Porsche 911 Speedster: Gruß an die Vergangenheit
Porsche 911 Speedster Renner im Retro-Look
Einer geht noch: Obwohl Porsche mit Hochdruck an der neuen Generation des Sportwagen-Dauerbrenners 911 arbeitet, der auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt im Herbst nächsten Jahres debütieren wird, bringen die Schwaben noch einmal eine weitere Modellvariante des aktuellen Typs an den Start. Es ist die mittlerweile 18. Spielart des 911-Themas, und mit ihr lebt ein Name wieder auf, der eng mit der Legende Porsche verknüpft ist: Speedster.
Den ersten Speedster entwickelte Porsche 1953 auf Basis des Modells 356 als günstiges Einstiegsmodell für den US-Markt. Doch dann wurde der Zweisitzer von Hollywood als Spielmobil entdeckt, unter anderem auch von James Dean. Porsche stellte den Bau des Autos ein und wagte erst 33 Jahre später ein Comeback. Jetzt steht die mittlerweile vierte Speedster-Generation vor dem Verkaufsstart.
Das neue Auto folgt dem Motto sehr flach, sehr sportlich und sehr selten. Traditionell hat der Speedster eine um sechs Zentimeter niedrigere und stärker geneigte Frontscheibe. Entsprechend tiefer liegt auch das Verdeck, das ein bisschen aussieht wie eine Schiebermütze. Zudem ist der Heckdeckel flacher, dafür aber doppelt so groß im Vergleich zum konventionellen Cabrio. Es verfügt über die klassischen Höcker, überdeckt die beiden Rücksitze und schafft so Gepäcknischen. Zwar funktioniert sonst von den Fensterhebern bis zur Doppelkupplung im Speedster alles automatisch, doch beim Verdeck wird klassischer Purismus gepflegt - es wird von Hand geöffnet oder geschlossen.
Selten und schnell
Besonders sportlich ist der Speedster, weil Porsche auch am Motor gefeilt hat. Es bleibt beim 3,8 Liter großen Boxeraggregat aus dem Carrera S, das nun aber 408 statt 385 PS leistet. Der Sechszylinder entwickelt eine maximale Kraft von 420 Nm, dazu gibt es ein strammer abgestimmtes Fahrwerk mit reduzierter Bodenfreiheit. Der Wagen sprintet in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht maximal 305 km/h - mehr muss kein Sportwagen leisten.
Die Sache mit dem Seltenheitswert steuert Porsche über eine Kleinserienproduktion. Das Auto ist limitiert auf 356 Exemplare limitiert, eine Zahl, die für Porsche und den Speedster symbolische Bedeutung hat. Zwar beginnt der Verkauf erst im Dezember, doch hierzulande ist das Auto schon vergriffen. "Um die 70 für Deutschland reservierten Exemplare haben sich bereits mehr als hundert Kunden beworben", sagt Oliver Herting aus dem Unternehmensbereich Porsche Exklusive.
Manuelle Qualitätssicherung
Die Abteilung erfüllt seit nunmehr 25 Jahren Sonderwünsche zahlungsfähiger Kunden, die von goldenen Karosserieteilen bis zu kolibribunten Lederausstattungen in einer Flotte von Ministerautos für ein Emirat reichen. Immer wieder hat Porsche Exklusive auch Einzelstücke und Kleinserien gebaut - jetzt aktuell ist es der neue Speedster.
Imagemäßig soll das neue Auto an die fünfziger Jahre erinnern, tatsächlich jedoch handelt es sich um einen Technologieträger. Porsche-Sprecher Eckhard Eybl nennt als Beispiel das Verdeck. Beim ersten Speedster war die Dachkonstruktion noch ein Klappergestell, beim zweiten eine Art Zelt - jetzt handelt es sich um eine vollgasfeste Hightech-Haube. Weil die manuell bedient werden muss, war das Dach auch für die Qualitätssicherung eine Herausforderung. Wo sonst die Elektronik ein Autoleben im Zeitraffer simuliert, musste in diesem Fall ein Mitarbeiter viele tausend Mal mit dem Aludeckel, den Spriegeln und dem Zentralverschluss hantieren. "Und zwar nicht nur bei Raumtemperatur, sondern auch in der Klimakammer bei 0 und bei 75 Grad", berichtet Ingenieur Dominik Beierl.
Zum speziellen Verdeck erhält der Speedster die breiten Hinterbacken des Turbo- Modells, einen Sportauspuff, eine neue Frontschürze und als einziger der Baureihe 911 schwarze Ringe um die Scheinwerfer. Im Innenraum gibt es Leder satt: Nicht nur die Sitze mit eingenähter Zielflagge in Wagenfarbe, auch die Türtafeln, das Armaturenbrett und sogar die Lamellen der Lüftungsdüsen sind beledert.
Satter Aufschlag
Den Aufwand lässt sich Porsche stattlich bezahlen. Der Speedster kostet 201.682 Euro und ist damit fast 90.000 Euro teurer als das vergleichbare Serienmodell. Den Wagen gibt es übrigens nur in einer eher banalen Lackierung in weiß und im exklusiven Farbton "pur blau uni".
Porsche-Historie: Vollgas in jeder Beziehung
Der Speedster ist nicht der einzige aktuelle Retro-Porsche. Auch ein zweiter Klassiker aus Stuttgart feiert in diesen Monaten ein Comeback: der Targa von 1967, den Puristen unter anderem wegen des festen Überrollbügels verehren. Gebaut wird der Targa des Jahres 2010 vom Porsche-Veredler Ruf in Pfaffenhausen, der das Ruf Roadster genannte Modell auf Basis des 911 Cabrios baut und ab 232.050 Euro verkauft. Unter anderem verfügt das Auto über ein Karbonverdeck mit herausnehmbaren Dachhälften, einen fest stehenden Überrollbügel und eine Kunststoffheckscheibe, die sich öffnen lässt. Besonderer Clou: Auf Wunsch gibt es den Ruf Roadster ab 2011 auch mit Elektroantrieb.