Peugeot 107: "Charmanter Kostenkiller" - DER SPIEGEL
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Peugeot 107 "Charmanter Kostenkiller"

Kurz, quirlig und auf Wunsch in Knallgelb: Das Nesthäkchen von Peugeot soll die Position der Franzosen auf dem wachsenden Kleinwagenmarkt festigen. Der Wagen bildet ein Dreigestirn mit Toyota Aygo und Citroën C1. Sein Vorteil: Er kann auf dem Erfolg des Vorgängermodells 106 aufbauen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Der Peugeot 107 ist kein Billigmodell, sondern ein charmanter Kostenkiller", sagt Thomas Schalberger, Sprecher von Peugeot Deutschland. Auf diese Unterscheidung legt er großen Wert, niemand soll das neue Wägelchen mit dem Dacia Logan in einen Topf werfen, nur weil der auch deutlich unter 10.000 Euro kostet. Schalberger: "Das Auto ist ein vollwertiger Pkw mit Platz für vier und vermittelt mit seinem verschmitzten Design eine eigene Individualität." Nun ja, genetisch ist der 107 sehr eng mit den Modellen Toyota Aygo und Citroën C1 verwandt. Die Auto-Drillinge werden in einer gemeinsamen Fabrik im tschechischen Kolin gebaut. 92 Prozent ihrer Bauteile sind identisch, schlauerweise aber handelt es sich bei den acht Prozent Exklusivteilen um jene, die das Design prägen.

So unterscheidet sich der Peugeot 107 durch die eigene Form der Frontpartie, Scheinwerfer, Motorhaube oder Rücklichter von seinen Geschwistern. Zudem gibt es zwei spezielle Lackfarben, die dem Modell vorbehalten sind: Citrus Gelb (Aufpreis 100 Euro) und Linarite Blau (Aufpreis 350 Euro). Der Einstiegspreis für das Modell 107 "Petit Fliou" (kleiner Gauner) liegt bei 8890 Euro. Dafür sind ABS, vier Airbags, elektrische Servolenkung, höhenverstellbares Lenkrad, umklappbare Rücksitzlehne sowie ein vollwertiges Ersatzrad im Kofferraum an Bord des 3,43 Meter kurzen Dreitürers.

Wer das Auto als Fünftürer fahren möchte, zahlt 450 Euro drauf. Wer statt eines "kleinen Gauners" einen normalen "Filou" ordert, muss 500 Euro zubuttern und erhält dafür ein Auto mit Isofix-Kindersitzbefestigungen im Fond, elektrischen Fensterhebern an den Vordertüren, Zentralverriegelung mit Fernbedienung sowie mit geteilter und umklappbarer Rücksitzlehne. Eine Klimaanlage kostet 900 Euro Aufpreis, durchgehende Kopfairbags 250 Euro und ein Drehzahlmesser 50 Euro.

Hersteller:Peugeot
Typ:107
Karosserie:Kleinwagen
Motor:Dreizylinder-Benziner
Hubraum:998 ccm
Leistung PS:68 PS
Leistung kW:50 kW
Drehmoment:93 Nm
Von 0 auf 100:13,7 Sek.
Höchstgeschw.:157 km/h
Verbrauch (ECE):4,6 Liter
CO2-Ausstoß:109 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Kofferraum:139 Liter
umgebaut:782 Liter
Versicherung (HP):14 €
Versicherung (TK):16 €
Versicherung (VK):11 €
Preis:8.890 €

Damit wäre die Ausstattungs- und Aufpreisliste fast vollständig referiert, und es bleibt der Eindruck, dass man mit dem Peugeot 107 ein ordentlich bestücktes Auto unter 10.000 Euro bekommen kann. Deshalb ist der Wagen noch lange nicht "Der neue Boss in der Stadt", wie die Peugeot-Werbung kühn behauptet. Denn dazu ist die Riege der neuen Knirpse einfach zu stark, als dass ein Typ wie der 107 alle anderen überholen könnte. Zumal der Standardmotor, ein 1-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 68 PS (50 kW) zwar munter schnurrt und das 865 Kilogramm schwere Auto in der Stadt zügig bewegt, aber beileibe kein Kraftmeier ist. Zudem rumort er auffällig laut in seinem schmalen Schacht unter der Haube.

Peugeot hat aber den Vorteil, dass die Marke - anders als etwa Toyota - auf eine gewachsene Kleinwagen-Kundschaft aufbauen kann. Zwischen 1991 und 2004 verkauften die Franzosen hierzulande 256.000 Exemplare ihres Modells 106. "Viele Kunden haben auf einen Nachfolger gewartet", sagt Schalberger und freut sich schon, denn ab 25. Juni wird der bei den Händlern stehen. "Wir erwarten noch etwa 5000 Verkäufe in diesem Jahr und im kommenden Jahr dann sollen es 12.000 Autos werden."

Damit das klappt, pocht Peugeot auf seine "Glaubwürdigkeit im Kleinwagensegement" und will eine "sehr breite Zielgruppe ansprechen". Während Toyota zum Beispiel seine Werbung für das Modell Aygo auf junges, urbanes Szenevolk abstellt, haben die Franzosen keine Zielgruppe, sondern eher eine Zielmasse im Blick. Schalberger: "Nicht nur die HipHop-Generation, sondern Kunden von 18 bis 80 kommen als Fahrer unseres charmanten kleinen Löwenbabys in Frage."

Menschen, die einen Begleiter durch die Wirrnisse des Großstadtverkehrs suchen, sind mit dem 107 gut bedient. Stop-and-go, Slalom durch Straßen voller Zweite-Reihe-Parkern, Parklückensuche oder Rangieren in Einfahrten, auf Parkplätzen oder in Tiefgaragen: In solchen Situationen liegt der kleine Peugeot dank seiner kompakten Karosserie und seines geringen Wendekreises (9,96 Meter) weit vorne. Außerdem fährt der Wagen sparsam und vergleichsweise umweltschonend, denn den durchschnittlichen CO2-Wert von 109 g/km unterbietet kaum ein anderes Auto.

Ab Januar nächsten Jahres wird Peugeot für den 107 eine automatisierte Kupplung namens "2-tronic" vorstellen, so dass sich das Wägelchen dann so ähnlich fährt wie mit einem Automatikgetriebe. Und Ende 2006 soll dann auch ESP für den 107 zur Verfügung stehen. Neuer Boss? Kleiner Gauner? Gelber Knirps? Für die meisten ist der Peugeot 107 wohl einfach doch ein "charmanter Kostenkiller".