Opel Antara & Chevrolet Captiva: Ein Auto, zwei Modelle - DER SPIEGEL
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Opel Antara & Chevrolet Captiva: Das Doppel fürs Grobe

Opel Antara & Chevrolet Captiva Ein Auto, zwei Modelle

Geländewagen liegen weiterhin im Trend. Die General-Motors-Marken Opel und Chevrolet jedoch konnten mit den SUV-Zwillingen Antara und Captiva bislang kaum profitieren. Deshalb wurden beide Modelle nun gründlich überarbeitet. Die Tristesse im Innenraum bliebt trotzdem erhalten.
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SUV-Modelle gelten als nur bedingt sozialverträglich - trotzdem verkaufen sich Allradler prima. In der Mittelklasse zum Beispiel hat sich der SUV-Marktanteil in Westeuropa in den vergangenen fünf Jahren nahezu verdoppelt und liegt nun bei 4,2 Prozent. Kein Wunder also, dass in diesem Segment fast jeder Hersteller mitmischt.

Allerdings mit unterschiedlichem Erfolg: Der Opel Antara und der Chevrolet Captiva, die gemeinsam im GM-Imperium entwickelt wurden und seit 2006 vor allem auch gegeneinander antreten müssen, hatten gegen die Bestseller des Segments nie eine Chance. Zur Hälfte der Laufzeit wurden Beide nun überarbeitet und gehen ab März mit neuer Technik und neuen Preisen in den Handel. Für einen Chevorlet Captiva muss man dann mindestens 25.690 Euro bezahlen, für einen Opel Antara 26.780 Euro.

Während die Designer Zurückhaltung übten und beide Modelle nur feine Retuschen an Kühlergrill, Scheinwerfern und Rückleuchten erhielten, waren die Ingenieure ziemlich fleißig: Alle Motoren sind neu oder zumindest komplett überarbeitet, bieten nun mehr Leistung und zumeist weniger Verbrauch. Außerdem lassen sich fast alle Motoren mit Front- oder Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung sowie mit Schaltgetriebe oder Automatik (beide Räderwerke mit sechs Gängen) kombinieren. Zu modernen Spritspartechniken jedoch hat es nicht gereicht: Rekuperationsbremse oder Start-Stopp-Automatik sucht man vergebens.

Im Einstiegsmodell arbeitet bei beiden Marken ein 2,4 Liter großer Benziner, der nun auf 167 PS kommt, 190 km/h erreicht und in der Normrunde im Schnitt 8,8 Liter schluckt. Wichtiger ist der neue Dieselmotor mit 2,2 Litern Hubraum, der mit 163 oder 184 PS angeboten wird und in der sparsamsten Kombination einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 Liter aufweist.

Der stärkere Motor passt in Verbindung mit der neuen Automatik gut zum Fahrzeug - egal welches Markenlogo nun am Kühlergrill befestigt ist. Mit 400 Nm bietet die Maschine genug Durchzugsvermögen, um den Zweitonner flott in Fahrt zu bringen. Die Automatik schaltet entspannt, das Fahrwerk ist komfortabel, und mit knapp 200 km/h bleibt er immer noch so gelassen, dass ein Sechszylindermotor überflüssig ist. Konsequenterweise wurde bei Opel das V6-Aggregat aus dem Programm gestrichen; bei Chevrolet dagegen nicht. Im Sommer wird der 3-Liter-V6-Benziner mit Direkteinspritzung, 258 PS und einem Durchschnittsverbrauch von 10,5 Liter nachgereicht.

Nur den Chevrolet kann man auch mit sieben Sitzen haben

Während sich die beiden Zwillingsmodelle technisch kaum unterscheiden, treten im Innenraum durchaus Unterschiede auf. Das Ambiente ist zwar weitgehend identisch, und beide Modelle verfügen jetzt über eine elektrische Handbremse. Doch den Antara gibt es ausschließlich als Fünfsitzer, wohingegen man den Captiva auch mit sieben Plätzen bestellen kann. Das erhöht die Flexibilität und bringt mehr Ladevolumen: Voll besetzt schluckt das Chevrolet-Modell zwar nur noch 97 Liter, legt man aber die dritte Reihe um, gehen 477 Liter hinter die große Klappe, und als Zweisitzer fasst der Wagen bis zu 1577 Liter. Der ein paar Zentimeter kürzere Antara hat dagegen als Fünfsitzer lediglich 420 Liter Stauraum und lässt sich auf maximal 1420 Liter erweitern.

Chevrolet meldet Zufriedenheit mit dem bisherigen Verkauf des Captiva. Die Amerikaner, die für sich mit dem Modell Suburban von 1935 die Erfindung des SUV reklamieren, haben seit der Markteinführung des Captiva im Jahr 2006 in Europa rund 120.000 Exemplare des Typs abgesetzt. Bei Opel liegt die Sache anders: Die Hessen haben mit dem Vorgänger Frontera das Segment über viele Jahre dominiert, fahren nun aber unterhalb der Wahrnehmungsschwelle: 1226 Antara-Zulassungen für 2010 reichen nicht einmal für einen Platz unter den Top 10 der Geländewagen, und selbst der Chevrolet ist mit 3006 Zulassungen deutlich beliebter.

Ein Opel, der den neuen Opel-Ansprüchen nicht genügt

Das Problem ist dabei weniger der unterschiedliche Zuschnitt und die Beschränkung auf zwei Sitzreihen. Opel leidet darunter, dass beide Autos mit zweierlei Maß gemessen werden: Wo man Chevrolet bei dem in Korea entwickelten und gebauten Geländewagen das langweilige Grau und die lustlosen Kunststoffkonsolen durchgehen lässt, kreidet man dem Opel die lieblose Tristesse an. Nicht ganz zu unrecht: Erstens ist der Antara um rund rund 1100 Euro teurer als der vergleichbare Captiva. Und zweitens waren es ja die Opel-Strategen selbst, die eine Qualitätsoffensive ausriefen und neuen Maßstäben im Innenraum versprachen.

Vorerst halten die Rüsselsheimer treu zum Antara. "Dieses Wachstumssegment zu verlassen wäre sicher das falsche Signal", sagt ein Opel-Sprecher. Für Vertriebschef Alain Visser ist der Antara "ein Startsignal, mit dem wir uns im SUV-Segment zurückmelden". Nächstes Jahr soll ein kleiner SUV auf Basis des Corsa vorgestellt werden. Dieses Auto dürfte dann auch wieder ein "echter Opel" werden. Denn die Hoheit für die Entwicklung liegt nicht in Detroit oder Seoul, sondern in Rüsselsheim.

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