Opel Astra: Der Blickfänger - DER SPIEGEL
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Opel Astra Der Blickfänger

Wann gab es zuletzt einen Opel, der die Blicke auf sich zog? Das ist schon eine Weile her. Bald könnte es wieder so weit sein. Dann rollt der neue Astra zu den Händlern. Bei der Fahrpräsentation - so etwas wie die Generalprobe für das Auto - drehten sich jedenfalls viele nach dem Wagen um.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aufatmen. Man kann spüren, wie die Verantwortlichen bei Opel in diesen Tagen aufatmen. Als ob eine Last von ihnen genommen würde. Denn jetzt lässt sich ohnehin nichts mehr ändern, jetzt hat sich die Maschinerie zur Markteinführung des neuen Astra in Bewegung gesetzt, des wichtigsten Modells der Marke. Noch ist zwar kein einziger Wagen verkauft, doch die ersten Reaktionen sind ermutigend. Mit dem neuen Astra wird Opel der Image-U-Turn wohl endgültig gelingen.

Das Auto signalisiert dem Publikum schon von weitem: Ich bin neu, ich bin selbstbewusst und vor allem - vergesst die Vorurteile, die ihr euch seit Jahren über Opel gebildet habt. Das wirklich entscheidende aber ist, dass der Astra dies nicht nur optisch verheißt, sondern auch tatsächlich einlöst. Mit einem erfrischend modernen Design, mit stimmiger Technik, mit erkennbar solider Verarbeitung. Der Werbeslogan für den neuen Astra greift sowohl die Vorurteile über die Marke Opel wie auch die Übereinstimmung von Schein und Sein des Autos auf. Er heißt: "Trauen Sie ihren Augen."

Man sieht also einen feschen Fünftürer mit großen Scheinwerfern vorn und hinten, mit breiten Chromleisten an Front- und Heckpartie, mit flott geschwungener Fenster- und Dachlinie und mit einem besonders auffällig und klar gegliederten Heck. Insgesamt wirkt der Astra stämmig und elegant, kraftvoll und sportlich. Chefdesigner Friedhelm Engler hat die Karosserie auf dem schmalen Grat zwischen braver Tradition und frechem Neustart prima ausbalanciert. Für den Innenraum gilt: Selten war ein Opel so praktisch und zugleich anmutig gestaltet. Allerdings haben es die Gestalter versäumt, ein oder zwei wirklich brauchbare Ablagen in der Armaturentafel oder der Mittelkonsole unterzubringen.

Ansonsten vermisst man kaum etwas. Die Basisversion - es gibt insgesamt fünf Ausstattungsvarianten - ist mit einem zweifach verstellbaren Lenkrad, elektrisch verstellbaren Ausßenspiegeln, ABS, ESP, Traktions- und Kurvenbremskontrolle, elektrischen Fensterhebern an den Vordertüren, Servolenkung und sechs Airbags bereits sehr ordentlich ausgestattet. Extras wie etwa mitlenkende Bi-Xenon Scheinwerfer (+ 1150 Euro), ein Reifendruck-Kontrollsystem (+ 200 Euro), ein Tempomat (+ 290 Euro) oder eine Klimaanlage (+ 1110 Euro) sind nur einige Beispiele aus der langen Liste der Sonderausstattungen.

Der Einstiegs-Astra, das Modell mit dem 1,4-Liter-Benziner (90 PS / 66 kW) kostet 15.200 Euro. Daneben gibt es drei weitere Benzinmotoren von 105 bis 170 PS (77 bis 125 kW) sowie zwei 1,7-Liter-Diesel mit 80 oder 100 PS (59 / 74 kW). Im Sommer werden der 2-Liter-Turbo-Topmotor mit 200 PS (147 kW) und ein 1,9-Liter-CDTI mit 150 PS (110 kW) folgen. Wir waren bei unserem ersten Kennenlernen des Astra mit einem Modell mit 1,6-Liter-Benziner unterwegs. Die 105-PS-Maschine legte eine erfreuliche Arbeitsauffassung an den Tag. So motorisiert ist der Astra kein sportliches, aber ein rundum harmonisches Auto. Der Durchschnittsverbrauch unseres Testautos, nach zügiger Fahrt über Landstraßen, ein Stück Autobahn und mit einigen Ortspassagen betrug übrigens 7,7 Liter.

Hersteller:Opel
Typ:Astra
Karosserie:Kompaktwagen
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.598 ccm
Leistung PS:105 PS
Leistung kW:77 kW
Drehmoment:150 Nm
Von 0 auf 100:12,3 Sek.
Höchstgeschw.:185 km/h
Verbrauch (ECE):6,6 Liter
CO2-Ausstoß:156 g/km
Kofferraum:380 Liter
umgebaut:1.270 Liter
Versicherung (HP):14 €
Versicherung (TK):15 €
Versicherung (VK):13 €
Preis:16.460 €

Im Vergleich zu Konkurrenzmodellen bietet der neue Opel nicht so sehr motorische Besonderheiten, als vielmehr ein erstaunlich gelungenes Fahrwerk. Die interne Maxime der Rüsselsheimer lautet, in drei Jahren die dynamischsten Fronttriebler Europas zu bauen. Und der Astra soll die erste Etappe auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel sein. Das IDS-Fahrwerk (Interaktives Dynamisches Fahrsystem) nutzt die Vernetzung von ABS, ESP und anderen Assistenzsystemen, um den Wagen satt und sicher in der Spur zu halten. Auf Wunsch und gegen Aufpreis kann dieses Fahrwerk weiter aufgerüstet werden: Einmal mit einem Sport-Schalter, der die Umstellung auf ein betont sportliches Ansprechen von Lenkung, Dämpfung und Gaspedal ermöglicht, zum anderen durch eine elektronische Dämpferregelung, die mehr als 300 Parameter dem jeweiligen Fahrzustand anpasst. Was beim Fahrer davon ankommt, ist der Eindruck eines ungeheuer präzisen und kontrollierten Fahrgefühls.

44.000 Astra-Modelle, so die Erwartungen von Opel, werden in diesem Jahr in Deutschland verkauft. Das ist aber erst der Anfang. Denn im Herbst startet das Kombimodell Astra Caravan, im nächsten Jahr folgt der betont sportlich gestylte Dreitürer und ein Cabrio-Coupé ist ebenfalls in der Entwicklung. Noch ist der Astra ein Blickfänger. Er könnte eine große Zukunft als Kundenfänger für Opel haben.