Opel Vectra GTS Der Breitensportler
In den nächsten fünf Jahren will Opel jedes Jahr mindestens zwei neue Modelle vorstellen. Gleich zu Beginn dieser Produktoffensive setzten die Rüsselsheimer ein Ausrufezeichen und fahren "das schnellste Opel-Serienmodell aller Zeiten" vor: den Vectra GTS. Die kursiven Ziffern der Tachoskala reichen bis 260, tatsächlich bringt es das Auto mit Top-Motorisierung auf eine Höchstgeschwindigkeit von 248 km/h.
Das ist beachtlich schnell für ein Mittelklassemodell, das durchaus zum Familienauto taugt, und Opel hofft, dass der GTS das zerknautschte Image strafft, mit dem sich die Marke derzeit herumschlagen muss.
Die Chancen stehen nicht schlecht. Zumal der Wagen weder progressiv oder gar aggressiv gestylt ist, aber eben auch nicht langweilig oder bieder. Im Gegenteil, der GTS steht fesch auf seinen 17-Zoll-Rädern.
Allerdings ist die Karosserie bis zur B-Säule identisch mit jener der Limousine, was zwei Probleme aufwirft: Erstens ist der GTS zumindest von vorne nur schwer vom "normalen" Vectra zu unterscheiden, und zweitens sieht das Auto nicht besonders schnittig aus. Eher wuchtig und massiv - ein Durchschnittskerl im Trainingsanzug. Denn immerhin gibt es eine etwas breitere Frontschürze und abgedunkelte Klarglasscheinwerfer.
Von der Seite gibt sich der GTS durch Schweller in Wagenfarbe, eine coupéartig abfallende Dachlinie und ein kleines Dreiecksfenster in der C-Säule zu erkennen. Die Dachform ist übrigens der Grund für eine eingeschränkte Kopffreiheit auf der Rücksitzbank, großgewachsene Passagiere müssen dort lümmeln, um nicht mit der Frisur anzustoßen. Am Heck schließlich gibt es wiederum getönte Leuchten, eine Spoilerlippe auf der großen Klappe und - im Falle des V6-Modells - zwei ovale Auspuff-Endrohre.
Während die Optik leicht bemüht wirkt, weil es eben schwierig ist, ein konventionelles Mittelklasse-Auto zum Modellathleten umzumodeln, wenn es so gut wie nichts kosten darf, überzeugen die Fahrleistungen. Erst einmal in Bewegung, zeigt der Vectra GTS, dass unter dem unauffälligen Sportdress eben doch stramme Muskeln stecken. Der 3,2-Liter-Sechszylinder ist ein toller Motor: Kraftvoll beschleunigt er das Auto, bietet dabei genug Reserven für Zwischenspurts und hört sich auch noch gut an. Nicht zu aufdringlich, aber auch nicht kleinlaut.
Wie der GTS den Vortrieb auf die Straße bringt, ist ebenfalls erstaunlich souverän. Die Entwickler haben das Fahrwerk des Vectra um zwei Zentimeter tiefer gelegt, die Abstimmung leicht verändert und die Lenkung direkter ausgelegt. In der Summe bedeutet dies eine wirklich hervorragende Straßenlage und ein sehr gutes Kurvengefühl.
Opel bietet die neue Speerspitze des Vectra-Angebots mit Fünfgang-Schaltgetriebe und Fünfstufen-Automatik an. Wir fuhren beide Varianten und würden den Handschalter vorziehen, weil sich das Getriebe flott bedienen lässt und die manuelle Gangwahl einfach besser zum sportlichen Fahren passt.
| Hersteller: | Opel |
|---|---|
| Typ: | Vectra GTS |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | V6-Benziner |
| Hubraum: | 3.175 ccm |
| Leistung PS: | 211 PS |
| Leistung kW: | 155 kW |
| Drehmoment: | 300 Nm |
| Von 0 auf 100: | 7,5 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 248 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 10,1 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 239 g/km |
| Kofferraum: | 500 Liter |
| umgebaut: | 1.360 Liter |
| Preis: | 27.450 € |
Andererseits bringt die Automatik einen Gewinn an Komfort, was auf längeren Strecken oder im Stadtverkehr durchaus angenehm ist. Ebenso angenehm ist die Ruhe, die im Vectra GTS herrscht. Auch bei hohen Geschwindigkeiten sind die Windgeräusche nur sehr dezent, was unter anderem am guten cW-Wert von 0,28 liegt.
Im Innenraum hat sich Opel Mühe gegeben, dennoch könnte das Interieur einen Schuss mehr Kreativität gut vertragen. Die Einrichtung sieht solide und aufgeräumt aus, und leider auch ein bisschen fad. Immerhin: Das Dreispeichen-Lenkrad liegt gut in der Hand (leider passen die klobigen Lenkstockhebel überhaupt nicht dazu), das Cockpit mit den vier chromumrandeten Rundinstrumenten erinnert an Sportwagen und die umlaufende, silberne Leiste an Armaturenbrett und allen vier Türen ist eine hübsche Idee. Allerdings schnürt dieses Designelement den Innenraum optisch ein wenig ein.
Serienmäßig ausgestattet ist der Vectra GTS mit ABS, Kurvenbremskontrolle CBC, elektronischer Bremskraftverteilung, Traktionskontrolle und abschaltbarem ESP. Dazu kommen sechs Airbags, wobei sie Kopfairbags bis nach hinten durchreichen. Zum Serienumfang gehören darüber hinaus Klimaanlage und Sportsitze.
Opel-Vertriebsvorstand Burkhart Uhland berichtete bei der GTS-Präsentation, dass die Kunden den neuen Marken-Slogan "Wir bauen ihr Auto" plötzlich wörtlich nehmen würden: "Die Leute bestellen tatsächlich immer öfter ein ganz spezielles Fahrzeug mit individuellem Zubehör. Das hat Opel in der Vergangenheit so nicht gekannt. Da wurden Autos von der Stange gekauft." Um auf die gestiegenen Ansprüche der Kundschaft zu reagieren, gibt es eine ellenlange Ausstattungsliste und drei sogenannte Optionspakete, die so klangvolle Namen tragen wie "Le Mans", "Silverstone" und "Daytona".
Der Vectra GTS soll am letzten Septemberwochenende zu den deutschen Händlern kommen. Im ersten vollen Verkaufsjahr 2003 wollen die Rüsselsheimer hierzulande 18.000 Modelle absetzen. Nicht alle mit dem dicken Motor, es gibt das Auto schließlich auch noch mit zwei Vierzylinder-Benzinern (122 und 147 PS/90 und 108 kW) und mit einem Turbodiesel-Direkteinspritzer (125 PS/92 kW).
Die Preise des GTS (ab 22.750 Euro) liegen rund 2500 Euro über jenen der vergleichbar ausgestatteten Limousine. Vertriebschef Uhland rechtfertigt dies durch "das Sportfahrwerk, die Karosserieänderungen und eine üppigere Grundausstattung". Auch zum Breitensport ist mitunter Hightech-Ausrüstung nötig.