Nissan Cube iPod auf Rädern
Wie bitte? Apple baut jetzt auch Autos? Nein, ganz so weit ist es noch nicht. Doch wie ein Mac-Mobil aussehen würde, wenn es denn einmal dazu kommen sollte, das kann man in den Straßen von Tokio längst sehen. Denn dort verkauft Nissan seit drei Jahren sehr erfolgreich das Kleinwagenmodell Cube, dessen puristische Form auf den ersten Blick die Assoziation zu den Design-Computern aus dem Hause Macintosh weckt.
Dabei wollten die Japaner gar nicht bei den Amerikanern abkupfern, sondern einfach nur eine maximale Raumausnutzung erreichen. Deshalb haben sie den Namen zum Programm gemacht, auf alle Rundungen verzichtet und mit dem Cube buchstäblich einen Würfel auf die Räder gestellt. Weil jedoch selbst eine minimalistische Grundform noch Raum für eine leise, aber wirkungsvolle Formensprache lässt, ist aus der Idee ein fahrendes Design-Bauklötzchen geworden, das in Japan Kultstatus bei der groß gewordenen Tamagotchi-Generation genießt. Dabei spricht der Cube die Jugend nicht nur mit seiner Form, sondern auch mit seinem Preis an. In Japan kostet das Auto umgerechnet weniger als 10.000 Euro.
Der 3,73 Meter lange, 1,67 Meter breite und 1,64 Meter hohe Cube steht auf der Plattform des auch hierzulande verfügbaren Nissan Micra. Anders aber als der feminine Kleinwagen bleibt der Cube aus allen möglichen Perspektiven ein nüchternes Auto. Statt sanfter Schwünge und scharfer Schnitte gibt es einen glatten, kantigen Kasten, der einem Lego-Bausatz entstammen könnte und vielleicht gerade deshalb so viel Beifall erntet. Gewürzt wird das Konzept mit großen Fensterflächen, die dank einer optischen Täuschung mit der versteckten C-Säule um den Wagen herumzulaufen scheinen.
Dazu kommt ein wirklich pfiffiger Innenraum. Zwar dominieren dort Plastikelemente in Grau, doch zumindest vom Prinzip her schlägt der Cube fast alle seiner potentiellen Wettbewerber. Denn dank der senkrechten Seitenwände und der kurzen Überhänge bietet der rollende Würfel mehr Platz als die anderen. Und dank einiger cleverer Details macht die Fahrt in ihm auch mehr Spaß.
So öffnen sich die Türen, sobald man sich mit dem Schlüssel in der Tasche dem Wagen nähert. Für Jacke oder Mantel gibt es einen massiven Kleiderhaken über den Sitztaschen, und selbst für eine Thermoskanne ist im Instrumententräger ein Fach reserviert. Außerdem lockt vorne endlich mal wieder eine durchgehende Sitzbank, auf der sich im Stau oder in der Warteschlange vor dem Drive-in-Schalter köstlich kuscheln lässt. Wer allerdings Distanz zum Nebenmann und festen Halt zur Seite sucht, kann als Abstandhalter eine breite Armlehne aus dem Rückenteil ausklappen.
Auch im Fond ist der Cube überraschend geräumig: Auf der verschiebbaren Rückbank findet nicht nur der Nachwuchs genügend Beinfreiheit. Und hinter die große Heckklappe, die sich wie die Tür eines Panzerschrankes zur Seite schwenken lässt, passt weit mehr als der Wochenendeinkauf.
Wem der Cube dennoch zu klein sein sollte, für den gibt es den Cube'3 (sprich: cube cubic), der 17 Zentimeter länger ausfällt. Dann passt auch noch eine dritte Sitzbank hinein, so dass man - kleinen Wuchs vorausgesetzt - sogar zu sechst auf Reisen gehen kann.
| Hersteller: | Nissan |
|---|---|
| Typ: | Cube |
| Karosserie: | Van/Kleinbus/Großraumlimousine |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.386 ccm |
| Leistung PS: | 98 PS |
| Leistung kW: | 72 kW |
| Drehmoment: | 136 Nm |
| Verbrauch (ECE): | 6,1 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 142 g/km |
| Kofferraum: | 460 Liter |
| Preis: | 10.000 € |
Zwar möchte man sich nicht vorstellen, welche Mühe der 98 PS starke Vierzylindermotor aus dem Micra samt dem Automatikgetriebe mit dem voll beladenen Quader hätte. Doch wenn der Cube nur mit zwei Leuten besetzt ist, lässt er sich ausgesprochen zügig durch die Innenstädte würfeln. Zumal er mit seinen weit außen platzierten 14-Zoll-Rädchen flink um die Ecken kurvt und lediglich 8,80 Meter für eine komplette Kehre benötigt. Selbst auf den hügeligen Landstraßen am Fuß des Mount Fuji macht der Kleine großen Eindruck. Auch falls es dort zum plötzlichen Wintereinbruch kommen sollte, müssen Kubisten nicht verzagen: Auf Wunsch liefert Nissan den Wagen mit Allradantrieb.
Obwohl der Cube schon oft auch die Begeisterung der Europäer geweckt hat, war ihm der Weg in den alten Kontinent bislang nicht vergönnt. Denn in der japanischen Version mit Rechtslenker, Automatikwählhebel am Lenkrad, billigem Plastik und der nach abendländischen Vorstellungen an der falschen Seite angeschlagenen Hecktüre sei der Wagen in Europa nicht verkäuflich, argumentierten die Bedenkenträger in der Zentrale in Paris bislang. Darüber hinaus, so die Skeptiker, würde sich ein Umbau zum Linkslenker wohl nicht rechnen.
Doch mittlerweile weht bei Nissan ein neuer Wind, so dass es vielleicht doch nicht mehr bis zum Start des nächsten Cube dauert, bevor der witzige Würfel auch durch Berlin oder Barcelona kullert. So standen auf der Tokio Motor Show auffällig viele europäische Vertriebsmanager um den Cube herum. Und der deutsche Nissan-Geschäftsführer Rainer Landwehr war von dem Auto so angetan, dass er ihn am liebsten gleich mit nach Hause genommen hätte. Jetzt denkt Landwehr über dem Import eines Einzelstücks nach, mit dem in Deutschland die Reaktionen von Händlern und möglichen Kunden getestet werden könnten.
Der Cube wäre nicht der erste Japaner, der als rechtsgelenkter Exot das Markenimage aufpoliert würde. Welch positiven Effekt solch ein exotisches Wägelchen haben kann, das hat zuletzt der winzige Nippon-Roadster Copen bewiesen, mit dem Daihatsu auf einen Schlag vom Nobody zum sympathischen Nebendarsteller im Cabriosegment aufgestiegen ist.