Range-Rover-Design Original verpackt
In einer Zeit, wo sogar Volks- und Sportwagen-Hersteller (VW Colorado und Porsche Cayenne) ins Gelände aufbrechen, war es für den britischen Gründervater der Nobel-Offroader "von entscheidender Bedeutung, dass der Wagen sofort als Range Rover erkannt wird", sagt Land-Rover-Vorstandschef Bob Dover. Für das Team von Chef-Designer Geoff Upex bestand also die Kunst darin, Klassik und Hightech geschickt und unauffällig miteinander zu verbinden.
Für das Remake erfanden die Designer ihren ganz eigenen Retro-Stil: Sie ließen einfach (fast) alles beim Alten. So stemmt sich der Luxus-Offroader nach wie vor mit massiver, senkrecht aufragende Frontpartie und schlichtem Kühlergrill gegen den Fahrtwind. Die rechteckige Karosserie-Grafik mit ihrem Winkelspiel aus horizontalen und vertikalen Linien, lässt auch bei der unter dem Kürzel "L322" entwickelten dritten Generation das Erbgut des Ur-Range erkennen, der vor mehr als 30 Jahren vorgestellt wurde. Ebenfalls charakteristisch: die mit Kronmuttern befestigte Motorhaube und die Horizontalteilung der Heckklappe.
Neuerungen fallen bei der Drittauflage der britischen Offroad-Legende erst auf den zweiten Blick ins Auge. Dazu zählen modifizierte Frontscheinwerfer und Heckleuchten sowie die metallenen Lüftungsschlitze an den vorderen Kotflügeln, die laut Land Rover nicht nur optische Spielerei, sondern "für die Motor-Luftzufuhr zuständig" sind. Erstmals fährt das Auto mit selbsttragender Karosserie und mit Einzelradaufhängung. Zudem werden eine extreme Verwindungssteifigkeit und nochmals gesteigerte Offroad-Fähigkeiten versprochen.
Bayerisches "Erbgut" sind die beiden angebotenen Motoren, die noch aus der BMW-Ära stammen. Es handelt sich um den 4,4-Liter-V8-Benziner und einen 3-Liter-Sechszylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung, die auch schon im BMW X5 Dienst tun.
Auch die Auswahl der zwölf Farbvarianten, selbst ihre Bezeichnungen, hätten die Designer auf den Charakter des noblen Geländewagens abgestimmt. Zur Markteinführung im Frühjahr 2002 werden ein Uni- und ein Perleffektlack (Chawton White, Java Black), sieben Metalleffekt-Töne (Monte Carlo, Oslo, Adriatic und Icelandic Blue, Giverny und Epsom Green, Alveston Red) sowie drei Metallicfarben (White Gold, Bonatti Grey und Zambezi Silver) angeboten. Diese Namensvielfalt solle den vielseitigen Charakter des Fahrzeugs unterstreichen, "denn der Range Rover ist in Monte Carlo und Epsom ebenso zu Haus ist wie in Island oder am Ufer des Sambesi."
Nicht nur beim äußeren Erscheinungsbild des Fahrzeugs gab sich das Designteam puristisch, auch im Innenraum herrscht Minimalismus feinster Machart. Dabei ließen sich die Gestalter von Produktgattungen wie High-End-Audioanlagen, Booten, Schmuck und Möbeln inspirieren und kombinierten diese mit Holz und Leder. Doch statt britischem Landlord-Barock mit angestaubtem Wurzelholz kamen diesmal helle, großzügig gemaserte Furniere zum Einsatz. Die Sitze sind mit Blendheim- oder Oxfordleder ausgestattet.
Akzentuiert wird das Ganze mit sportlichem Metall-Look. Deutlich zu sehen am vertikalen Instrumententräger, der sich wie eine Art technisches Regal vom übrigen Interieur abhebt. "Das Interieurdesign betont die Sonderstellung des neuen Range Rover und verbindet Luxus und Funktionalität mit dem Komfort moderner Luxuslimousinen", resümiert Bob Dover. Mode sei eine Frage der Nationalität, nicht aber die Wertschätzung wahrer Designqualität. Und immerhin soll der Range Rover in 124 Ländern zum Verkauf antreten.