten Daches. Allerdings ist der Roadster im Vorteil: Bei ihm kann man das Verdeck zurückschlagen - und dann sieht er sogar ganz gut aus.

Theoretisch funktioniert das Öffnen des Verdecks ganz einfach und sogar während der Fahrt. Denn statt eine komplizierte Elektrohydraulik zu aktivieren, greift man hier einfach selbst zu. Rasch lässt sich der Zentralverschluss vor dem Innenspiegel mit einer Drehbewegung öffnen, und dann wird die ganze Chose nach hinten geworfen. Das könnte es gewesen sein - ist es in diesem Fall aber nicht. Man muss sich umdrehen, nach hinten recken, das Windschott vorübergehend zusammenfalten und das Faltdach mit großem Druck im Verdeckkasten einrasten lassen. Im Stand klappt das natürlich, aber während der Fahrt ist diese Prozedur fast schon gefährlich.

Premium sieht irgendwie anders aus

Noch schwerer geht es umgekehrt. Wer von schlechtem Wetter überrascht wird und die Pelle aus dem Sitz heraus über den Wagen werfen will, muss nicht nur gelenkig sein, sondern auch ziemlich kräftig. Sonst schafft man es einfach nicht, das Verdeck aus dem Kasten zu heben und über den Scheitelpunkt zu ziehen. Auch wenn das bei wechselhafter Witterung wenigstens den Workout im Fitnessstudio ersetzt: Premium - und das ist schließlich die Lieblingsvokabel der Mini-Manager - sieht irgendwie anders aus.

Wenig edel wirkt auch die Innenseite des Verdecks, das mit den offenliegenden Spriegeln verdächtig an die Zeltkonstruktionen in Pfadfindercamps erinnert. Das sichtbare Gestänge muss man hinnehmen, vom kraftzehrenden Verdeckbewegen kann man sich jedoch freikaufen. Für 790 Euro Aufpreis bietet Mini ein halbautomatisches Verdeck an, bei dem Elektromotoren die Arbeit übernehmen.

In Fahrt macht der Roadster jedoch eine gute Figur: Er ist wunderbar knackig abgestimmt, fegt wie ein Wirbelwind um die Kurven und macht jede Landstraße zur Lustmeile - vor allem, wenn man im Cooper S mit dem 183 PS starken Turbo-Benziner unterwegs ist. Dann schafft der Zweisitzer den Sprint von null auf 100 in 7,0 Sekunden und strapaziert die Föhnfrisur mit bis zu 227 km/h. Wer mehr möchte, für den gibt es den Roadster auch als John Cooper Works mit 211 PS. Und wenn's auch weniger Leistung tut, stehen der Cooper mit 122 PS sowie ein Diesel-Modell mit 143 PS bereit. Letzterer ist mit einem Verbrauch von 4,5 Litern der sparsamste Vertreter in der Modellpalette.

Statt Pseudo-Rückbank gibt's mehr Kofferraum

Vom Verdeck abgesehen ist der Mini Roadster übrigens ein vergleichsweise praktisches und ehrliches Auto. Denn anders als das Cabrio gaukelt er im Fond erst gar keine Sitzplätze vor, auf denen am Ende doch keiner hocken kann. Und während man beim normalen Mini Cabrio bereits mit einer kleinen Reisetasche an die Grenzen der Transportkapazitäten stößt, schluckt der Roadster offen wie geschlossen 240 Liter Ladevolumen. Und das Gepäckabteil lässt sich dank einer Durchreiche auch von innen gut erreichen.

Der Roadster wird damit nicht nur zur Alternative zum unkonventionellen Renault Wind, sondern vor allem zum schärfsten Widersacher des hauseigenen Cabrio-Modells. Das ist nämlich nicht nur weniger sportlich und schnittig, sondern obendrein auch noch ziemlich genau tausend Euro teurer.