Peugeot 1007 Mit einem Ritsch ist alles weg
Peugeot setzt auf Schiebung als Erfolgsrezept und versucht einmal mehr, ein neuartiges Karosserie-Konzept zu etablieren. So, wie die Franzosen mit dem 206 CC das Cabriocoupé erschwinglich und damit populär gemacht haben, übertragen sie nun die elektrischen Schiebetüren aus Großraumlimousinen wie dem 807 auf den Westentaschen-Van 1007 - und lassen der Einfachheit halber die vorderen Klapptüren gleich ganz weg. Stattdessen gibt es zwei, gemessen am Fahrzeugformat, riesige Schotten, die unter lautem Surren elektrisch zur Seite gleiten und den Weg in beide Sitzreihen freigeben.
Über dieses "Sesam-öffne-dich"-Spiel ist zwar nach dem Messedebüt vor einem Jahr in Paris und vor allem nach den ersten Testpannen mit selbstöffnenden Türen in Waschanlagen schon viel gesagt und geschrieben worden. Aber von jetzt an können es alle ausprobieren: denn zu Preisen ab 13.650 Euro hat Peugeot gerade die ersten Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert. Sicherheitshalber aber mit einem Aufkleber, der vor der Fahrt durch die Waschstraße zum Gebrauch der Zentralverriegelung mahnt.
| Hersteller: | Peugeot |
|---|---|
| Typ: | 1007 |
| Karosserie: | Van/Kleinbus/Großraumlimousine |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.587 ccm |
| Leistung PS: | 109 PS |
| Leistung kW: | 80 kW |
| Drehmoment: | 147 Nm |
| Von 0 auf 100: | 12,6 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 190 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6,6 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 156 g/km |
| Kraftstoff: | Superbenzin |
| Kofferraum: | 178 Liter |
| umgebaut: | 1.048 Liter |
| Versicherung (HP): | 15 € |
| Versicherung (TK): | 18 € |
| Versicherung (VK): | 14 € |
| Preis: | 16.000 € |
Doch die neuen Türen sind nicht das einzige Detail des Franzosen, das möglicherweise einen neuen Trend initiiert. Auch das bislang einzigartige Caméléo-Konzept könnte Nachahmer finden. Damit kann der Innenraum des Wagens ganz ohne Werkzeug binnen weniger Minuten farblich den aktuellen Modetrends, der persönlichen Stimmung oder einfach dem neuen Lieblingskleid angepasst werden. Dafür hat Peugeot zunächst neun Pakete mit jeweils 18 Zierteilen und Bezugstücken geschnürt, die mit Reißverschlüssen an den Sitzen befestigt, mit Klettverschlüssen auf die Konsolen geklebt oder mit Clipverbindungen an die Bedienelemente gesteckt werden.
"Sie versetzen jeden Kunden in die Lage, seinen 1007 für 243 Euro innerhalb von weniger als zehn Minuten und ohne Werkzeug neu einzukleiden", schwärmt Peugeot-Geschäftsführer Oliver Veyrier. Und wenn der Nachwuchs beim Naschen hässliche Spuren hinterlässt oder im morgendlichen Tran mal der Kaffee überschwappt, macht sich der Peugeot in leicht abgewandelter Form den alten Zewa-Spruch zu Eigen: "Mit einem Ritsch ist alles weg." Einfach beim Händler zum Beispiel für 24,24 Euro einen neuen Bezug für die Rückenlehne des Sitzes gekauft, den Reißverschluss gezogen - und schon ist der Wagen wieder sauber. Spätestens am Ende der Nutzung sollte sich das auszahlen, vermutet Veyrier: "Willkommen wird der Wechsel zu einem neuen Caméléo-Kit beim Wiederverkauf des Autos sein."
Nicht ganz so sauber wie die Sitze sind die Motoren des 1007. Der Micro-Van ist derzeit das einzige Modell im Pkw-Programm der Franzosen, das mit einem Dieselmotor ohne Rußpartikelfilter angeboten wird - und Peugeot in Argumentationsnot bringt. "Das ist ein älterer Motor, für den in der Entwicklung noch kein Filter vorgesehen war", erklärt Veyrier und kündigt für das nächste Jahr den 1,6 Liter großen HDI-Motor mit 110 PS (81 kW) an, der dann serienmäßig als Nichtraucher ausgeliefert wird.
Dieser Motor würde dem 1007 auch unabhängig von der Partikeldiskussion schon jetzt gut stehen, denn der derzeitige Diesel ist etwas schwachbrüstig. Zwar soll der 1007 ein Stadt- und kein Sportwagen sein, doch wirkt die wegen ihrer Schiebetüren immerhin gut 1,2 Tonnen schwere Mücke auf bergigen Strecken so träge wie ein müder Elefant. Der große Benziner mit 109 PS (80 kW) hat zwar genügend Kraft, wird aber von der obligatorischen "2 Tronic" ausgebremst: Wie bei so vielen automatisierten Schaltgetrieben erfolgen auch dort die Gangwechsel mit langen Pausen. Dann gibt es an der Basis noch einen 1,4-Liter-Benziner mit 73 PS (54 kW) und in wenigen Wochen einen gleich großen 16-Ventiler, der mit 88 PS (65 kW) die Lücke schließt.
In der Großstadt jedoch reicht dem kleinen Franzosen die Puste allemal. Außerdem punktet der Charmebolzen dort mit einem knappen Wendekreis, der erhöhten Sitzposition und der guten Rundumsicht, die ihn zu einem designierten Sieger im Kampf um knappe Parklücken machen.
Auf den ersten Blick ist der 1007 ein kleiner Van wie viele andere auch: Der dezent gerundete Würfel mit Stummelschnauze und steilem Heck ist 3,73 Meter kurz, bietet aber mit 1,69 Meter Breite und 1,62 Meter Höhe mehr Kopf- und Schulterfreiheit als konventionelle Kleinwagen.
Doch spätestens beim Druck auf die Tasten der serienmäßigen Zentralverriegelung haben die Gemeinsamkeiten mit Modus, Meriva & Co ein Ende. Denn während dort allenfalls die Schlösser aufschnappen, gleiten beim 1007 binnen weniger Sekunden die riesigen Schiebetüren elektrisch zur Seite und machen den Weg frei für einen sehr bequemen Zustieg in die erste Reihe. Zwar müssen die Fondpassagiere noch immer nach hinten klettern, doch helfen dabei Sitze, die mit einem Handgriff nach vorne und danach wieder in die Ausgangsposition zurückgleiten.
Nach dem Prinzip "außen klein, innen groß" wartet der im Crashtest mit fünf Sternen bedachte Viersitzer mit einer weiteren Überraschung auf: Obwohl er zehn Zentimeter kürzer ausfällt als zum Beispiel der 206, bietet er mehr Platz und Variabilität als mancher Mittelklasse-Kombi. So können die beiden Einzelsitze im Fond um bis zu 23 Zentimeter in der Längsachse verschoben und die Neigung der Lehnen kann ebenfalls variiert werden. Außerdem lassen sie sich umklappen oder die ganzen Sitze nach vorne falten. Auf diese Weise wächst das Kofferraumvolumen peu à peu von 178 auf maximal 1048 Liter.
Weil der 1007 ein neues Konzept ist und die Franzosen auf die Reaktion der künftigen Besitzer gespannt sind, haben sie die ersten Kunden durchleuchtet. "Diese Daten halten einige Überraschungen bereit", sagt Geschäftsführer Veyrier. So ist Peugeot stolz, mit dem 1007 erstmals auch einen Großteil der Männer anzusprechen - sonst ungewöhnlich bei einem Kleinwagen. "Drei Viertel der Kunden sind Männer, was für uns ein sehr hoher Wert ist", sagt Veyrier.
Noch schöner ist für ihn die Eroberungsrate: "Etwa 70 Prozent der 1007-Käufer waren Kunden anderer Marken, vor allem von VW, Opel, Ford, Renault und Mercedes." Und anders als beim Sparmodell 107 geizen die auch nicht mit der Ausstattung, sondern bestellen eifrig CD-Radios, Einparkhilfen oder Alufelgen. Veyrier übersetzt das in Marketingdeutsch: "Damit beweist der 1007, dass mit einem Kleinwagen unterwegs zu sein in keiner Weise Verzicht bedeuten muss."