Peugeot RCZ: Rasanz in weichen Linien
Peugeot RCZ Sieg der Designer
Boris Reinmöller ist nicht nur der einzige Deutsche im Designteam von Peugeot, er ist auch der gestalterische Vater des vielleicht wichtigsten Modells der Marke. Zwei Jahre nach dem Debüt der von ihm kreierten Studie bringt Peugeot jetzt als ersten Sportwagen der jüngeren Unternehmensgeschichte den RCZ auf die Straße. Flott designt, stark motorisiert und sportlich abgestimmt soll das vom Kompaktwagen 308 abgeleitete Coupé Peugeots biederes Image etwas beleben.
Anders als sonst bei derartig auffälligen Designstudien üblich wurde auf dem Weg zum Serienmodell kaum etwas von Frische des ursprünglichen Entwurfs geopfert. Reinmöller zu den Korrekturen: "Das Auspuff-Doppelendrohr ist aus der Mitte nach links gerückt, und die Motorhaube wurde wegen der Crashsicherheit etwas höher." Mehr nicht.
Viele Details sollen Peugeots neue Lust am Auto deutlich machen. Die aluminiumfarbenen Streben, die von der Motorhaube bis zum Heckdeckel laufen, die beiden Höcker, die dem dunkel getönten Glasdach über der Rückbank die Silhouette einer Kaffeebohne geben, die weit ausgestellten Kotflügel, der Knick vor den hinteren Seitenscheiben und die 19-Zoll-Räder, die beinahe die Radhäuser sprengen.
So wird das 4,29 Meter lange und 1,36 Meter hohe Coupé zu einem französischen Konkurrenten des Audi TT. Auch innen gibt sich der RCZ ähnlich sportlich wie weiland die Studie. Man schnallt sich fest in engen, aber bequemen Schalensitzen mit Löwen-Prägung auf dem Nackenpolster, die Finger streichen über feine Bezüge, die Hand ergreift ein dickes Sportlenkrad, und der Blick heftet sich auf ein schmuckes Kombiinstrument.
Ein Coupé, das kein reinrassiger Sportwagen sein will
Zwar ist der RCZ ein Sportwagen, doch hat Peugeot dennoch Bodenhaftung bewahrt. Das gilt nicht nur für den vergleichsweise bürgerlichen Grundpreis von 26.450 Euro, der gut 3000 Euro unter dem des Audi TT liegt, sondern auch für die Alltagstauglichkeit. Die beiden Plätze im Fond sind zwar Notsitze, die nur im Ernstfall für Erwachsene taugen, aber der Kofferraum fasst eindrucksvolle 321 Liter und kann durch Umlegen der Rückwand auf bis zu 639 Liter erweitert werden.
Obwohl der RCZ für Peugeot ein Nischenmodell ist und die nicht einmal 20.000 Fahrzeuge pro Jahr gar nicht im eigenen Haus, sondern bei Magna in Graz gefertigt werden, hat die französische Marke mit dem Coupé viel vor. Einen Roadster wird es zwar nicht geben, obwohl Reinmöller den Entwurf dafür bereits gezeichnet hat. Stattdessen laufen ernsthafte Planungen für eine Hybridversion, wie sie schon auf diversen Messen zu sehen war. Die elektrisch angetriebene Hinterachse würde nicht nur den Verbrauch des Dieselmotors mindern und den Vortrieb verstärken, sondern verschaffte dem Coupé auch einen Allradantrieb.
Prima Straßenlage, starkes Motorentrio
Wirklich nötig ist die zusätzliche Traktion allerdings nicht. Präziser und vor allem lustvoller als jeder andere Peugeot seit dem legendären 205 GTI lässt sich das Coupé über einsame Landstraße dirigieren. Mit breiterer Spur und vier Zentimeter tieferem Schwerpunkt als der Teilespender 308 gibt der RCZ den Racer. Die Lenkung direkt, die Federn stramm, die Bremsen bissig - so wird jede Kurve zum Genuss.
Besonders viel Spaß macht die eilige Landpartie mit dem stärkeren Benzinmotor, der ab Sommer zu haben sein wird. Er hat mit 200 PS und 275 Nm genügend Leistung für sehr kurze Überholmanöver, und das Fahrwerk des Modells wurde noch einmal direkter abgestimmt und mit einer zusätzlichen Strebe unter der Vorderachse stabiler ausgelegt.
Richtig Wumms liefert der Turbo erst bei hohen Drehzahlen
Für den echten Genuss muss man den Motor allerdings mit ordentlich Drehzahl bei Laune halten. Dann ist der RCZ bissig und aggressiv. Das hört man auch, denn die Akustiker pflanzten als Soundbrücke eigens eine Kunststoffröhre zwischen Ansaugtrakt und Innenraum, damit man die Spurts auch auf dem Trommelfell spürt. Wer dies auskostet, muss jedoch dafür zahlen. Während der Normverbrauch bei 6,9 Litern liegt, zeigt der Bordcomputer bei verschärfter Gangart mehr als das Doppelte - auch darin steht der RCZ also echten Sportlern in Nichts nach.
Für sparsamere Autofahrer gibt es noch zwei andere Maschinen: Im Basismodell kommt der 1,6-Liter-Benziner auf 156 PS und ist mit 6,7 Litern zufrieden, und einen Dieselmotor gibt es zum Preis ab 28.950 Euro auch. Er leistet 163 PS und verbraucht 5,3 Liter.
Wer nach der ersten Ausfahrt durch das Baskenland, wo der RCZ derzeit vorgestellt wird, noch nicht recht von den sportlichen Qualitäten des Autos überzeugt ist, den bittet Peugeot demnächst in die Eifel. Denn dort startet ein getuntes Modell sogar beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.