Opel Vectra 2005: Hightech für alle - DER SPIEGEL
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Opel Vectra 2005 Hightech für alle

Mit maximalem Federungs- und Abrollkomfort durch die Kurven jagen, ohne dass den Mitfahrern im Fond übel wird - elektronische Fahrwerk-Regelsysteme bieten die meisten Hersteller nur für ihre teuren Oberklasse-Fahrzeuge an. Opel führt das IDS-Plus-System für alle erneuerten Mittelklasse-Modelle ein - für fast alle.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zwar bieten auch andere Hersteller elektronische Fahrwerk-Regelsysteme. Meistens jedoch nur für ihre teuren Oberklasse-Fahrzeuge. Bei Opel hingegen gebe es "keine kostspielige Technik um der Technik willen", sagt Vertriebsvorstand Uhland Burkart. "Wir führen Innovationen in das Modell ein, das gerade erneuert wird - ganz gleich, ob es Corsa oder Signum heißt." Wobei das nicht die ganze Wahrheit ist. Denn das IDS-Plus-System mit elektronischer Dämpferregelung ist zwar für alle vier Vectra-Karosserien, von Limousine, GTS, Signum bis zu Caravan, verfügbar. Aber es ist nur mit vier Motorkombinationen zu bekommen. In den beiden Sechszylindermodellen mit 3,2-Liter-Benziner und 3,0-Liter-Diesel gehört es zur Serie, mit dem 1.9-CDTI-Turbodiesel und dem 2,0-Liter-Turbo kostet es 690 Euro Aufpreis.

Dennoch, für Fahrwerksentwicklungschef Horst Bormann ist IDS (Interaktives Dynamisches Fahrsystem) Plus "der bezahlbare Einstieg in die intelligente Fahrwerkstechnik der Zukunft". Das Besondere gegenüber herkömmlichen Systemen ist die elektronische Dämpferregelung CDC sowie die integrierte Fahrwerkskontrolle ICC. Das CDC passt in Sekundenbruchteilen Federn und Dämpfer automatisch an die jeweiligen Straßenverhältnisse, die Fahrzeugbewegungen und die Fahrweise an. Mit dem Ziel, den Karosserieaufbau unabhängig von Fahr- und Straßenzustand möglichst stabil zu halten. Dieses Prinzip nennen die Fachleute "sky-hook", so als wäre das Auto quasi am Himmel aufgehängt. Oder "wie bei einem Luftkissenboot", erklärt Bormann, "das auf einem Luftpolster nahezu ohne Komforteinbuße über jede Oberfläche schweben könnte".

ICC wiederum funktioniert wie eine Informationszentrale, die diese Daten verarbeitet und sie mit den Sensoren und Steuergeräte aller übrigen elektronischen Helferchen wie ESP, ABS mit Kurvenbremskontrolle und Bremskraftverteilung, Bremsassistent, Traktionskontrolle TC sowie elektrohydraulischer Lenkung vernetzt. Die gewaltige elektronische Rechenleistung geschieht mithilfe der Canbus-Technologie, die den permanenten und wechselseitigen Informationsaustausch unter den Regelsystemen koordiniert - und das rund achtmal so schnell wie ISDN. Beispielsweise ermittelt das ESP den aktuellen Fahrbahnzustand wie Kurven oder Geradeausfahrt, Bremsen oder Beschleunigung und übermittelt diese Informationen an das Dämpfungssystem. CDC verändert einen Wimpernschlag später die Kennlinie der Stoßdämpfer so, dass die Wank- und Nickneigung der Karosserie eingeschränkt wird. Diese Daten werden wiederum dem Bremssystem mitgeteilt. Die ESP-Regelung reagiert dadurch später und sensibler.

Was in der Theorie so kompliziert klingt, funktioniert in der Praxis ganz einfach. Auf welligem Untergrund bleibt die Karosse ruhig, das Dämpfersystem bügelt Risse und Sprünge im Asphalt, Bodenwellen und Gullydeckel glatt. Bei schnellerer Fahrt mit rasch aufeinender folgenden Wechselkurven wird das Fahrwerk deutlich straffer und das Aufschaukeln der Karosse unterdrückt. Richtig sportlich wird's mit der zusätzlichen SportSwitch-Funktion. Ein Knopfdruck reicht, und Dämpferabstimmung und Lenkung werden härter, der Tritt aufs Gas wird spürbar giftiger, und bei der Automatik werden die Schaltpunkte nach oben gesetzt. Aber auch umgekehrt hilft das IDS-Plus-System. Auf losem und welligem Belag wie auch auf nasser Fahrbahn wird der Bremsweg messbar um rund fünf Prozent verkürzt. Was im wirklichen Leben über Sein oder Nichtsein entscheiden kann.

Hersteller:Opel
Typ:Vectra 2.0 Turbo
Karosserie:Limousine
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.998 ccm
Leistung PS:175 PS
Leistung kW:129 kW
Drehmoment:265 Nm
Von 0 auf 100:9,1 Sek.
Höchstgeschw.:230 km/h
Verbrauch (ECE):8,9 Liter
CO2-Ausstoß:211 g/km
Kraftstoff:Super
Preis:24.545 €

Neben dem IDS-Plus-Fahrwerk hat Opel die Vectra-Varianten zum neuen Modelljahr mit weiteren Goodies ausgestattet. Serienmäßig verfügen alle Modelle über ein adaptives Bremslicht, das bei starkem Bremsen heller leuchtet. Ein automatisches Abblendlicht, das sich selbst ein- und ausschaltet, wird optional zusammen mit weiteren Features in einem neuen Sicht-Paket angeboten.

Für den 150 PS starken 1,9 CDTI-Diesel ist ab September auch eine neu entwickelte Sechsgang-Automatik mit manueller Eingriffsmöglichkeit zum Aufpreis von 2000 Euro verfügbar. Außerdem wurde das Angebot an Infotainment-Systemen weiter ausgebaut, vom CD-Radio mit MP3-Player bis zum Multimedia-Terminal mit Telefon und Navigationssystem. Und schließlich gibt es in der Stufenheck-Limousine mit dem fünften Benzinmotor mit 1,6 Liter Hubraum und 100 PS (74 kW) ein neues Basismodell, das den Einstieg in die Vectra-Modellreihe unter 20.000 Euro ermöglicht. Geld sparen lässt sich auch mit den Editions-Sondermodellen für Caravan und Limousine, die zusätzlich zur Serienausstattung mit Klimaautomatik, CD-Radio, Lederlenkrad, dunkel getönte Frontscheinwerfer und Heckleuchten sowie Aluminium-Dekor-Applikationen im Innenraum und 16-Zoll-Leichtmetallräder mit Breitreifen gegenüber dem Basismodell einen Preisvorteil von 1100 Euro bieten sollen.