Peugeot 1007 Diesel: Ali Baba zaubert nicht - DER SPIEGEL
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Peugeot 1007 Diesel Ali Baba zaubert nicht

Als Peugeot vor zwei Jahren den 1007 lancierte, rief jeder "Sesam öffne dich". Einen so kleinen Van mit so großen Schiebetüren gab es bis dahin nicht. Inzwischen ist Ali Baba entzaubert: Das Auto ist zu teuer, um erfolgreich zu sein. Ein Dieselmotor soll nun helfen.
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Es fällt schwer, das zuzugeben. Doch zufrieden sind die Peugeot-Manager nicht mit dem Absatz des 1007. Der winzige Van mit den gewaltigen Schiebetüren trat vor zwei Jahren an, um die Welt der Kleinwagen zu revolutionieren. Vorbei das Limbo-artige Geschlängel um die Türen in engen Parklücken, dazu eine prima Aussicht aus dem Auto, große Kopffreiheit und ein variabler Innenraum - der Erfolg des 3,73 Meter kurzen Viersitzers schien programmiert. Aber nach zwei Jahren sind lediglich zirka 100.000 Autos verkauft.

"Weniger, als wir erwartet hatten", gesteht ein Peugeot-Sprecher und rechtfertigt die enttäuschten Hoffnungen mit dem hohen Neuheitswert. "Mit dem 1007 haben wir ein neues Segment eröffnet", sagt er. Dann wirbt er für Geduld, denn es brauche eben Zeit, um ein ungewohntes Konzept am Markt durchzusetzen, ohne dabei auf einen Vorgänger bauen zu können. Und eine kleine Erfolgsmeldung gibt es dann doch: Immerhin 60 Prozent der 1007-Käufer sind sogenannte Eroberungs-Kunden, also Menschen, die dahin kein passendes Auto bei Peugeot gefunden hatten.

Das Auto ist vielen Kunden einfach zu teuer

Mag sein, dass diese Argumente in die richtige Richtung weisen. Doch den wahren Grund für die Kaufzurückhaltung hört man bei Peugeot allenfalls unter der Hand: Der Wagen ist zu teuer. Die elektrisch angetriebenen und mit einer Fernbedienung gesteuerten Schiebetüren treiben den Preis für den Kleinwagen beinahe auf das Niveau der Kompaktklasse. Sieht man vom abgespeckten Einstiegsmodell für 11.900 Euro ab, ist man mit rund 15.000 Euro dabei und könnte für das gleiche Geld auch schon fast einen Peugeot 307 bekommen.

Aber jetzt blüht wieder mal das zarte Pflänzchen Hoffnung. Denn zumindest auf einen Kritikpunkt können die Franzosen nun reagieren und den Freunden des Dieselmotors endlich ein adäquates Angebot machen. Als Alternative zum 1,4 Liter mit mageren 80 PS, der zudem nicht mit Rußpartikelfilter lieferbar war, gibt es künftig einen zweiten Selbstzünder mit mehr Leistung und saubererem Abgas. An der Spitze der Palette steht nämlich künftig der auch im Modell 207 verbaute 1,6-Liter mit 110 PS, der grundsätzlich als Nichtraucher ausgeliefert wird und deshalb keinen Feinstaubalarm fürchten muss. Ein schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt muss man auch wegen der höheren Leistung nicht haben. Während der kleine Diesel im Mittel 4,7 Liter verbraucht, ist der große mit 4,8 Litern zufrieden und stößt dabei 125 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Der Motor stemmt respektable 240 Nm an die Vorderräder. Bei Vollgas steigt das maximale Drehmoment sogar kurzfristig auf 260 Nm und lässt den Wagen so vehement voranstürmen, dass gerade in Spitzkehren das ESP gehörig zu tun hat. Versucht man es allerdings mit dem nötigen Feingefühl und findet zudem einen schnellen Weg durch die fünf Gänge, steht die Nadel in 10,6 Sekunden bei Tempo 100; ein Ende findet die Beschleunigung erst bei 185 km/h. Dass es nicht noch schneller geht, liegt am stattlichen Gewicht des Viersitzers, der rund 1350 Kilogramm auf die Waage bringt. Doch die schwere Konstruktion hat auch ihr Gutes: Sie sichert dem 1007 fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest.

Zum neuen Dieselmotor gibt's eine bessere Ausstattung

Parallel zum neuen Motor hat Peugeot auch die Ausstattungsoption auf den neusten Stand gebracht. Neben den sieben serienmäßigen Airbags und dem obligatorischen ESP gibt es jetzt gegen Aufpreis nicht nur das pfiffige Cameleo-Konzept mit den auswechselbaren Zierteilen, sondern auch ein CD-Radio mit MP3-Spieler und Bluetooth-Schnittstelle, eine Reifendruckkontrolle und einen Tempomat mit Limiter.

Nach wie vor unerreicht ist das Platzangebot. Wer zum ersten Mal fast aufrecht durch die 92 Zentimeter breiten Schiebetüren in den Wagen geglitten ist, fühlt sich auf den vorderen Plätzen so gut aufgehoben wie im großen Peugeot-Van 807. Und weil die Franzosen im Fond erst gar nicht versucht haben, drei Plätze unterzubringen, können auch Hinterbänkler nicht klagen – zumal die beiden Einzelsitze nicht nur umgeklappt, sondern auch um 23 Zentimeter in Längsrichtung verschoben werden können. Umgekehrt proportional zur Beinfreiheit variiert dabei das Gepäckvolumen von minimal 178 bis maximal 1048 Liter. Schade nur, dass man bei der hohen Ladekante schnell zum Gewichtheber wird.

Die Idee des 1007 hat bereits bei der Präsentation des Studie Sèsame auf dem Pariser Autosalon 2002 manche Konkurrenten inspiriert. In Japan wurden sogar vergleichbare Konzepte in Serie gebracht. Doch in Europa konnte sich die Schiebung als Erfolgsrezept bislang nicht durchsetzen. Zwar gab es angeblich bei vielen Zulieferern und manchen Herstellern entsprechende Studien, und auch Prototypen wurden schon gesichtet. Aber angesichts des bescheidenen Erfolgs des Vorreiters werden Nachahmer wohl noch auf sich warten lassen.