Motorräder Porentief schnell
Als Vorreiter der Abgasreinigung auf zwei Rädern gilt seit Jahren BMW. Schon 1991 brachten die Münchener das erste Motorrad mit Katalysator auf den Markt. Seit kurzem ist die gesäuberte Modellpalette komplett: Mit der neuen F 650 GS brachte BMW auch ein Einzylindermotorrad mit geregeltem Katalysator auf den Markt - als erster Hersteller der Welt, wie Sprecher Hans Sautter stolz verkündet.
"Auch bei uns wird verstärkt auf den Katalysator gesetzt", beteuert Honda-Sprecher Klaus Wilkniß. Allerdings werden vorerst nicht alle Modelle derartig ausgerüstet die Werkshallen verlassen. Hintergrund ist unter anderem der Preiswettbewerb: Laut Wilkniß verteuert der Katalysator ein Motorrad um 850 bis 1500 Mark - das wird bei Modellen der oberen Klassen vom Kunden eher akzeptiert als in den unteren Preisregionen. Allerdings will Honda noch im Sommer einen Roller der 125er-Klasse mit Viertakt-Motor und Katalysator auf den Markt bringen. Ab 2002 soll zudem kein Zweitaktmodell mehr im Angebot sein.
Dass sich die Hersteller so entspannt mit dem Thema beschäftigen können, liegt unter anderem an der Gesetzgebung. "Es gibt zwar seit Mitte 1999 neue Abgasgrenzwerte für Motorräder, aber die machen den Einsatz von Katalysatoren nicht unbedingt erforderlich", sagt Wolfgang Berke, Sprecher des Industrie-Verbandes Motorrad Deutschland (IVM) in Essen. "Bei der Definition der Abgasgrenzwerte für Motorräder ist man heute ungefähr da, wo man in Sachen Auto vor zehn Jahren war." Der Gesetzgeber habe das Thema Motorrad lange vernachlässigt - und damit eine Chance vertan. Erst im Jahr 2002 oder 2003 sei mit schärferen Werten zu rechnen, die dann vermutlich den Einsatz von Katalysatoren erforderlich machen könnten.
Bis dahin halten es viele Hersteller so wie Suzuki: "Bisher herrscht noch Unklarheit in Hinblick auf die gesetzlichen Vorschriften", sagt Sprecher Klaus Schmitt. "Wenn die Vorschriften klar sind, werden wir auch geregelte Katalysatoren anbieten." Zumindest hat das Tempo-300-Motorrad Hayebusa von Suzuki einen ungeregelten Katalysator.
Neben den geringen gesetzlichen Anforderungen gibt es aber noch andere Gründe für den Kat-Verzicht - vor allem die Kundenwünsche. "Von den Leuten wird der Katalysator nicht gefordert", sagt Schmitt. Mancher verbindet mit dem Abgasreiniger bis heute geringere Motorleistung und höheren Verbrauch. Welche Folgen das haben kann, musste Honda nach der Präsentation des sportlichen Kat-Motorrades CBR 900 RR erfahren. "Wir bekamen Anrufe von Motorradfahrern, die wissen wollten, wie man 'das Ding' wieder ausbaut", berichtet Wilkniß von Honda.
Hintergrund war vor allem die Angst vor der Leistungseinbuße - beim 140-PS-Motorrad CBR 900 RR beträgt sie laut Wilkniß gerade ein Kilowatt. Ohnehin bewegen sich mögliche Einbußen laut IVM-Sprecher Berke im Bereich der normalen Serienstreuung bei der Herstellung von Motoren. Und der mögliche Mehrverbrauch eines Kat-gereinigten Motors ist wahrlich kein Hinderungsgrund für den Einbau: "Das wirkt sich auf den Verbrauch gar nicht aus", sagt BMW-Sprecher Sautter. Als Voraussetzung dafür müsse der Motor allerdings für den Einsatz mit Katalysator entwickelt werden, mit Einspritzung und dazu gehöriger Motorelektronik.
Ohnehin scheinen nicht alle Kunden Angst vor Extrakosten oder PS-Schwund zu haben. "Als wir den Katalysator 1991 einführten, kostete er 850 Mark extra", sagt Sautter. Und die Kunden griffen zu: "50 bis 70 Prozent haben den Kat geordert." Das gilt allerdings vor allem für Deutschland, wo das Umweltbewusstsein stärker ausgeprägt ist als in vielen anderen Ländern. Aber in Zukunft, glaubt Sautter, wird sich die Technik auch international durchsetzen: "In einigen Jahren wird es wahrscheinlich nur noch Motorräder mit Katalysator geben."
Heiko Haupt