Range Rover TDV8: Matsch more - DER SPIEGEL
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Range Rover TDV8 Matsch more

Jetzt ist es vorbei: Sechs Jahre nach der Trennung von BMW fliegt nun auch der letzte bayerische Motor aus dem Range Rover. Statt des schwachbrüstigen Sechszylinders gibt es ab Ende Oktober einen famosen V8-Diesel. Doch der Fortschritt muss teuer erkauft werden.
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Am Diesel führt in Europa kein Weg mehr vorbei. Gerade bei den großen und schweren Geländewagen kommen die Selbstzünder mittlerweile in vielen Ländern auf einen Marktanteil nahe 100 Prozent. Doch wenn dem Motor die Muskeln fehlen, wird es peinlich. Das hat auch Land Rover gemerkt. Weil sie mit dem altbackenen Sechszylinder aus der BMW-Ära keine Punkte mehr machen konnten, haben die Briten dem Range Rover jetzt, zur Mitte seines Lebenszyklus, einen neuen Dieselmotor spendiert. Und weil das Flaggschiff als "Mutter aller luxuriösen Geländewagen" natürlich etwas Besonderes ist, bekommt er auch einen besonderen Antrieb.

"Wir haben nicht einfach den V6-Diesel aus dem Discovery übernommen, sondern auf dieser Basis ganz speziell für den Range einen eigenen V8 entwickelt", sagt Baureihenchef Paul Walker und rattert stolz die Zahlen herunter, mit denen er den Fortschritt untermauert. "54 Prozent mehr Leistung, 64 Prozent mehr Drehmoment, 32 Prozent mehr Beschleunigung, knapp 15 Prozent mehr Höchstgeschwindigkeit. Und das bei einem Verbrauch, der sich gegenüber dem Vorgänger um keinen Deut geändert hat." Das sind die Eckwerte, mit denen Produktmanager Finbar McFall künftig alte Kunden bei der Stange halten und neue erobern will. Schließlich sei der neue TDV8 "der stärkste und kultivierteste also rundherum beste Diesel, der je in einem Range Rover angeboten wurde".

Diesen Ritterschlag verdient sich der Lord fürs Grobe mit einem 3,6 Liter großen Achtzylinder, der stolze 272 PS leistet und mit gewaltigen 640 Nm antritt. Da stört es kaum, dass der Range Rover so windschnittig ist wie der Buckingham Palast und fast so viel wiegt wie ein Reiterstandbild im Park der Windsors. Feinfühlig dosiert von einer sechsstufigen Automatik und einem variablen Allradantrieb bringt der V8 den Wagen gehörig auf Trab. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, sprintet der 2,7-Tonner in neuneinhalb Sekunden auf Tempo 100. Und auf der Landstraße genügt ein leichter Tritt aufs Gaspedal, damit der Range leichtfüßig am Vordermann vorbeizieht.

Anders als mancher Wettbewerber ist er allerdings weniger Sprinter als Dauerläufer. Denn schon bei 200 Sachen fährt der Wagen sanft in den Begrenzer. "Unseren Kunden reicht das", sagt McFall. Außerdem haben sie nach seinen Erfahrungen mindestens noch zwei andere Autos in der Garage, von denen viele schneller sind. Sieht man einmal vom niedrigen Tempo ab, ist der Diesel der bessere Benziner. Das glaubt auch Entwickler Walker und befürchtet deshalb gefährliche Verwechslungen. Als Schutz für Schussel an der Zapfsäule hat sein Team deshalb sogar einen speziellen Tankstutzen entwickelt, der sich beim Einführen der falschen Zapfpistole automatisch schließt und kein Benzin in den Dieseltank lässt.

"Terrain Response System" für ungeübte Geländefahrer

Zum neuen Motor gibt es für alle Modelle auch ein paar neue elektronische Helfer. So erspart die elektronische Parkbremse nun den körperlichen Krafteinsatz, und das von Discovery und Range Rover Sport bekannte "Terrain Response System" stellt künftig auf Knopfdruck alle wichtigen Antriebsparameter auf den entsprechenden Unterrund ein. "Das macht es auch weniger geübten Fahrern leichter, den Range Rover dorthin zu bewegen, wo er sich zuhause fühlt: ins Gelände", sagt Walker.

Nachdem sie bereits im letzten Jahr das Karosseriedesign aufgefrischt haben und nun alle drei Motoren auf dem neuesten Stand sind, wurde auch der Innenraum noch einmal überarbeitet. Die Mittelkonsole wirkt jetzt aufgeräumter, die neuen Farben und Lacke steigern die Wertanmutung, und die Klimaanlage hat jetzt genügend Kraft und ausreichend Lüftungsdüsen, "damit es einem in der Arktis nicht zu kalt und in der Wüste nicht zu warm wird". Weil sie für all diese Maßnahmen ohnehin tief in die Struktur des Autos eingreifen mussten, haben die Entwickler gleich noch das Sicherheitspaket optimiert. So sind die Seitenairbags in die Lehnen der Sitze gerückt, unter dem Lenkrad schützt jetzt ein weiterer Prallsack die Knie des Fahrers, und gegen das Schleudertrauma nach einem Heckaufprall gibt es nun aktive Kopfstützen.

Der deutsche Landrover-Chef Jeffrey Scott ist überzeugt: "In manchen Einzeldisziplinen mögen andere Geländewagen gleich gut oder vielleicht sogar besser sein als der aktuelle Range Rover. Doch in der Summe seiner Eigenschaften ist er spätestens jetzt der beste Luxus-Offroader am Markt." Ob das wahr ist, muss jeder für sich entscheiden. Dabei sollte er aber auch den Preis bedenken, der mit dem neuen Modelljahr um runde 10.000 Euro gestiegen ist. Weil der Diesel nicht nur der beste, sondern auch der günstigste Motor ist, werden nun für den Einstieg ins britische Oberhaus stolze 74.900 Euro fällig.

"Die Kunden scheint das kaum zu stören", berichtet Produktmanager McFall. "Je teurer der Range ist, desto begehrter wird er." Gerade der Supercharger - das Modell mit aufgeladenem V8-Benziner mit 396 PS - sei weltweit so beliebt, dass die Briten kaum mit der Produktion nachkommen.