Opel Agila Die Seele von Rüsselsheim
"Selbst als Volumenhersteller kann man nicht alle Nischen besetzen", sagt Opel-Marketingchef Alain Visser. Doch zumindest bei den Vans wollen die Rüsselsheimer jede Lücke füllen. Visser: "Seit der ersten Generation des Zafira ist das Monocab so etwas wie die Seele von Opel." Kaum ein anderer Hersteller hat sich derart der Optimierung von Raum und Flexibilität verschrieben und kein anderer verkauft mehr dieser Ein-Raum-Fahrzeuge wie Opel - und das schon seit 2003. Damit das so bleibt, stellen die Hessen ihre Raumpatrouille gerade neu zusammen. Der Zafira wurde eben erst geliftet und im April startet die zweite Auflage des Minivans Agila. Außerdem präsentiert Opel auf dem Genfer Autosalon eine Studie des kommenden Meriva, der 2010 antreten wird.
"Damit tragen wir unser Verständnis von Flexibilität in die nächste Dimension", verspricht Visser und spielt auf die neuen "Flex Doors" an, mit denen Opel die automobile Zugangsordnung revolutionieren will. Nachdem die Hessen bei jeder Designstudie der letzten Jahre mit neuen Konzepten experimentierten, sollen beim nächsten Meriva die hinteren Türen tatsächlich entgegen der Fahrtrichtung anschlagen werden. Der Einstieg in den Fond werde dann sehr viel bequemer, heißt es. Wenn das Serienmodell nur halbwegs hält, was die Studie verspricht, wird zudem das Design wesentlich sportlicher als bislang.
Dass der rechte Winkel nicht unumstößlich ist, zeigt Opel schon jetzt mit der Neuauflage des Agila, der selbst intern als rollende Schuhschachtel verspottet wurde und plötzlich eine Renaissance als Charakterkopf feiert. Dass der um 20 Zentimeter auf 3,74 Meter gestreckte Wagen wie schon bislang von Suzuki kommt und ein Zwilling des neuen Suzuki Splash ist, sieht man ihm auf Anhieb an. Doch kann Designer Holger Weyer damit gut leben. "Die gesamte Frontmaske und das komplette Heck sind eigenständig und tragen unsere Handschrift", sagt er mit Blick auf unterschiedliche Hauben, Leuchten und Stoßfänger.
Im Innenraum sieht das schon etwas anders aus. Zwar hat Opel die frischeren Farben und die frecheren Stoffmuster, doch die Hardware ist typisch Suzuki. "Aber wollen Sie wirklich um einzelne Schalter streiten", fragt Baureihenchef Horst Bach. "Uns waren andere Sachen wichtiger." Dann spricht der Technikchef von der guten Sitzqualität, vom Kofferraum und von der Größe der Ablagen.
Atlas und Kinderwagen als Entwicklungshilfe
Damit dies so wurde, wie es jetzt ist, brachte Bach einen Straßenatlas und einen europäischen Kinderwagen ins japanische Entwicklungszentrum von Suzuki, um wichtige Anforderungen des europäischen Autoalltags zweifelsfrei zu prüfen. Wirklich schwer sei die Zusammenarbeit allerdings nicht gewesen. "Schließlich waren sich Opel und Suzuki bei 309 von 316 Entwicklungszielen auf Anhieb einig", sagt Bach. Selbst wenn es nicht so einfach gewesen wäre, hätte es zu einer Partnerschaft keine Alternative gegeben, heißt es bei Opel. "Denn in diesem Segment und mit diesen Stückzahlen kann man alleine kein Geld verdienen", sagt Visser.
Zum schnell gefundenen Entwicklungskonsens zwischen Opel und Suzuki zählten neben dem sympathischeren Design vor allem das spürbar bessere Fahrverhalten und die Motorpalette, zu der nun ein Dreizylinder- und ein Vierzylinder-Benziner mit 1,0 und 1,2 Litern Hubraum und 65 oder 86 PS sowie ein 75 PS starker 1,3-Liter-Dieselmotor gehören. Sie alle sind sparsame und brave Arbeiter - nicht mehr und nicht wengier. Mit 190 Nm ist dabei der Selbstzünder vor allem im Stadtverkehr noch die beste, aber leider auch die teuerste Wahl.
Als Fünfsitzer eine Zumutung, zu viert ok
Im Lastenheft war auch ein besseres Raumangebot festgelegt: Zwar ist der Agila als Fünfsitzer eine arge Zumutung, doch zu viert sitzt man überraschend bequem im Auto. Nur mit der viel gerühmten Flexibilität ist es beim Mini unter den Monocabs nicht weit her. Einzig die asymmetrisch geteilte Rückbank garantiert eine variable Raumaufteilung - und das auch nur in der besseren Ausstattungsvariante. Allerdings funktioniert das System denkbar einfach mit einem Handgriff und erzeugt einen ebenen Ladeboden, der Stauraum wächst von 225 auf 1050 Liter.
Dass es zu mehr - etwa einer verschiebbaren Rückbank - nicht gereicht hat, rechtfertigen die Entwickler mit dem hohen Preisdruck in diesem Segment, dem Opel sogar einen Teil der Sicherheitstechnik opferte. ABS und vier Airbags immerhin sind im Basismodell für plakative 9990 Euro ab Werk an Bord, doch kommen in der besseren Ausstattung nur Klimaanlage, Fensterheber und Zentralverriegelung dazu. Der Schleuderschutz ESP und Kopfairbags sind - anders als bei Suzuki - selbst in der Agila-Topversion aufpreispflichtig.