Nissan Almera 2.2 Di: Horch, was kommt von draußen rein! - DER SPIEGEL
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Nissan Almera 2.2 Di Horch, was kommt von draußen rein!

Er gehört zu den Autos, nach denen man sich nicht umdrehen würde. Doch genau dies scheint zu gefallen; mehr als 20.000 Exemplare des Nissan Almera wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft. Wir fuhren das Modell mit dem neuen Dieselmotor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Grunde stellt man sich so den Wagen für einen Zivilfahnder vor: unauffällig und ohne besondere äußere Merkmale. Und das muss ja nichts Schlechtes bedeuten. Denn weder wirkt der Nissan Almera heute auffallend modern, noch wird er in zehn Jahren ziemlich alt aussehen. Die Japaner an der Seite von Renault haben ihr Modell für die untere Mittelklasse im vergangenen Jahr erneuert.

Angesichts der gegenwärtigen Spritpreise stehen im Augenblick die Diesel-Varianten im Vordergrund, deshalb fuhren wir den viertürigen Stufenheck-Almera in der Motorisierung 2.2 Di. Unter der Haube des Autos sitzt der erste von Nissen konstruierte

Pkw-Direkteinspritzer-Turbodiesel. Ein Aggregat mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Vierventiltechnik und einer Leistung von 110 PS (81 kW) sowie einem maximalen Drehmoment von 238 Nm. Durch eine veränderte Achsübersetzung wurde der Antrieb einen Hauch agiler und flotter.

In den üblichen Maßzahlen ausgedrückt liest sich das so: Höchstgeschwindigkeit 187 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 in 11,5 Sekunden. Soweit keine Einwände, doch im Fahrbetrieb trübt sich das Bild. Denn der Selbstzünder geht rau und lauthals rappelnd ans Werk. Spätestens ab 3000 Touren dringt das Motorengeräusch aufdringlich in den Fahrzeuginnenraum. Es gibt in dieser Klasse zweifellos besser abgeschirmte Dieseltriebwerke.

Auch das Fünfganggetriebe gibt Anlass zur Kritik, denn als leichtgängig oder gar knackig kann man es keinesfalls bezeichnen. Allerdings ist die Abstimmung gut gewählt - das flotte Beschleunigen macht im Almera 2.2 Di richtig Spaß.

Hersteller:Nissan
Typ:Almera 2.2 Di Comfort
Karosserie:Limousine
Motor:Turbodiesel-Direkteinspritzer
Hubraum:2.184 ccm
Leistung PS:110 PS
Leistung kW:81 kW
Drehmoment:238 Nm
Von 0 auf 100:11,5 Sek.
Höchstgeschw.:187 km/h
Verbrauch (ECE):5,9 Liter
CO2-Ausstoß:156 g/km
Kofferraum:460 Liter
Versicherung (HP):18 €
Versicherung (TK):32 €
Versicherung (VK):19 €
Preis:17.890 €

Der Direkteinspritzer wird im spanischen Nissan-Werk Cuatro Vientos in der Nähe von Madrid gefertigt, die Endmontage der Almera-Modelle erfolgt im britischen Werk Sunderland. Überhaupt betont Nissan, dass es sich bei diesem Modell um eine europäische Entwicklung handelt, an dem zum Beispiel auch das Nissan-Designzentrum in Geretsried bei München beteiligt war.

Ordentliche Verhältnisse herrschen im Innenraum des Wagens. Das zweifarbige Armaturenbrett - oben dunkel, unten hell - wirkt aufgeräumt und kommt ohne unnötige Schnörkel daher. Einzig die dynamisch gestaltete Tastatur für die Audioanlage verliert durch ihr Design ein wenig an Übersichtlichkeit.

Ansonsten sind Möblierung und Gestaltung geprägt von nüchterner Funktionalität. Dennoch lassen einige Details die in dieser Klasse eigentlich nötige Sorgfalt vermissen. Die Sonnenblenden zum Beispiel sind so ein Fall.

Ohne Tadel dagegen die Raumausnutzung. Sowohl auf den vorderen als auch auf den hinteren Plätzen gibt es für durchschnittlich große Menschen ausreichend Bewegungsfreiheit. Auch die Ausstattung, unser Testfahrzeug war als "Comfort"-Variante ausstaffiert, kann sich sehen lassen. Es gibt drei Kopfstützen an der Fondsitzbank, elektrische Fensterheber vorne, elektrisch verstellbare Außenspiegel, reichlich Ablagemöglichkeiten, ein Gurt an der Rücksitzbank zum Festzurren von Tasche oder Aktenkoffer sowie einen Regenschirmhalter.

Zentralverriegelung, vollwertiges Reserverad, höhenverstellbares Lenkrad, ABS, Isofix-Kindersitzbefestigung, je zwei Front- und Seitenairbags, aktive Kopfstützen an den Vordersitzen und höhenverstellbarer Fahrersitz sind ohnehin ab Werk installiert.

Ein Blick in den Kofferraum zeigt: Er ist vollständig mit Teppich ausgelegt und auch ganz schön geräumig. 460 Liter passen unter die Heckklappe. Allerdings muss man beim Beladen aufpassen, denn die beiden Scharniere ragen beim Schließen des Deckels in den Laderaum. Es sind diese Dinge, die den rundweg guten Eindruck des Fahrzeugs trüben; das Gesamtpaket des Almera 2.2 Di ist dennoch durchaus stimmig.