Renault Kangoo Be Bop Der Li-La-Laune-Laster
Trotz der Wirtschaftskrise muss man sich seinen Frohsinn bewahren - und der Renault Kangoo Be Bop könnte dafür das passende Auto sein. Abgeleitet vom Standard-Kangoo mit knapp 40 Zentimeter kürzerem Radstand gibt der insgesamt lediglich 3,87 Meter messende Viersitzer ab April das Lifestyle-Lasterchen. Gute Laune sollen das frische Farbkonzept und der neuartige Zuschnitt garantieren. Zudem ist der Viersitzer nicht nur geräumiger als manche Mittelklasse-Limousine, sondern auch luftiger als manches Cabrio.
Die Charme-Offensive des neuen Modells beginnt beim Design. Zwar haben die Franzosen die Grundzüge der Kangoo-Karosserie unverändert übernommen, doch die serienmäßige Zweifarblackierung, die schwarz eingefassten Scheinwerfer und besonders die auffällig gestauchte Statur lassen den Be Bop sehr viel freundlicher aussehen als den normalen Kangoo. Um noch als niedlich durchzugehen, ist der Wagen freilich zu voluminös; andererseits wirkt er aufgrund seiner wunderlichen Proportionen doch irgendwie sympathisch.
Auch im Innenraum setzt das Auto auf Farbakzente. Wo der normale Kangoo eine graue Maus ist, peppt Renault den Be Bop mit verschieden getönten Sitzpolstern sowie quietschfidelen Farben auf dem Armaturenbrett und den Konsolen auf. Zwar werden die Oberflächen dadurch nicht feiner, doch ist zumindest die optische Langeweile vertrieben.
Außerdem haben die Ingenieure die Bestuhlung geändert: Statt einer konventionellen Rückbank gibt es im Fond zwei Einzelsitze, die verschiebbar sind und verstellbare Lehnen haben. Weil der Mittelsitz eingespart wurde, kann man nun nicht nur von hinten einsteigen und zwischen den Einzelsitzen durchschlüpfen. Und jede Menge Kniefreiheit gibt es im Fond auch.
Der Clou des Be Bob ist allerdings die Dachkonstruktion. Die beiden Ausstellfenster über Fahrer- und Beifahrerplatz kennt man schon, und auch der gläserne Balken über der zweiten Sitzreihe ist nichts Neues. Doch dass man die hintere Dachhälfte mit zwei Handgriffen aufstellen und nach vorn schieben kann, das gibt es sonst bei keinem Auto. Wenn dann noch die Heckscheibe auf Knopfdruck in der breiten Klappe verschwindet, fühlt man sich im Fond des Be Bop wie in einem Cabrio.
Dem schlauen Ansatz fehlt der Feinschliff
Allerdings ist das Konzept des leicht ausgeflippten Kangoo nicht zu Ende gedacht: Öffnen und erst recht wieder schließen kann man das Dachelement nur mit Hilfe zweier fummeliger Fingernagel-Killer; und die elektrische Heckscheibe lässt sich nur von vorne aus bedienen. Zudem fehlen Haltegriffe und man vermisst die Sorgfalt bei der Materialauswahl. Und schließlich wird der Kofferraum von der ungewöhnlich dicken Tür zu einem schmalen Schlitz degradiert. Lediglich 214 Liter kann man bei voller Bestuhlung und maximaler Beinfreiheit noch hinter die Sitzlehnen quetschen. Erst wenn die Einzelsitze nach vorne geschoben, umklappt oder ganz ausbaut sind, wird aus dem Be Bop ein Lademeister mit 1,5 Kubikmetern Stauraum.
Das optische Leitmotiv des Wagens - man könnte vom Happy-Hippo-Prinzip sprechen - bleibt nicht auf die Formensprache beschränkt. An ein lustiges Nilpferd fühlt man sich auch beim Fahren erinnert. Der gekürzte Radstand bringt in der Stadt zwar mehr Handlichkeit, doch auf der Autobahn fehlt der Lenkung die Bestimmtheit, und auf der Landstraße schunkelt und schaukelt der Be Bop wie das große Tier, wenn es nach dem Bade aus dem Fluss steigt. Immerhin müssen 1,5 Tonnen Autogewicht unter Kontrolle gehalten werden.
Bei hurtiger Fahrt wird der Motor laut
In Fahrt bringen den Be Bop die jeweils stärksten Motoren aus dem normalen Kangoo: Neben dem 1,5-Liter-Diesel mit 103 PS gibt es also auch eine Benziner-Variante, die aus 1,6 Liter Hubraum 106 PS schöpft. Ein Sprintwert von 12,1 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h machen allerdings schon deutlich, dass der Vierzylinder mit den maximal 148 Nm ordentlich gefordert ist: Nur wenn man ihn mit reichlich Drehzahl auf Trab hält und sich nicht am lauten Dröhnen aus dem Vorderwagen stört, kommt so etwas wie Fahrfreude auf. Allerdings verbraucht man dafür ein, zwei Liter mehr als die ohnehin schon üppigen 7,9 Liter im Durchschnitt.
Mit dem Lifestyle-Anspruch an den Be Bop und durch den höheren Aufwand für die zweifarbige Karosserie steigt auch der Preis. Obwohl das neue Modell weniger Platz bietet und ein gutes Stück kleiner ist als der konventionelle Kangoo, muss man für den Be Bop deutlich tiefer in die Tasche greifen. Fast 17.000 Euro sind selbst bei der ordentlichen Serienausstattung mit vier Airbags, ESP, Klimaanlage und Alufelgen ein Hürde, die Kunden wohl nur mit viel Be-Boptimismus überwinden werden.