Opel Signum: Wir können auch anders - DER SPIEGEL
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Opel Signum Wir können auch anders

Brav-biedere Durchschnittsautos, das war einmal. Opel schlägt ein erstaunliches Tempo bei der Präsentation frischer und ungewöhnlicher Fahrzeuge an. Auf den Mini-Van Meriva folgt jetzt das Modell Signum: Ein Wagen mit neuen Proportionen und einer bisher nicht gekannten Platzangebot für die Hinterbänkler.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Es macht wieder Spaß, mit Opel geht es aufwärts", frohlockt Vertriebsvorstand Uhland Burkart. "Der Signum ist ein wichtiger Beitrag zu unserer Neuausrichtung", erklärt Markenvorstand Alain Uyttenhoven und Vorstandschef Carl-Peter Forster fasst zusammen: "Wir beanspruchen einen Platz ganz oben."

Die Rüsselsheimer rasseln derzeit gewaltig. Der Grund ist ihr neues Topmodell, der Signum. Sobald der letzte Omega am 17. Juni vom Band gelaufen ist, avanciert der neue Wagen zum größten Auto im Opel-Angebot. Und zum Außergewöhnlichsten. Denn mit seinen gestreckten, Kombi-ähnlichen Proportionen bietet der Signum den geräumigsten, bequemsten und variabelsten Innenraum aller aktuellen Pkw-Modelle jenseits der Van-Klasse.

Vor allem Fondpassagiere werden den Signum lieben. Die beiden äußeren Einzelsitze lassen sich um jeweils 13 Zentimeter in Längsrichtung verschieben. Zudem können die Lehnen stufenlos bis zu 30 Grad nach hinten geneigt werden, was den Hinterbänkler eine entspannende Lümmel-Position ermöglicht. Der Mittelsitz kann in eine Armlehne mit Ablagefach und Getränkehaltern verwandelt werden - fertig ist der Viersitzer mit Langstrecken-Komfort. Ebenfalls clever gelöst ist die Einhandbedienung der Klappfunktion, mit der die Rücksitze so zusammengefaltet werden können, dass eine ebene, hübsch mit Teppich ausgekleidete Ladefläche (1410 Liter Stauraum) entsteht. Im Fond erreicht der Signum damit die Höchstpunktzahl.

Auch an anderen Stellen legt sich Opel mächtig ins Zeug. Bereits einige Wochen nach der Markteinführung am 9. Mai soll zum Beispiel das komplette Motorenangebot mit vier Benzinern (122 bis 211 PS/90 bis 155 kW) und drei Dieselmaschinen (100 bis 177 PS/ 74 bis 130 kW) verfügbar sein. Zur Serienausstattung gehören unter anderem ABS, ESP, elektrohydraulische Servolenkung, Traktionskontrolle, acht Airbags, elektrische Fensterheber vorne und hinten sowie - eine Premiere - aktive Kopfstützen an allen fünf Plätzen.

Hersteller:Opel
Typ:Signum
Karosserie:Kombi
Motor:V6-Benziner
Hubraum:3.175 ccm
Leistung PS:211 PS
Leistung kW:155 kW
Drehmoment:300 Nm
Von 0 auf 100:7,9 Sek.
Höchstgeschw.:237 km/h
Verbrauch (ECE):10,1 Liter
CO2-Ausstoß:239 g/km
Kofferraum:365 Liter
umgebaut:1.410 Liter
Versicherung (HP):19 €
Versicherung (TK):23 €
Versicherung (VK):22 €
Preis:27.700 €

"Es kommt nicht nur auf das Image an, es geht auch darum, bei den Innovationen vorn dabei zu sein", sagt Vertriebschef Burkart. Er meint damit nicht nur das Sitzkonzept in der zweiten Reihe, sondern zum Beispiel auch die Adaptive Forward Lightning (AFL) genannte Kombination aus mitlenkenden Bi-Xenon-Scheinwerfern und einem statischen Abbiegelicht. Dieses Extra kostet allerdings 1350 Euro Aufpreis. Ebenso kostenpflichtig sind Nebelscheinwerfer (140 Euro), Reifendruckkontrollsystem (200 Euro), Regensensor (130 Euro) oder der Travel Assistent (385 Euro), ein Modul, das anstelle des hinteren Mittelsitzes installiert werden kann und das Ablagefächer, Kühlbox, Getränkehalter, Halterunh für DVD-Spieler und Klapptische beinhaltet.

Insgesamt wirkt der Signum sehr durchdacht in seiner Einrichtung, stimmig und modern im Design und ausgewogen in seiner technischen Ausstattung. Auf den ersten Testkilometern im Wagen mit der V6-Topmotorisierung verhielt sich der Antrieb erwartungsgemäß souverän. Überraschender waren da schon das prima Handling und das rundum gute Fahrgefühl. Überraschend deshalb, weil der Radstand im Vergleich zum Opel Vectra, mit dem sich der Signum die Mehrzahl der Komponenten teilt, um 13 Zentimeter zunahm - bei gleichzeitigem Längenwachstum von lediglich vier Zentimetern.

Der Signum rollt mit hohen Erwartungen in die Verkaufsräume. Er soll das Image der Marke Opel aufpolieren. Er soll verlorenes Vertrauen wieder gewinnen. Er soll in Deutschland rund 35.000 Käufer pro Jahr finden. Rund 40 Prozent von ihnen, so prognostiziert Opel, werden so genannte "Eroberungen" sein - also Autofahrer, die von einem anderen Fabrikat zum Signum wechseln. "Vor allem wollen wir stärker in die Gruppe der Dienstwagenfahrer eindringen", gibt Vertriebschef Burkart den Kurs vor. Er hat die "User-Chooser" im Sinn. Das seien Leute im mittleren Management, die sich den Firmenwagen für den geschäftlichen und privaten Einsatz selbst aussuchen dürfen. Bislang greifen diese Herrschaften mit Vorliebe zu Modellen von Audi, BMW oder Mercedes. Doch die bieten keine Fahrzeuge in der Größenordnung zu Preisen ab 23.000 Euro. So gesehen hat Opel-Chef Forster mit seiner Wetterprognose womöglich recht: "Wir schaffen unseren eigenen Auto-Frühling."