Opel Motorräder Das waren noch Zeiten
Die Ausstellung ist den Jahren 1901 bis 1930 gewidmet, einer Zeit, in der Opel unter anderem auch Motorräder baute. Der Fahrzeughersteller aus Rüsselsheim hatte 1886 die Fahrradproduktion aufgenommen, stieg 1899 in die Automobilfertigung ein und 1901 wurde das erste Motorrad auf die Räder gestellt. Als später auch Lkw und Omnibusse hinzukamen, war Opel einer der ersten Vollsortimenter des Individualverkehrs.
Beim Premieren-Motorrad handelte es sich im Prinzip um ein Fahrrad, in dessen Rahmen ein Eindreiviertel-PS-Viertakt-Einzylinder installiert war, der das Hinterrad per Riemen antrieb. Immerhin lief diese Maschine schon bis zu 40 km/h schnell, was auf den damaligen, noch unbefestigten Straßen durchaus zügig war. Ähnliche Modelle mit unterschiedlichen Motoren, darunter auch Zweizylinder-Aggregate mit bis zu 3,5 PS, folgten in kurzen Abständen.
Nach dem Ersten Weltkrieg bot Opel ein Motorrad an, dass in einer Herren- und einer Damenversion ausgeliefert wurde. Ungewöhnlich an diesem Fahrzeug war die Anordnung des Motors, eines 140-Kubik-Einzylinders mit 2 PS, der links neben dem Hinterrad saß. Das sah zwar komisch aus, hatte aber den Effekt, dass Fahrerin oder Fahrer des Vehikels von Ruß- und Ölnebeln verschont blieben. Mit diesem "Motorfahrrad" nahm Opel auch an Zweirad-Rennsportveranstaltungen teil, was zur Popularität des Modells beitrug.
Es folgten diverse andere Motorräder, doch allmählich zeichnete sich ab, dass die Opel-Geschäftsführung mehr und mehr auf den gewinnträchtigeren Automarkt drängte. Der Erfolg des auf einem Fließband gefertigen Pkw-Modells "Laubfrosch" drängte die Motorradproduktion zunehmend ins Abseits. Einmal allerdings machte ein Opel-Motorrad noch von sich reden: Es war dies die 1929 vorgestellte Opel Motoclub, ein Bike mit bulligem 500-Kubik-Einzylinder und einer Leistung von 16 oder 22 PS.
Die Maschine sah dank ihres Rahmens aus gepressten Stahlprofilen sehr futuristisch aus; dazu war sie mattsilbern lackiert und trug als farbliche Akzente rote Gummiteile einschließlich roter Reifen. Als sechs Fahrer mit Motoclub-Motorrädern von Rüsselsheim zur Weltausstellung nach Barcelona fuhren, hatte die Maschine endgültig Kultstatus erlangt. 6000 Exemplare des Motorrads wurden bei den von Opel aufgekauften sächsischen Elite Diamant Fahrzeugswerken gebaut, ehe die Weltwirtschaftskrise und die anschließende Übernahme der Adam Opel AG durch den amerikanischen Auto-Riesen General Motors die Motorradproduktion bei Opel unwiderruflich stoppte.
Die Ausstellung in Neckarsulm ist noch bis zum 17. Februar zu sehen.