Opel Meriva: Minivan mit Luxusallüren - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Opel Meriva Minivan mit Luxusallüren

Flex-Space, Flex-Rail, Flex-Doors - bei der Entwicklung des neuen Opel Meriva durften sich die Wortschöpfer austoben. Mit dem Geflexe will die Marketingabteilung deutlich machen, dass der neue in Rüsselsheimer variabel ist - mehr als die meisten anderen Autos dieser Klasse.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Fotostrecke

Opel Meriva: Ein bisschen Rolls

Um die Vorzüge des neuen Meriva zu illustrieren, haben die Rüsselsheimer einen Rolls-Royce Phantom aufgetrieben. Was die zweite Generation des Minivans mit dem fast dreißig Mal teureren Luxusliner verbindet, sind die so genannten Portaltüren. Denn genau wie bei der britischen Luxuslimousine sind auch beim neuen Meriva die Fondtüren hinten angeschlagen. Und sie lassen sich - anders als etwa die Extraklappe des Mini Clubman - unabhängig von den vorderen Türen entgegen der Fahrtrichtung öffnen.

Den Vergleich zwischen Opel und Rolls-Royce hält Helmut Ruff, Chefingenieur des Meriva, für durchaus plausibel. "In beiden Autos hat die Rückbank einen überdurchschnittlich hohen Stellenwert", sagt er. Mit dem neuen Türsystem soll der kleine Opel vor allem Familien entgegen kommen. "Wer einen Meriva fährt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit kleine Kinder oder Enkel", zitiert Ruff aus der Marktforschung. Denen müsse man in den Sitz helfen, sie anschnallen und sie auch wieder heraus heben. All das gehe viel leichter, wenn man nicht erst um die Tür herumlaufen müsse.

Die Nachteile hinten angeschlagener Fondtüren haben die Entwickler zu eliminieren versucht. Weil es nach wie vor eine B-Säule gibt, lassen sich die hinteren Türen wie bereits erwähnt auch separat öffnen. Weil der Öffnungswinkel von Vorder- und Hintertür jeweils fast 90 Grad beträgt, ist der Innenraum tatsächlich bequem zugänglich. Und weil es einem stabilen Griff am Türpfosten gibt, an dem man sich nach vorne ziehen kann, gelingt das Aussteigen aus dem Fond sogar eleganter als beim Rolls-Royce.

Die Türen sind nicht das einzig flexible am Meriva. Das Flex-Space-Sitzsystem des Vorgängers wurde so weiter entwickelt, dass man den Mittelplatz der Rückbank nun noch leichter verschwinden lassen und so das Auto in einen Viersitzer verwandeln kann. Zudem verlaufen zwischen den Vordersitzen zwei Aluschienen, im Marketingsprech Flex-Rails genannt. In die lassen sich verschiedene Behälter - vom kleinen Becherhalter bis zur großen Staubox - einklinken und zwischen der ersten und der zweiten Sitzreihe in die passende Position schieben.

"Suicide doors" gab es schon beim Opel Kapitän

Bereits bekannt ist der Fahrradträger Flex-Fix, der mit einer Art Schublade unter dem Kofferraum hervor gezogen werden kann. "Hier lassen sich künftig nicht nur Fahrräder befördern", sagt Konzeptentwickler Frank Leopold, "sondern alles, was man nicht direkt im Auto haben möchte." Den nächsten Weihnachtsbaum oder Säcke mit Rindenmulch, zum Beispiel.

Weil so viel Flexibilität Raum braucht, ist der Meriva deutlich gewachsen. Die Höhe der Karosserie wurde zwar um einen Zentimeter verringert, doch bei nahezu unverändertem Radstand ist der Wagen um etwa 20 Zentimeter in die Länge gegangen; das sei auch den härteren Crashanforderungen geschuldet, berichten die Entwickler. Die Spurweite legte ebenfalls zu, um mehr als zehn Zentimeter, was die Innenraumbreite spürbar vergrößert. Länger als eine Mercedes A-Klasse und breiter als ein VW Golf Plus, zielt der Meriva nun nicht mehr nur in die Minivan-Klasse, sondern durchaus auch schon ins Segment der Kompakt-Vans.

Auch bei der Technik ist der Neue dem Opel Zafira ein wenig näher gekommen. "Der Meriva ist kein großer Opel Corsa mehr, sondern eher ein kleiner Zafira, der mit Komponenten aus Astra und Insignia ergänzt wurde", sagt Chefingenieur Ruff. Fahrwerk und Frontmodul etwa stammen von den größeren Modellen. Welche Motoren der Meriva erhalten wird, verrät Opel fünf Monate vor dem Verkaufsstart noch nicht. Nur so viel: Sechs Turbo-Triebwerke mit einer Leistungsspanne von 75 bis 145 PS sollen im Angebot sein.

Die Idee mit den Portaltüren ist übrigens nicht ganz neu. Wer aufmerksam durch die kleine Klassikersammlung am Stammsitz in Rüsselsheim geht, sieht derartige Türen auch schon bei einem Kadett aus den dreißiger Jahren und bei einem Admiral der ersten Nachkriegsjahre., "Auch beim Kapitän von 1950 hat Opel dieses Prinzip noch angewandt", sagt Ruff. Allerdings konnten die damaligen Fondtüren bei starkem Fahrtwind leicht auffliegen - 1961 wurde die im angelsächsischen Raum als "suicide door" berüchtigte Konstruktion daher sogar verboten. So etwas könne heute nicht mehr passieren, versichert Ruff. Denn Stähle und Schlösser seien mittlerweile viel stabiler, und zudem würden oberhalb der Schrittgeschwindigkeit die Fondtüren elektronisch verriegelt.