Mitsubishi Colt CZ3: Tropfen-Kur - DER SPIEGEL
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Mitsubishi Colt CZ3 Tropfen-Kur

"Ohne DaimlerChrysler keinen Colt und ohne Mitsubishi keinen Smart Forfour" hieß es noch im vergangenen Jahr bei der Vorstellung des neuen Colt-Fünftürers. Inzwischen ist die schwäbische "Welt AG" so gut wie raus aus dem Joint Venture, der Colt ist immer noch da. Und wird ab März durch einen Dreitürer ergänzt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"DaimlerChrysler-Effekt" nennt der neue Mitsubishi-Deutschland-Chef Thomas Kursch die Verunsicherung bei Händlern und Kunden. Entstanden sei sie durch den Verzicht des deutsch-amerikanischen Konzerns auf die geplante Kapitalerhöhung sowie die "widersprüchlichen und falschen Aussagen von den verschiedensten Seiten zur Zukunft der Marke". In Deutschland rutschten die Zulassungszahlen um 7,3 Prozent auf 33.536 Pkw in den Keller.

Doch kurioserweise machte sich dieser Effekt nur im deutschsprachigen Raum bemerkbar. Die Verkäufe in Gesamteuropa stiegen in 2004 um 8,6 Prozent auf 226.000 an. Deshalb blickt Kursch zuversichtlich in die Zukunft. "Für 2005 rechnen wir mit einer Steigerung von rund 15 Prozent." Auch ohne "DaimlerChrysler-Effekt" eine mutige Prognose, die sich im Wesentlichen auf ein komplettes Verkaufsjahr für den Colt mit allen fünf Motoren stützt. Und auf die dreitürige Variante, die ab 5. März beim Händler steht und 40 Prozent der Verkäufe ausmachen soll.

Trotz der vergleichbaren Tropfenform soll der CZ3 genannte Dreitürer mit seinem fünftürigen Modellgefährten bis auf die Motorhaube und den Frontstoßfänger keine Karosseriekomponente gemeinsam haben. Tatsächlich ist der 3,81 Meter lange Wagen bei identischem Radstand (2,50 Meter) sechs Zentimeter kürzer und drei Zentimeter niedriger als der Fünftürer. Auch die stärker geneigte Frontscheibe, deutlich ausgeprägteren Radhäuser und Seitenschweller sowie die Tropfenkontur der hinteren Seitenfenster und das gerundete Steilheck mit den horizontal angeordneten Rückleuchten geben dem Dreitürer eine dynamische Note.

Im Innenraum sind Drei- und Fünftürer nahezu identisch. Die gleiche übersichtliche Gestaltung des Cockpits, silberfarbene Schalter und Knöpfe und ein Dreispeichenlenkrad. Ebenso wie die so genannten transluzenten Instrumentenumrandungen und Konsolenstreben, deren milchige Plastikstruktur verdächtig den Schraubverschlüssen der Evian-Wasserflaschen ähnelt, die Mitsubishi für die Probefahrt in die beiden Cupholder darunter platziert hat. Nur dass die nicht in der Dunkelheit leuchten.

Hersteller:Mitsubishi
Typ:Colt CZ3 1,5 DI-D
Karosserie:Limousine
Motor:Dreizylinder-Turbodiesel
Hubraum:1.493 ccm
Leistung PS:95 PS
Leistung kW:70 kW
Drehmoment:210 Nm
Von 0 auf 100:9,9 Sek.
Höchstgeschw.:180 km/h
Verbrauch (ECE):4,8 Liter
CO2-Ausstoß:127 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:210 Liter
umgebaut:760 Liter
Preis:14.990 €

Identisch sind aber auch die komfortablen Platzverhältnisse und das großzügige Raumgefühl. Durch das immer noch hohe Dach genießen vier Erwachsene vorne wie hinten ausreichend Kopffreiheit. Für den alltäglichen Krimskrams gibt es zahlreiche Ablagemöglichkeiten, Cupholder in der Mittelkonsole sowie ein klimatisiertes Handschuhfach mit Stauraum für eine 1,5-Liter-Flasche. Auch die Rückbank ist in der Länge um 15 Zentimeter verschiebbar, so dass der Platz je nach Bedarf für Gepäck oder Passagiere genutzt werden kann. Auch wenn letztere trotz der etwas längeren Türen etwas mühsam nach hinten krabbeln müssen.

Doch der Dreitürer soll nach Mitsubishis Vorstellungen ohnehin das jüngere Publikum ansprechen. Das gilt vor allem für das sportliche Topmodell CZT, der zur Unterscheidung einen auffälligen Dachspoiler, modifizierte Stoßfänger und Frontgrill sowie 16-Zoll-Alufelgen trägt. Leder-Sportsitze mit Heizung, verstellbares Lederlenkrad, Klimaautomatik, gelochte Alu-Pedalerie sind ebenfalls an Bord. Mit seinem 150 PS (110 kW) starken Turbomotor unter der Haube beschleunigt er den knapp 1000 Kilogramm leichten Colt aus dem Stand in 8,0 Sekunden auf Tempo 100, und mit kernigem Sound geht es weiter bis zur Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h. Dabei liegt er dank des straff gespannten Fahrwerks sicher und satt auf der Straße, lässt dabei allerdings auch den Fahrer jederzeit wissen, welchen Bodenbelag die 16-Zöller gerade überrollen. Querfugen und Asphaltflicken gibt die Federung direkt an den Rücken weiter. Auch das sicher mehr etwas für die jüngere Fraktion.

Vorausgesetzt, sie hat fleißig dafür gespart. Denn das Topmodell hat mit 18.490 Euro auch einen Top-Preis. Immerhin ist die elektronische Schleuderbremse MASC (ESP) darin enthalten, die bei allen übrigen Motorisierungen 800 Euro Aufpreis kostet. Die beginnen bei 9990 Euro für das Basismodell mit 75 PS (55 kW)-Benziner. Möglich wurde der Kampfpreis allerdings nur durch den Verzicht auf die Zentralverriegelung, Klimaanlage und Gepäckraumabdeckung, die in allen weiteren Ausstattungen (ab 11.490 Euro) zur Serie gehören.

Ein Kompromissangebot für Vielfahrer ist der starke 1,5 DI-D mit 95 PS (70 kW), der für einen Dreizylinder-Diesel noch angenehm leise vor sich hin werkelt und dabei mit 4,8 Liter im Schnitt seinen Durst in Grenzen hält. Mit seinen 210 Newtonmeter Drehmoment entwickelt er einen vergleichbaren Schub wie das Topmodell. Im Stadtverkehr ist er damit jederzeit weit vorn. Erst ab Tempo 150 wandert die Tachonadel immer schwerfälliger bis zur Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Darüber hinaus wird der Diesel schon ab Verkaufsstart verfügbar sein, der Colt CZT soll erst im Mai zu den Händlern rollen.

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