Opel Zafira Der siebte Sitz
Die Idee zur neuen Autospezies Kompaktvan hatten andere. Doch Opel packte 1999 das Maximum in diesen neuen Pkw-Typ hinein: nämlich sieben Sitzplätze, von denen sich die beiden in der hintersten Reihe im Handumdrehen in den Laderaumboden falten ließen. Ein mechanisch-logistisches Meisterstück, das die Rüsselsheimer geschickt vermarkteten.
Obwohl das Zeitalter der Großfamilien längst vorbei ist und nur ein Bruchteil der Zafira-Fahrer am Samstagmorgen eine halbe Nachwuchs-Fußballmannschaft in den Nachbarort chauffieren muss, wozu sich der Kompaktvan von Opel zweifellos erstklassig eignet, obwohl also eigentlich kaum mehr Bedarf besteht für so ein Auto, wurde es ein großer Erfolg.
Bis heute verkaufte Opel nahezu zwei Millionen Zafira. 194.000 waren es allein im vergangenen Jahr in Europa, davon entfielen knapp 35.000 auf den deutschen Markt. Damit lag der Zafira in der Klasse der Kompaktvans allerdings nur noch auf Platz drei, hinter den Modellen VW Touran (73.000) und Mercedes B-Klasse (51.484). In diesem Jahr aber hofft Opel auf mindestens 40.000 verkaufte Exemplare. Der Grund für den Optimismus: Anfang Februar kommt das Auto mit frischer Optik und neuen Motoren zu den Händlern.
Die Retuschen an der Karosserie fallen, wie bei solchen sogenannten Facelifts üblich, nur bei genauerem Hinsehen auf. Mehr Chrom schmückt nun den Kühlergrill, die Partien unter den Frontscheinwerfern wurden eleganter modelliert und dann gibt es laut Opel noch eine "neue Seitenschwellerdefinition". Am Heck wiederum kennzeichnen neue Rückleuchten das überarbeitete Modell, das durch die dezenten Änderungen doch insgesamt stimmiger und harmonischer wirkt.
Das ist nicht wenig für ein Monocab, ein Fahrzeug, dessen äußere Form weder vorn noch hinten von Hauben gegliedert wird, sondern das ziemlich monolithisch und daher stets etwas plump und füllig auf den Rädern steht. Der neue Zafira kriegt den Spagat zwischen ansehnlichem Design und maximaler Raumausnutzung (bis zu 1820 Liter Gepäckraumvolumen) prima hin. Zumal die Idee mit den vier Dachfenstern und der durchgängigen Dachkonsole mit mehreren Staufächern immer noch überzeugend wirkt; allerdings kostet das Fach für die meisten Zafira-Varianten 1235 Euro Aufpreis.
Zehn Motoren für drei Kraftstoffe im Angebot
Außer einer langen Aufstellung mit aufpreispflichtigen Extras gibt es auch eine stattliche Auswahl an Motoren. Insgesamt zehn Triebwerksvarianten bietet Opel für den Zafira an: fünf Benziner, vier Dieselmotoren und ein CNG-Aggregat, das mit Erdgas läuft. Die Spannweite reicht vom umweltverträglichsten Siebensitzer mit einem CO2-Ausstoß von 138 Gramm pro Kilometer (Zafira CNG) bis zum schnellsten Van der Welt (Zafira OPC), dessen Zwei-Liter-Turbomotor 240 PS leistet, das Auto auf 231 Stundenkilometern beschleunigt und mit 230 Gramm CO2-Emission je Kilometer in der Öko-Wertung dennoch weit hinterher hinkt.
Ganz neu im Zafira-Motorenprogramm ist der 2,2-Liter-Benzin-Direkteinspritzer mit 150 PS, der mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder Viergang-Automatik (1400 Euro Aufpreis) verfügbar ist. Außerdem debütieren im Zafira zwei 1,7-Liter-Selbstzünder. Downsizing hieß in diesem Fall das Motto der Entwickler: Dank geringerem Hubraum sinkt der Verbrauch, aufgrund von Turboaufladung und Feintuning des Motors wurde jedoch die Leistung gesteigert. Den neuen 1,7-Liter-Diesel, der bereits in den Opel-Modellen Corsa, Meriva und Astra verschraubt wird, gibt es mit 110 oder 125 PS. Ein Rußpartikelfilter ist selbstverständlich und dass die kommende Euro-5-Abgasnorm erfüllt wird, versichern die Opel-Ingenieuere ebenso.
SPIEGEL ONLINE hatte bei einer ersten Ausfahrt zwischen Zürich und Appenzell die stärkere Variante unter der Haube. Und sowohl auf der Autobahn, als auch in steilen Serpentinen am Säntis-Massiv hinterließ die Maschine einen ebenso ruhigen wie kraftvollen Eindruck. Der Motor passt gut zum Auto jedenfalls so lange es nicht bis unters Dach vollgeladen ist. Und ein Durchschnittsverbrauch von 5,7 Liter, was 152 Gramm CO2 je Kilometer entspricht, geht auch in Ordnung.
Komfortabel und prima beherrschbar
Das Fahrgefühl im Zafira ist tadellos, die elektrohydraulische Lenkung vermittelt einen guten Kontakt zur Straße. Unebenheiten und Rillen wiederum bügelt das Fahrwerk komfortabel weg und sorgt in Kurven für eine straffe, stets gut beherrschbare Straßenlage. Serienmäßig sind zudem ESP, ABS, Kurvenbremskontrolle und Traktionskontrolle an Bord, um in kritischen Situationen einzugreifen.
Neu im Angebot ist eine Ausstattungsversion namens Innovation. Besonderheit der Variante ist das Bi-Xenon-Kurvenlicht, ein Extra, das bei allen anderen Versionen 1005 Euro extra kostet. Überhaupt, die Preise: Nach Opel-Angaben werden sie nach der Renovierung des Modells kaum verändert. Das günstigste Modell, der Zafira mit 115-PS-Benzinmotor, kostet ab 21.210 Euro. Die Diesel-Palette startet bei 23.720 Euro für den Typ 1.7 CDTI mit 110 PS.