Motorradunfälle: Der Gegner heißt Auto - DER SPIEGEL
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Motorradunfälle Der Gegner heißt Auto

Motorrad fahren - das bedeutet Spaß, aber auch Gefahr. Zwar sinken, so eine aktuelle Untersuchung, die Unfallzahlen. Von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Essen - Während Autofahrer kleine Unachtsamkeiten meist nur mit einem Blechschaden büßen, hat für Zweiradfahrer auch ein kleines Malheur in der Regel körperliche Folgen. Bei 98 Prozent aller Unfälle werden Motorradfahrer zumindest leicht verletzt, so eine neue Studie.

"Analyse der Motorradunfallsituation in Deutschland" heißt das Werk, das Reiner Brendicke und Elmar Forke vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen vorgestellt haben. Danach sieht die Unfallsituation für Motorradfahrer um einiges besser aus als noch vor zehn Jahren.

So waren 1990 in Deutschland rund 1,4 Millionen Motorräder zugelassen, die Zahl der verunglückten Fahrer lag bei 42.506. 1998 wurden knapp drei Millionen der motorisierten Zweiräder gezählt, die Zahl der Verunglückten betrug 39.575. Die Zahl der Getöteten sank im gleichen Zeitraum von 1059 auf 864.

Allerdings zeigt das Jahr 1998 nach Angaben der Autoren auch, welchen Einfluss das Wetter gerade auf die Motorradunfälle hat. Demnach galt der Sommer 1998 als verregnet und lockte deshalb weitaus weniger Zweiradfahrer auf die Straßen - im schöneren Sommer 1997 wurden 42.200 Verunglückte und 974 getötete Fahrer gezählt.

Anders als oft vermutet, ist hohes Tempo auf Landstraßen nicht die Unfallursache Nummer eins. Vielmehr sind zwei Drittel aller Motorradunfälle Kollisionen - Gegner ist in 75 Prozent aller Fälle ein Auto. Dabei liegt, so die Studie, die Schuld in 70 Prozent der Fälle nicht beim Zweiradfahrer.

45 Prozent der Motorradunfälle geschehen auf Kreuzungen - die Autobahn ist für die Zweiradfahrer dagegen der sicherste Platz. 63 Prozent der Unfälle passieren innerorts, 34 Prozent außerhalb von Ortschaften, nur drei Prozent auf Autobahnen. Anders sieht es beim Todesrisiko aus - 72 Prozent der tödlichen Unfälle ereignen sich außerhalb von Ortschaften.

Gerade wegen der hohen Zahl von Zusammenstößen zwischen Auto- und Motorradfahrern appellieren Experten an die Auto-Lenker, mehr auf die stärker gefährdeten Verkehrsteilnehmer zu achten. So empfiehlt die Deutsche Verkehrswacht (DVW) den Autofahrern, beim Linksabbiegen verstärkt auf entgegen kommende Motorräder zu achten.

Auf der anderen Seite müssen Motorradfahrer vorausschauend fahren. Für sie gilt laut DVW, an Kreuzungen, Einfahrten und Seitenstraßen besonders wachsam zu sein. Vorsicht ist auch bei blinkenden und langsamer werdenden Autos am Straßenrand oder an Bushaltestellen geboten - der Autofahrer könnte auf der Straße wenden und dabei den Zweiradfahrer übersehen.

Besonders wichtig ist für Motorradfahrer die richtige Kleidung. "Zur Ausrüstung gehört Schutzkleidung mit Protektoren sowie ein Helm nach der aktuellen Norm ECE 20/04", sagt Wolfgang Berke vom Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM) in Essen. Hundertprozentiger Schutz könne aber nicht erwartet werden. "Die Ausrüstung schützt vor Kopfverletzungen, Prellungen und Abschürfungen. Bei wirklich schweren Unfällen kann auch die beste Kleidung tödliche Verletzungen nicht verhindern." Ebenfalls sehr wichtig sei die regelmäßige Teilnahme an Fahrtrainings.

Hoffnung auf weiter sinkende Unfallzahlen macht den Experten die grundlegende Veränderung der Motorradszene. So werden die Motorradfahrer im Schnitt immer älter. Laut Unfallanalyse hat sich die Zahl der über 35-jährigen Fahrer von 1990 bis 1998 vervierfacht. Die Zahl der 21- bis 25-Jährigen sank dagegen um 31 Prozent.

Heiko Haupt