Renault Espace: Das große Stühlerücken - DER SPIEGEL
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Renault Espace Das große Stühlerücken

Wenn es um Großraumlimousinen geht, hat Renault in Europa die Nase vorn. Das Modell Espace wird seit 1984 gebaut, mehr als 1,1 Millionen Exemplare liefen bislang vom Band. Ab diesem Wochenende tritt die aktualisierte, vierte Generation des Familienautos an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Werden Automodelle in der Mitte ihres Lebenszyklus ein wenig aufgehübscht, spricht man in der Branche von einem Facelift. Das stand nun, nach vier Jahren Bauzeit, auch für den Renault Espace an. Doch trifft der Begriff in diesem Fall kaum zu, denn das Gesicht des Wagens wurde kaum verändert. "Die Kunden mögen den Espace so, wie er ist", heißt es dazu bei Renault. Was die Kunden aber nicht mochten, war der hakelige Mechanismus, mit dem bislang die Einzelsitze aus ihren Befestigungsschienen herausgefummelt oder wieder hineingewurstelt werden mussten. Das Ärgernis wurde beim frischen Modell abgestellt.

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Renault Espace: Die Kunst der Raumaufteilung

Die Sitze müssen nun nicht mehr an einer bestimmten Position exakt in den Bodenleisten verankert werden, sondern können an jeder beliebigen Stelle der neuen "Vario-Schienen" eingesetzt werden. Was banal klingt, ist angesichts der 25 Kilogramm, die ein Espace-Sitz wiegt, eine deutliche Erleichterung beim Umbau des Autos vom Personen- zum Gepäckwagen oder umgekehrt. Serienmäßig wird der Espace übrigens als Fünfsitzer ausgeliefert, bis zu sieben Plätze können aber installiert werden. Pro Extrasitz werden 350 Euro fällig, wobei die Siebensitzer-Version nur mit nach hinten verlängerten Kopfairbags ausgeliefert wird, was weitere 300 Euro Aufpreis kostet.

Auch im Cockpit wurde der Espace leicht verändert. Die Mittelkonsole wurde neu gestaltet, es gibt nach wie vor reichlich Ablagefächer und ein zentral angeordnetes Instrumentenbord, in das nun auch der 7-Zoll-Farbmonitor des Navigationssystems integriert ist, das 2200 Euro extra kostet und mit einer Musikanlage inklusive CD-Wechsler und Bluetooth-Schnittstelle ausgerüstet ist. Eine Kleinigkeit aber wurde bei den Aufräumarbeiten übersehen: Der Lenkstockhebel für die Bedienung der Scheibenwischer sitzt exakt hinter der Fernbedienung für das Radio sehr ungünstig.

Hersteller:Renault
Typ:Espace
Karosserie:Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum:1.995 ccm
Leistung PS:150 PS
Leistung kW:110 kW
Drehmoment:340 Nm
Von 0 auf 100:10,6 Sek.
Höchstgeschw.:194 km/h
Verbrauch (ECE):7,6 Liter
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:291 Liter
umgebaut:2.860 Liter
Versicherung (HP):16 €
Versicherung (TK):23 €
Versicherung (VK):21 €
Preis:32.550 €

Aus dem Motorraum gibt es übrigens auch Neues zu berichten. Ein neuer Dieselmotor wird ab sofort für den Espace angeboten, und zwar in zwei Leistungsstufen. Der 2-Liter-Vierzylinder mit Commonrail-Einspritzung, Vierventiltechnik und Turbolader leistet 150 oder 173 PS (110 oder 127 kW) und wird serienmäßig mit Rußpartikelfilter ausgeliefert. Wir fuhren ein Auto mit dem 150-PS-Selbstzünder, der mutmaßlich der meistverkaufte Motor im neuen Espace werden wird. Das ist ok, denn die Maschine baut ausreichend Druck auf, läuft leise und durchaus geschmeidig. Renault gibt den Durchschnittsverbrauch mit 7,6 Liter Diesel je 100 Kilometer an, der Bordcomputer unseres Testautos vermeldete nach moderat gefahrenen 180 Kilometern einen Wert von 8,7 Liter.

Der Espace ist ein Auto für Menschen, die gerne in Gesellschaft unterwegs sind - warum sonst bräuchte man auch eine Großraumlimousine? Das Fahrgefühl hat nichts mit der oft übertriebenen Härte vieler aktueller Familienlimousinen zu tun. Es ist kommod und entspannt, wobei man sich als Fahrer die Lenkung etwas direkter wünscht. Ein Nachteil der hohen Variabilität im Fond ist übrigens der geringe Abstand zwischen Fahrzeugboden und Sitzfläche. Großgewachsene Passagiere hocken also mit stark angewinkelten Knien in Reihe zwei; Renault hilft immerhin beim Aussteigen: Es gibt große, stabile Griffe an den B-Säulen.

Was beim Espace nach wie vor beeindruckt, ist die Vielfalt. Es gibt zum Beispiel acht Motoren, drei Benziner und fünf Diesel. Dann kann der Wagen in zwei unterschiedlichen Formaten bestellt werden - als Espace mit 4,65 Meter und, für 1500 Euro Aufpreis, als Grand Espace mit 4,85 Meter Länge. Dazu kommen fünf Ausstattungsvarianten, vier Ausstattungspakete und eine Vielzahl an Optionen, wie allein das bereits erwähnte Beispiel Sitze zeigt. Grundsätzlich tritt jedes Modell mit sechs Airbags, ABS, ESP, CD-Musikanlage, elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, Klimaanlage, elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegen, Kofferraumabdeckung sowie einer Chipkarte anstelle eines Zündschlüssels an.

Im vergangenen Jahr belegte der Espace, von dem seit seinem Start vor 22 Jahren bislang insgesamt rund 170.000 Exemplare in Deutschland verkauft wurden, mit zirka 6500 abgesetzten Modellen den dritten Rang unter den Großraumlimousinen - hinter VW Sharan und Ford Galaxy. In diesem Jahr, mit dem jetzt renovierten Modell, erhoffen sich die Franzosen abermals 6500 Vertragsabschlüsse für den Espace. Mindestens zwei, vielleicht auch noch drei Jahre muss das aktuelle Modell durchhalten, ehe ein komplett neuer Nachfolger vorfährt. Dann aber auch mit einem ganz anderen Gesicht.