Opel Antara Spätes Comeback
Es geht doch. Zwar hat es etwas gedauert, doch jetzt gibt es bei Opel endlich wieder einen Geländewagen. Mit dem mindestens 26.850 Euro teuren Antara wollen die Hessen ab Dezember an den Erfolg des 2003 nach zwölf Jahren und knapp 300.000 Zulassungen eingestellten Frontera anknüpfen. Marketing-Chef Alain Visser wäre es nur recht, wenn der Neue in der alten Spur fahren würde der war schließlich fünf Jahre lang die Nummer eins seiner Klasse.
Doch einen echten Frontera-Nachfolger sieht er im Anatara nicht. Denn während Ersterer ein grobschlächtiger Geländegänger mit Leiterrahmen und konventionellem Allradantrieb war, nennt Visser den Neuen zeitgemäß ein Crossover-Fahrzeug: "Die Kunden wollen heute ein fahrdynamisches und komfortables Auto, das gleichzeitig den Look eines Offroaders bietet", sagt er. Zudem wollten sie "die Gewissheit, bei allen Bedingungen gut voranzukommen".
Diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen, war die Aufgabe von Projektleiter Wilhelm Reinheimer, der zu diesem Zweck ein bewährtes SUV-Rezept gewählt hat: Der Antara fährt mit selbsttragender Karosserie und einem elektronisch gesteuerten Allradantrieb vor. "Unter normalen Umständen fährt der Antara als Fronttriebler; nur bei Bedarf werden die Antriebskräfte bis zum Verhältnis 50:50 aufgeteilt", erläutert Reinheimer das gängige Prinzip, das Bauraum und Kraftstoff spart und im Gelände trotzdem mehr kann als die meisten je ausprobieren werden.
Die Designer haben den Crossover-Gedanken verinnerlicht und verschiedene Stile gemischt: So lassen wuchtige Stoßfänger und ein auffälliger Unterfahrschutz den Antara massiv und robust wirken, die Dachreling gibt ihm eine praktische Note, und die Kiemen in der Flanke oder das nach hinten abfallende Dach vermitteln einen sportlichen Eindruck. Dazu gibt es die üblichen Opel-Stilmerkmale von der Chromspange im Kühlergrill bis zur markanten Bügelfalte auf der Motorhaube. Auch innen haben die Designer einen guten Job gemacht und die aus Astra & Co. bekannten Formen variiert und weiterentwickelt.
Der Antara wirkt solide und vornehm, und vor allem die massiven Handgriffe laden förmlich ein zum kräftigen Zupacken. Die Platzverhältnisse sind vorne sehr ordentlich und auch hinten so, dass man mit vier Erwachsenen bequem auf Reisen gehen kann. Nur das Gepäckabteil ist enttäuschend. Denn erstens sind 370 Liter Laderaum zu wenig, und zweitens ist eine geteilt umklappbare Rückbank etwas zu simpel für eine Marke, die sonst so clevere Lösungen wie die Sitzsysteme in Zafira oder Meriva austüftelt. Immerhin, es gibt ein Befestigungssystem für Kleinteile im Gepäckraum und einen im Heck integrierten Fahrradträger.
Frei von Tadel bleibt das Fahrverhalten: Der 4,58 Meter kurze Wagen ist in der Stadt angenehm handlich, auf der Landstraße geht er sauber durch die Kurven, und auf der Autobahn zieht er ruhig und unbeirrt seine Bahn. Für den nötigen Schub sorgen zunächst zwei Benziner mit 140 und 227 PS sowie ein Dieselmotor mit 150 PS. Weil in den Prognosen Vissers fast neun von zehn Antara einen Selbstzünder bekommen, reicht Opel zur Preiskosmetik in ein paar Wochen noch einen zweiten, kleineren Diesel mit 127 PS Leistung nach. Für die erste Ausfahrt stand der grundsätzlich mit einer Automatik gekoppelte V6-Benziner zur Verfügung, der samt und seidig läuft und den Wagen flott in Fahrt bringt. Nur oben herum wird die Luft dünn, weil auf der Autobahn schon bei gut 200 km/h Schluss ist.
Zwar sieht der Antara aus wie ein Opel und fährt auch so. Doch ist er streng genommen ein Chevrolet. Denn gebaut wird der Wagen bei der koreanischen Schwester in Fernost, wo aus den gleichen Zutaten auch der Captiva einsteht. Ihn gibt es mit der Option auf sieben Sitze und vor allem auch mit reinem Frontantrieb. Weil zudem das Image ein anderes ist und die Ausstattung etwas ausgedünnt wurde, kostet die Captiva-Basisversion lediglich 22.490 Euro. Dass die Autos aber nicht direkt vergleichbar sind, ist unter anderem das Werk von Projektleiter Reinmann, der auf eine strikte Trennung geachtet hat: Von außen ist als einziges Gleichteil nur die Frontscheibe zu sehen. Und selbst den Geruch haben die Entwickler ins Lastenheft geschrieben. Im Antara schnuppert man daher dieselbe Note wie bei Autos aus Rüsselsheim.
Auch Marketing-Chef Visser ficht die Korea-Connection nicht an. "Eine Auslandsfertigung ist in diesem Segment ja nichts Besonderes", sagt er mit Verweis auf den BMW X5 aus den USA oder den VW Touareg aus der Slowakei. Und die Partnerschaften mit den anderen GM-Marken biete nur Vorteile. "Zum Beispiel können wir auch früher starten als andere europäische Volumenhersteller", rechtfertigt er den Schritt. Zwar kommt der Antara dennoch reichlich spät auf den boomenden SUV-Markt. Doch bleibt dem Opel-Modell gegenüber den kompakten SUV-Fahrzeugen von VW und Ford trotzdem mindestens ein Jahr Vorsprung.