Porsche Cayenne V6 Pfeffer am Polarkreis
Warm ist es an diesem Wintervormittag in Finnland. Milde 7 Grad minus, wo doch Temperaturen bis zu 40 Grad unter Null am Polarkreis die Normalität im Winter sind. Heute aber hängt Schnee in der Luft, der Himmel ist grau verhangen. Eine frische Puderschneedecke hat sich in der vergangenen Nacht über die Straßen, die zugefrorenen Seen und die mageren Tannenwälder gelegt - alles ist weiß, die Landschaft sieht aus wie das künstliche Winterpanorama einer Modelleisenbahn.
Da passt es, mit einem großen Spielzeug über Waldwege und einsame Landstraßen zu preschen. Mit Porsche am Polarkreis - im tiefverschneiten Norden, am Rande der finnischen Metropole Rovaniemi, präsentierte der Sportwagenhersteller jetzt das neue Einstiegsmodell seiner Geländewagen-Baureihe.
Beim kleinen Cayenne arbeiten, anders als bei den V8-Varianten, nur sechs Zylinder in V-Anordnung unter der Haube. Die allerdings erzeugen 250 PS (184 kW) bei 6000 Umdrehungen pro Minute, um das knapp 2,2 Tonnen schwere Offroad-Fahrzeug mit Porsche-Power zu bewegen. Dabei erwähnt man in Zuffenhausen nur im Nebensatz, dass das Herzstück des jüngsten Mitglieds der Porsche-Familie gar nicht aus dem eigenen Hause stammt: Das V6-Aggregat wird von VW geliefert, die den Motor bereits in ihr SUV-Modell Touareg einbauen.
"Porsche-Gene" eingepflanzt
Damit der Cayenne dem sportlichen Image seiner Marke gerecht wird und auf jeden Fall ein Stück kraftvoller als die Konkurrenz aus Wolfsburg unterwegs ist, wurde der Zuliefer-Motor ein wenig aufgemotzt. "Wir haben ihm Porsche-Gene eingepflanzt", sagt Andreas Jaksch, Leiter Antrieb in Zuffenhausen. Dank einer neuen Sauganlage könne der V6 jetzt "freier atmen". Und 30 PS (22 kW) mehr auf die Straße bringen als die Touareg-Version.
Und damit der Cayenne nicht wie ein Volkswagen klingt, wurde im Soundlabor am Motoren-Groove gefeilt. Antriebs-Entwickler Jaksch spricht von der "Kernkompetenz Akustik": Ein Porsche müsse eben klingen wie ein Porsche, "käftig und dominant". Allerdings bleibt sich die Sportwagenmarke auch in anderer Hinsicht treu: Während alle anderen Hersteller der sogenannten Sport Utility Vehicle (SUV) ein Diesel-Modell in der Palette haben, weigert sich Porsche noch immer, einen Wagen mit Selbstzünder und damit günstigeren Verbrauchswerten auf den Markt zu bringen.
"Es ist nicht nötig, dass wir uns Diesel-Kompetenz erarbeiten", sagt Porsche-Sprecher Jürgen Pippig. Denn das Geschäft läuft bislang bestens. Vor allem dank des vor einem Jahr eingeführten Cayenne stieg der Konzern-Umsatz im Geschäftsjahr 2002/03 um 14,9 Prozent auf 5,58 Millarden Euro. Porsche verkaufte 23 Prozent mehr Autos als im Jahr zuvor. Jetzt soll der Sechszylinder-Cayenne für weiteres Wachstum sorgen. An der Super-Plus-Zapfsäule gelingt das schon problemlos: 13,2 Liter verbraucht der neue Offroader im Durchschnitt.
Mit dem neuen Motor ist der Cayenne zwar deutlich zahmer in der Beschleunigung als die beiden stärkeren Versionen, von 0 auf 100 km/h braucht das Einstiegsmodell 9,1 statt 5,6 oder 6,8 Sekunden. An Hightech aber sparten die Ingenieure nicht: Ein "Porsche Traction Management" sorgt automatisch für die optimale Verteilung der Motorkraft je nach Straßen- oder Geländebeschaffenheit, ein neuer "Drive-Off Assistant" hilft an steilen Stellen und verhindert das Zurückrollen des Fahrzeugs am Hang. Dabei gibt es den Sechszylinder in zwei Varianten: mit manuellem Schaltgetriebe und mit Tiptronic-Schaltung.
Schlichte Schönheit bei guter Geländequalität
Von außen unterscheidet sich der schwächer motorisierte Offroad-Porsche kaum von seinen großen Geschwistern, dem Cayenne S und dem Cayenne Turbo. Die Karosserie ist die gleiche, lediglich einige Zierleisten wurden schwarz statt silber lackiert. Und am Heck steht in schlichter Schönschrift der Name Cayenne.
Bei der Testfahrt am Polarkreis bewies der manuell zu schaltende Cayenne ordentliche Geländequalitäten. Wobei der Ort der Präsentation clever gewählt war. Auf den verschneiten Straßen rund um Rovaniemi musste der Fuß immer vorsichtig am Gas bleiben. Voll ausfahren konnte man den kleinen SUV nicht, die für Porsche-Verhältnisse eher bescheidenere Motorisierung fiel somit nicht weiter auf.
Ein Gefühl von Ruhe und Sicherheit
| Hersteller: | Porsche |
|---|---|
| Typ: | Cayenne |
| Karosserie: | Geländewagen/Pickup/SUV |
| Motor: | V6-Benziner |
| Hubraum: | 3.189 ccm |
| Leistung PS: | 250 PS |
| Leistung kW: | 184 kW |
| Drehmoment: | 310 Nm |
| Von 0 auf 100: | 9,1 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 214 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 13,2 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 313 g/km |
| Kraftstoff: | Super |
| Kofferraum: | 540 Liter |
| umgebaut: | 1.770 Liter |
| Versicherung (HP): | 20 € |
| Versicherung (TK): | 37 € |
| Versicherung (VK): | 22 € |
| Preis: | 47.600 € |
Die stärkeren Modelle Turbo und S wurden seinerzeit noch im südlichen Spanien vorgestellt. Doch der Cayenne strahlt auch im Schnee Ruhe und Sicherheit aus. Fast zuviel. Schnell vergisst man, dass vereiste Straßen auch für den besten SUV zum Verhängnis werden können. Die Bremsen allerdings brachten das schwere Fahrzeug auf Schnee gut zum Stehen - eine Rentierfamilie, die knapp vorm Kühler plötzlich die Straße querte, wird es danken.
Auch auf verschiedenen Offroad-Parcours im eigens angemieteten Arctic Driving Center zeigte das Fahrzeug, was es im Gelände drauf hat. Wobei der Balance-Akt auf drei Rädern im Graben zwar beeindruckend ist und die entsprechende Differenzialsperren-Technik von den zahlungskräftigen Kunden gerne mitbezahlt wird, doch am Ende wird wohl kaum einer mit seinem knapp 47.600 Euro teuren Luxus-Gefährt über Stock und Stein holpern.